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Löwenberger Land So geht es einer der deutschlandweit ältesten Kirchturmuhren in Teschendorf
Lokales Oberhavel Löwenberger Land So geht es einer der deutschlandweit ältesten Kirchturmuhren in Teschendorf
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18:23 23.06.2019
Nach dem Gottesdienst zum 300-jährigen Jubiläum der Kirchturmuhr in Teschendorf gab es ein gemeinsames Café-Trinken. Quelle: Annika Jensen
Teschendorf

Die Dorfkirche ist fast voll. Gerade ist der Gottesdienst zu Ende gegangen. Nun schaut die Gemeinde auf eine provisorisch aufgebaute Leinwand. Ein Film ist dort zu sehen, aufgenommen von der Pastorin Ruth-Barbara Schlenker. Sie hat Horst Hoffmann bei seiner Arbeit an der Kirchturmuhr begleitet. „Früher haben die Menschen die Uhr noch mit der Hand aufgezogen“, sagt Hoffmann in die Kamera. „Da hatten sie noch Zeit.“

Die Kirchturmuhr an der Dorfkirche Teschendorf. Sie ist so alt, dass sie nur einen Zeiger hat. Quelle: Annika Jensen

Lautes Lachen schwappt durch das Kirchenschiff. Denn das zentrale Thema an diesem Sonntagnachmittag ist die Zeit. Es ist ein Festgottesdienst. Der Anlass: Die Uhr am Turm der Dorfkirche wird 300 Jahre alt – wenn man nach dem auf dem Ziffernblatt angegebenen Jahr 1719 geht. Und das tun die Teschendorfer.

Sie sind stolz auf ihre Uhr, die so alt ist, dass sie nur einen Zeiger hat. Eine der ältesten noch funktionierenden Uhren soll sie sein, deutschlandweit. Mittlerweile elektrisch werden zwei große Steine nach oben gezogen und indem sie wieder herabsinken, halten sie das Uhrwerk am Laufen.

Horst Hoffmann (l.) wird für sein Engagement um die Teschendorfer Kirchturmuhr geehrt. Quelle: Annika Jensen

Vor elf Jahren haben engagierte Bürger die Uhr wieder zum Laufen gebracht. Joachim Lemke, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates schätzt, dass sie mindestens hundert Jahre ruhte. „Frau Bellin, die 106 wurde und erst vor kurzem starb, sagte, die könne sich nicht erinnern, dass die Uhr in ihrer Kindheit lief“, sagt Lemke.

Es waren schließlich die Tante und der Onkel des langjährigen Ortsbürgermeisters, Michael Grüber, die einen Prozess in Gang setzten, an dessen Ende die Uhr wieder an den Kirchturm zurückkehrte. „Sie wollten für eine ostdeutsche Kirche spenden, zu ihrem 80. Geburtstag“, erinnert sich Michael Grüber. Es fanden sich bald weitere Spender und das Projekt Kirchturmuhr konnte realisiert werden. Der Schmied Wilfried Schwuchow aus Angermünde, der sich auf Uhren und Kirchenbekrönung, also den Stahlschmuck an Kirchtürmen, spezialisiert hat, erklärte sich bereit, die Uhr zu restaurieren.

Hoffmann übergibt die Uhren-Amt

Ein gutes Jahr verbrachte die Uhr in der Uckermark. Als sie zurückkehrte, half der Schlosser Horst Hoffmann beim Einbau. Seither betreut der vitale Rentner die Uhr liebevoll, die an keiner Stelle geschweißt ist, sondern überall genietet und versplintet. Er wartet und repariert. Kommt mehrmals in der Woche und schaut nach dem Rechten.

Demnächst übergibt er seine ehrenamtliche Tätigkeit an seinen Nachfolger, den Rentner Norbert Kraft. Hoffmann arbeitet ihn ein, und sobald er das Gefühl hat, die Uhr in sichere Hände abgeben zu können, möchte er sich zurückziehen. „Natürlich bin ich aber immer noch für Fragen da, solange ich noch zappeln kann“, sagt er und lacht.

„Zeit ist viel mehr als Geld“

In ihrer Predigt sagt Pastorin Schlenker: „Zeit ist Geld.“ Das sei der Grundsatz unserer modernen Welt. „Der Effekt ist, dass wir immer mehr Geld haben, aber immer weniger Zeit.“ Das bedauert sie. Und betont: „Zeit ist nicht Geld. Zeit ist viel mehr als Geld. Das merkt der Mensch spätestens dann, wenn ihm die Zeit zu Ende geht und er sie für kein Geld der Welt zurückkaufen kann.“

Von Annika Jensen

Am Sonntag feiert die Teschendorfer Kirchengemeinde das 300-jährige Jubiläum der Kirchturmuhr. Es werden die Aktiven und Förderer geehrt, die halfen, die historische Uhr zu sanieren.

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