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Oberhavel Thiel-Prozess: Verteidiger fordert Freispruch
Lokales Oberhavel Thiel-Prozess: Verteidiger fordert Freispruch
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00:52 29.06.2014
Quelle: dpa
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Neuruppin/Leegebruch

Er hätte sich gewünscht, dass sich im Laufe des Verfahrens geklärt hätte, was mit der am 3. Juli 1997 verschwundenen Maike Thiel passiert ist, sagte Verteidiger Lüder Suling am Donnerstag. „Das haben wir nicht geschafft. Es ist uns aber gelungen, zu zeigen, dass die These der Staatsanwaltschaft nicht haltbar ist.“ Die hatte von einem teuflischen Mordplan gesprochen, den Christine Sch. ausgeheckt, ihr Sohn Michael gemeinsam mit Manfred S. ausgeführt haben soll. Nämlich, die hochschwangere 17-jährige junge Frau zu erdrosseln, damit Michael Sch. keinen Unterhalt zahlen muss.

Wegen Mord und Anstiftung dazu müssen sich Mutter und Sohn seit Mai 2013 vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklägervertreter, die die Angeklagten für schuldig halten, war am Donnerstag nun Lüder Suling, der Verteidiger von Michael Sch., an der Reihe.

„Das Rätsel ist nicht gelöst, aber mein Mandant ist freizusprechen“, forderte Suling. Aus seiner Sicht hat sich die Staatsanwaltschaft einen Sachverhalt konstruiert, der einzig und allein auf die Angeklagten fokussiert ist, ohne andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Zur Verdeutlichung zitierte er Sherlock Holmes: „Wenn man alle anderen Faktoren ausschließt, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein.“ Und die ist für Suling, dass sein Mandant unschuldig ist.

Es sei normal, dass sein Mandant zur Zeit des Verschwindens von Maike Thiel ebenfalls in Hennigsdorf gewesen sei. Zum einen sollte er einen Zettel bei einer Freundin seiner Mutter abgeben. Zum anderen lebe seine Großmutter da. Laut Staatsanwaltschaft soll Maike Thiel von dem inzwischen verhandlungsunfähigen Manfred S. erdrosselt worden sein. „Diese Tötungsart passt eher zu einer Spontantat als zu einem lange ausgedachten Plan“, so Suling. Auch die von Zeuginnen beschriebene angebliche Narbe, verursacht durch einen Biss von Maike Thiel, gebe es nicht. Sie seien von Pontius zu Pilatus gefahren, um dem Gericht durch einen Fachmann bestätigen zu lassen, dass sich unter der großflächigen Tätowierung am Arm des Angeklagten keine Narbe befinde. Immer sei Michael Sch. mitgefahren, freiwillig. „Würde das jemand machen, der Angst haben müsste, es würde etwas entdeckt?“, fragte Suling.

Außerdem sei seinem Mandanten so eine Tat nicht zuzutrauen. „Er ist ruhig, kein Mann der Tat.“ Auch das Motiv, wegen künftiger Unterhaltsforderungen jemanden umzubringen, sei abwegig. Dass sein Mandant nichts mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun habe, würden auch die 1997abgehörten Telefonate belegen. „Die Angeklagten reagieren nicht so wie Leute, die gerade jemanden umgebracht haben. Es sind ganz normale Menschen.“ Es gebe viele Anhaltspunkte, dass die Staatsanwaltschaft „grottenfalsch“ liege. Maike Thiel könnte auch mit einem anderen Mann weggegangen sein, Freunde hätten ihr bei einer möglichen Flucht helfen können, sie lebe vielleicht im Ausland. Es könnte aber auch der „große Unbekannte sein“, ein Mann, dessen Vorliebe schwangere Frauen sind. „Es gibt viele Menschen, die in Deutschland spurlos verschwinden. Mehr als man denkt“, sagte Suling.

Die weiteren Plädoyers werden für den 7.Juli erwartet.

Von Dagmar Simons

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