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Oberhavel Lucas Schemenz ist Poetry Slamer
Lokales Oberhavel Lucas Schemenz ist Poetry Slamer
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00:18 28.01.2017
Erst im vergangenen Herbst nahm Lucas Schemenz an einem Dichterwettbewerb teil.
Erst im vergangenen Herbst nahm Lucas Schemenz an einem Dichterwettbewerb teil. Quelle: Robert Tiesler
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Borgsdorf

Erst im September des vergangenen Jahres hatte er seinen ersten Auftritt. Lucas Schemenz (17) aus Borgsdorf schreibt Texte und trägt sie auf diversen Bühnen vor. Lucas ist Poetry Slamer. Und ein erfolgreicher dazu. Schon mehrfach hat er inzwischen solche Dichterwettbewerbe gewonnen.

Er schreibt über den Schulalltag, über Begegnungen mit Menschen. Es sind manchmal scheinbar banale Texte, dahinter verbirgt sich am Ende aber dann doch auch eine große Prise Gesellschaftskritik. „Meine Texte leben davon, dass man sie vor Publikum vorträgt“, sagt er.

Darauf gekommen ist er durch ein Seminar, das er im vergangenen Jahr in Berlin belegt hatte. Durch ein Stipendium der Robert-Bosch- und der Joachim-Herz-Stiftung kann er sich diverse Seminare anhören – bei einem ging es dann um Poetry Slams. „Da wurde uns das vorgestellt, und am Ende haben wir alle einen Text geschrieben und auch vorgetragen“, erinnert sich Lucas.

Lucas Schemenz beim Poetry Slam in Berlin. Quelle: Robert Tiesler

Der Schüler des Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasiums schreibt meist nicht über spezielle Themen. „Ich denke mir eine Pointe aus“, sagt er. Um diese Pointe schreibt er seinen Text drumherum. Dabei muss er immer darauf achten, dass manche Wortspiele, wenn man sie nur vorliest, nicht funktionieren. „Andere funktionieren nur gesprochen.“ Über die Sprache könne er auch Emotionen vermitteln – durch die Lautstärke oder auch durch Pausen an bestimmten Stellen. Manchmal fällt ihm mitten in einer Unterhaltung ein Wort auf – das schreibt er sich dann auf. So entsteht bald eine ganze Liste mit Wörtern. Auf sie greift er zurück, wenn er sich hinsetzt, um etwas Neues zu schreiben.

Wer Lucas Schemenz abseits der Lesebühne erlebt, wird überrascht sein. Er ist relativ ruhig, spricht leise und überlegt. Trägt er aber seine Texte vor, festigt sich seine Stimme, die Nervosität scheint aus seinem Körper zu weichen. „Beim ersten Auftritt war ich auch noch nervös“, sagt er. Aber es sei wichtig, dann auf der Bühne auch glaubhaft rüber zu kommen. „Es ist unpraktisch, wenn dir dein Publikum nicht abkauft, was du da erzählst.“ Kommt er auf die Bühne, „gehe ich erst mal raus und sehe jeden erst mal kurz an. Ich achte auch auf Reaktionen.“

Obwohl er schon mehrfach in Berlin solche Wettbewerbe gewonnen hat – darauf kommt es ihm nicht an. „Schön ist es, wenn man nicht in der Vorrunde rausfliegt“, sagt er. Ob er am Ende das Ganze für sich entscheidet, sei nicht mehr wichtig. „Ich freue mich viel mehr, wenn meine Texte gefallen.“ Oder wenn er inzwischen bei den Poetry-Slam-Organisatoren so bekannt ist, dass er auch mal zu Wettbewerben eingeladen wird. Das sind dann auch seine tollsten Momente: „Wenn mich jemand fragt, ob ich ihm mal meinen Text zuschicken kann.“

Ein kurzer Text von Lucas Schemenz

Gott würfelt nicht, denn die Würfel sind schon gefallen, und jetzt spielt er mit gezinkten Karten, wartend auf des Menschen linke Taten.

Wir sind seine schlechten Saaten, verlieren uns in hohlen Phrasen, obwohl Wille, Empathie und Weisheit uns den Weg zur Freiheit bahnten.

Egoismus scheint unsere Kette. Er und Bosheit sind wie Ehepaare bei Nacht – sie stecken unter einer Decke. Aber jede Kette hat ein Schloss und auch wenn des Schlüssels Rost mich unablässig ankotzt bleib ich der, der Gott trotzt.

Mit diesen Versen wird man Schwerter schärfen und die Achillesfersen jenen Gottes bersten. Also folgt meinen Fährten, dem Pfad meines Herzens und haltet Stand den Schmerzen, die da kommen aber wieder gehen werden.

Denn am Ende steht der Anfang – da wo Menschen Hand in Hand in einem grenzenlosen Land lebten liebten und verstanden wofür wir eigentlich Platz hier fanden.

Möge der Verstand uns leiten, heilen unsere Krankheiten, die da Ungeduld und Egoismus heißen.

Lasst uns eine Einheit schweißen und begreifen, dass wir verzichten können auf Leid, denn wir können Fehler wirklich meiden und auch die Schwierigkeiten, die uns zurück zu diesem Gott geleiten.

Nicht der Gott als Schöpfer der Welt. Nicht der Gott als allmächtiger Held, sondern als das Übermenschliche, dass das Menschsein killt.

Von Robert Tiesler

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