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Löwenberger Land Die Löschgruppe ist der soziale Kitt im Dorf
Lokales Oberhavel Löwenberger Land Die Löschgruppe ist der soziale Kitt im Dorf
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19:47 23.12.2019
Die Löschgruppe Großmutz vor ihrem 2010 fertiggestellten Feuerwehrgerätehaus. Quelle: Uwe Halling
Großmutz

Großmutz ohne freiwillige Feuerwehr ist wie Monte-Carlo ohne Roulette – unvorstellbar. Und das ist keine Übertreibung. Immerhin gehören der Wehr derzeit 47 junge und alte Mitglieder an. Gemessen an der Einwohnerzahl von rund 240 hat jeder fünfte Einwohner des Dorfes ganz unmittelbar etwa mit der freiwilligen Feuerwehr des Ortes zu tun. Geht man von ungefähr 80 Haushalten im Dorf aus, hat mehr als die Hälfte davon einen Bezug zur örtlichen Feuerwehr. Nicht zu vergessen der 2009 gegründete Großmutzer Feuerwehrverein. Ihm gehören 50 bis 60 Mitstreiter an, von denen 60 Prozent keine Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sind. Es ist also gut nachvollziehbar, wenn die Führung der Löschgruppe von einer schlagkräftigen Truppe spricht. Einer, die sich dank des Durchschnittsalters der Einsatzabteilung von 41 Jahren gewissermaßen im besten Alter befindet.

Die Jugendwehr der Großmutzer Löschgruppe setzt sich aus Großmutzer und Glambecker Kindern zusammen. Quelle: Uwe Halling

Obwohl sie sich Löschgruppe Großmutz nennen, sind die Kameraden in Wahrheit doch die Löschgruppe von Glambeck, Hoppenrade und Großmutz. Aus allen drei Ortsteilen kommen Kameraden und Jugendliche, wenngleich die Mehrheit der Mitglieder der Einsatzabteilung natürlich aus Großmutz stammt. Bei der Jugendwehr sieht das derzeit freilich etwas anders aus. Dort stammen momentan vier der sieben Mitstreiter aus dem Nachbarortsteil Glambeck. „Es ist gut, dass wir so eine starke Löschgruppe sind“, sagt Nico Acker. Weil es wenig Arbeitgeber in den Dörfern gebe, so der stellvertretende Löschgruppenführer weiter, seien fast alle Mitglieder der Einsatzabteilung außerhalb des Ortes beschäftigt und sind damit während der Arbeitszeit kaum greifbar.

Für sieben Ortsteile zuständig

Um die Tageseinsatzbereitschaft zu verbessern, bilden die Großmutzer mit der Löschgruppe Häsen/Gutengermendorf eine Alarm- und Ausrückegemeinschaft. „Wir sind daher“, so unterstreicht Nico Acker, „mit Glambeck, Großmutz, Hoppenrade, Gutengermendorf, Klevesche Häusen, Neuhäsen sowie Häsen für sieben der 17 Ortsteile des Löwenberger Landes zuständig.“ Deshalb sind die Kameraden über jeden froh, der sich ihnen anschließen möchte. Und sie nehmen die Arbeit mit dem Nachwuchs, der von den beiden Oberlöschmeistern Carsten Kressin und Andreas Wrobel betreut wird, sehr ernst. „Die Jugendwehr ist unser Jungbrunnen“, sagt Nico Acker. In der Vergangenheit hätten erfreulich viele von ihnen in den Erwachsenenbereich aufgenommen werden können. Unbedingt noch arbeiten müssen die Großmutzer an ihrer Frauenquote. Aktuell gehört mit der 20-jährigen Lisa Post nur eine Frau zur Truppe. Da haben die Großmutzer schon mal bessere Zeiten erlebt. Sie führen das Defizit in ihrer bekannt humorvollen Art darauf zurück, dass die schönen Frauen aus Großmutz, wie Löschgruppenführer Lars Dittkrist betont, „eben immer besonders schnell weggeheiratet werden“.

Die Wettkampfmannschaft der Großmutzer hat bereits viele Pokale gewonnen und legt vor Wettkämpfen Extra-Trainingseinheiten ein. Quelle: Uwe Halling

Ansonsten fühlt sich die Löschgruppe aber gut aufgestellt und ausgebildet. Sie verfügen sogar über eine separate Wettkampfmannschaft, die die Großmutzer bei Wettbewerben vertritt und dafür Extra-Trainingseinheiten absolviert. Mit Erfolg. In den vergangenen drei Jahren standen die Großmutzer bei den Kreisausscheiden in Oberhavel stets auf dem Treppchen, 2019 in Wesendorf sogar ganz oben. Zuvor hatten sie dieses Jahr bereits den Wettstreit in Schulzendorf gewonnen, wo sie zuletzt oftmals mit dem undankbaren vierten Rang hatten vorlieb nehmen müssen.

Auf ihr Gerätehaus, das 2010 fertig geworden ist, sind die Kameraden ganz besonders stolz. Quelle: Uwe Halling

Stolz sind die Kameraden auf ihr Feuerwehrgerätehaus, das sie 2010 in Besitz nehmen durften. Ihr Schulungsraum befindet sich nur wenige Schritte entfernt gleich nebenan in der zum Gemeindehaus umfunktionierten und ausgebauten ehemaligen Dorfschule.

Feuerwehrauto stand einst im Schweinestall

Als sie 2005 ihr neues Fahrzeug erhielten und an das moderne Gerätehaus noch nicht zu denken war, musste das Feuerwehrauto vorübergehend in einem alten privaten Schweinestall untergebracht werden. In das kleine Depot unweit der Kirche hatte nämlich gerade mal der B 1000, mit dem die Großmutzer zuvor zu Einsätzen unterwegs waren, gepasst. Nico Acker erinnert sich: „Wir haben den Boden des ehemaligen Schweinestalls sogar vorher in Eigenleistung tiefer legen und die Tür weiter aufstemmen müsssen, damit das Feuerwehrfahrzeug hinein passte.“ Inzwischen haben sich die Bedingungen spürbar verbessert. Um die zehn Einsätze im Schnitt fahren die Großmutzer jährlich, 2019 waren es bislang elf. Der größte Einsatz dieses Jahr war der Brand am 26. Juni auf dem Gelände der örtlichen Agrar GmbH, als unter anderem 40 Jungrinder in einem nahen Stall von den Flammen bedroht waren.

Die Feuerwehrleute kümmern sich nicht nur um den Brandschutz, sie engagieren sich auch auf sozialem Gebiet , organisieren Feiern und Fest beziehungsweise greifen dem Ortsbeirat bei Veranstaltungen unter die Arme. Quelle: Uwe Halling

Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Größe und weil die Truppe sehr gut durchorganisiert ist, ist die Großmutzer Löschgruppe so etwas wie der soziale Kitt im Dorf. Traditionelle Veranstaltungen wie etwa der Fackelumzug und das Lagerfeuer zum Tag der Deutschen Einheit, das Osterfeuer oder das Knutfest organisieren die Kameraden völlig in Eigenregie. Beim jährlichen Sommerfest und auch beim Erntedankfest greifen die Feuerwehrleute dem Ortsbeirat tatkräftig unter die Arme.

Viermal im Jahr gibt’s den „Feuermelder“

Zudem gibt der Feuerwehrverein Großmutz e. V. viermal im Jahr den „Großmutzer Feuermelder“ heraus. Dabei handelt es sich um eine mehrere Seiten starke Publikation, die natürlich über die Arbeit der Feuerwehr, aber auch über das weitere Dorfleben berichtet. Wir bekommen dafür von anderen Vereinen, Gruppen aber auch Privatpersonen Zuarbeiten und Terminankündigungen, wofür wir sehr dankbar sind“, sagt Vereinschef Thilo Haedke. Von jeder Ausgabe, so der Brandmeister, würden jeweils 300 Exemplare gedruckt und in Großmutz, Glambeck und Hoppenrade verteilt. Der Feuerwehrverein hat seit seiner Gründung 2009 schon unheimlich viel für die Löschgruppe und den allgemeinen Brandschutz getan.

Die Jugendwehr profitiert ganz besonders von der Unterstützung, die ihr der Großmutzer Feuerwehrverein angedeihen lässt. Quelle: Uwe Halling

Rund 50 000 Euro an Einnahmen wurden während dieser Zeit erzielt und etwa 45 000 Euro wieder investiert. So finanziert der Verein zum Beispiel die jährliche Erlebnisfahrt der Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung, investierte in die Gestaltung des Übungs- und Veranstaltungsgeländes unmittelbar hinter dem Gerätehaus, finanziert Fahrten, Bekleidung und Ausbildungsbestandteile der Jugendwehr oder Ausbildung, Kleidung, Technik und Wettkampfmaterial für die Einsatzabteilung. Dieses Jahr beging der Feuerwehrverein Großmutz e. V. sein zehnjähriges Bestehen und sieht nach eigenen Worten die Zukunft der örtlichen Löschgruppe auch weiterhin positiv. Großmutz ohne freiwillige Feuerwehr? Das bleibt auch weiterhin unvorstellbar.

Von Bert Wittke

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