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Löwenberger Land Wieder ein totes Tier: Hinweise auf Wölfe verdichten sich
Lokales Oberhavel Löwenberger Land Wieder ein totes Tier: Hinweise auf Wölfe verdichten sich
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00:39 28.05.2018
Damwildriss auf dem Gelände der Kiesgrube in Teschendorf/Neuendorf: Eine Attacke vom Wolf ist wahrscheinlich. Quelle: Privat
Teschendorf/Neuendorf

Ein Wolf hinterließ mit großer Wahrscheinlichkeit seine Spuren in einem Nebenbereich des Kieswerkes in Teschendorf. Ein Mitarbeiter der Sand und Kies Union (SKBB) fand dort am Donnerstag den Kadaver einer gerissenen Damhirschkuh. Wegen des Kehlbisses habe man sofort an den Wolf als Jäger gedacht, sagt Werkleiter Uwe Kurth. Den Fund habe er deshalb dem Wolfsbeauftragten gemeldet und ihm zusätzlich Fotos davon zugeschickt.

Auf den ersten Blick wolfstypisch

„Auf den ersten Blick ist das wolfstypisch“, sagt Wolfsbeauftragter Robert Franck aus Rheinsberg mit Blick auf die Bilder (siehe oben). Bei einem Wildtier genüge diese Art der Dokumentation. Gern hätte er den Kadaver selbst in Augenschein genommen und den bei Wölfen unverwechselbaren Zahnabstand gemessen, „aber ich war verhindert“. Derartige Überreste seien eher selten zu finden, so Franck. Denn ein Wolf pflege seine Beute vollständig zu verputzen, sofern er ungestört ist.

Weitere Stecknadel auf der Karte

Somit liefere die Meldung des Fundes lediglich eine weitere Stecknadel auf der Karte und die Erkenntnis: „In diesem Bereich verdichten sich die Hinweise.“ Letzte Gewissheit, ob es vielleicht doch ein Hund war, gebe es indes nicht, so Franck. Als immerhin positiv wertet er die Nachricht, dass der Wolf tut, was er tun soll: Wildtiere reißen – und keine Schafe.

Auch Montag gab es „Raubtieralarm“

Bereits am Montagabend gab es schon einmal einen Raubtieralarm. In Teschendorf hatte Landwirt Manfred Schock auf seiner Weide, wo knapp 100 Rinder stehen, ein ausgeweidetes Kalb gefunden und einen Wolf als Räuber vermutet. Ein Berliner Wolfsexperte nahm das Tier mit, er beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich Isegrimm war, auf 50:50.

Zweifel bei MAZ-Lesern

Doch bei MAZ-Lesern kommen Zweifel auf. „Das Kalb war schon länger tot und unsere Raben oder Krähen hatten ein leckeres Essen. Und es sind keine Reißspuren zu sehen“, schreibt etwa Yvonne Rauh auf Facebook. Leser Patrick Schröter nimmt den Wolf eher in Schutz. „Erst waren alle froh dass der Wolf wieder heimisch wird und nun wird alles ins Negative gezogen.“ Klar sei es schade um das Tier für den Landwirt. Den Ausgleich für den Schaden müsse der Bund tragen.

Skepsis auch von fachkundiger Seite

Doch auch von fachkundiger Seite gibt es Zweifel, dass in Teschendorf ein Wolf am Werk war. So gebe es keine Bissspuren am Hals, zudem seien die Organe gefressen worden. „Ein Wolf würde eher das Muskelfleisch fressen“, sagt der Jäger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auf dem Foto, welches das tote Tier zeigt, sei deutlich zu sehen, dass Kot an den Hinterläufen klebe.

Hinweise auf Durchfallerkrankung

Das lasse auf eine Durchfallerkrankung schließen. Dazu seien die Augen des Tieres eingesunken gewesen. „Ich tippe auf Durchfall, der bei dem warmen Wetter schnell zur Dehydrierung und dann zum Tod geführt hat“, so der Jäger. Doch welches Tier wäre dann für das riesige Loch im Rumpf verantwortlich? Der Jäger tippt hier auf einen Fuchs oder einen Waschbären. Es könnten allerdings auch Raben gewesen sein.

Bauer Schock glaubt weiter an einen Wolfsriss

Bauer Manfred Schock indes glaubt immer noch eher daran, dass ein Wolf sein Kalb gerissen hat. „Wenn das alles so eindeutig wäre, dann hätte der Wolfsbeauftragte das Tier doch nicht mitgenommen“, so der 61-Jährige. Wie lange es dauert, bis der Kadaver untersucht wurde, kann Schock allerdings nicht sagen.

Gemeinde nimmt den Vorfall ernst

Die Gemeinde Löwenberger Land nimmt die Sache ernst. „Am wichtigsten ist erst einmal, genau zu klären, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt“, sagt Bürgermeister Bernd-Christian Schneck. „Die ersten Proben sind eingeschickt worden.“ Sollte es sich tatsächlich um einen Wolf handeln, werde geprüft, ob die Wolfsschutzverordnung greift. „Diese Fälle in dieser Woche sind nicht zum ersten Mal in unserer Region aufgetaucht. Gesehen wurde der Wolf schon oft.“

Von Helge Treichel und Marco Paetzel

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