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13:00 27.10.2014
Schützenwert: Der Stechlinsee ist seit 1959 Forschungsobjekt. Quelle: Thomas Gonsiorczyk
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Neuglobsow

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hatte als Gastgeber die Beziehung zwischen Naturschutz und Forschung in den Mittelpunkt der Gespräche gerückt und Vertreter aller Richtungen an einen Tisch geholt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sollten Formen der Zusammenarbeit ausgelotet werden. Der Naturpark Stechlin und das IGB sind zum Abschluss der Veranstaltung mit gutem Beispiel vorangegangen und unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung.

Nach Einschätzung von Mark Gessner, Leiter der IGB-Abteilung am Stechlinsee, liegen Forschung und Naturschutz nicht so weit auseinander. Es gebe letztlich gar nicht so viel Konfliktpotenzial, wie allgemein angenommen werde – „da übertreiben wir vielleicht auch ein bisschen“, sagte er.

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Kritik am neuen Forschungsprojekt

Andererseits sieht sich das IGB derzeit mit der Kritik an seinem neuen Forschungsprojekt zu möglichen Klimafolgen im Stechlinsee konfrontiert. Naturschützer befürchten Eingriffe, die dem bedeutenden Klarwassersee schaden könnten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) hat gerade seine ablehnende Stellungnahme zu den geplanten Experimenten im Seelabor erneuert.
Der zweite Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Gransee, Tilmann Disselhoff, warf den Forschern am Tag vor der Veranstaltung sogar mangelnde Transparenz vor und begründete dies mit fehlenden Angaben im Versuchs-Antrag.

Kooperationspartner: Mario Schrumpf (l.) und Mark Gessner. Quelle: Cindy Lüderitz

Dieser Darstellung widersprachen am Sonnabend sowohl Mark Gessner als auch Werner Kratz, stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes (der mitgliederstärkste Naturschutzverein in Brandenburg). „Wir haben im Antrag alle Angaben vorgefunden und uns für das Projekt ausgesprochen“, betonte Kratz. Seiner Ansicht nach könne sich das IGB gar nicht erlauben, ein Projekt zu starten, welches dem See schadet. Die Forschung soll dabei helfen, die Natur auch unter sich verändernden Umweltbedingungen schützen und erhalten zu können. Zugleich könne die Forschung auf das immense Wissen der ehrenamtlichen Naturschützer bauen.

Forschung soll helfen Natur zu schützen

„Wir haben uns die Entscheidung für oder gegen das Projekt auch nicht leicht gemacht, sehen angesichts der Entwicklungen aber auch die Notwendigkeit der Forschung“, erklärte Naturparkleiter Mario Schrumpf und appellierte an alle Beteiligten, nicht ideologisch zu argumentieren, sondern mit soliden Fakten.

„Wir sollten uns kein Beispiel am Biber nehmen. Der kommuniziert nicht, der vernässt einfach. Da sind dann Konflikte programmiert“, fand Wissenschaftler Dominik Zak, der selbst Moorforschung betreibt, einen Bezug zur Tierwelt. Über mögliche Folgen und Beobachtungen zum Klimawandel und die Notwendigkeit, sich den Problemen gemeinsam zu stellen, sprach Vera Luchthardt von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Dass es Veränderungen gibt, lasse sich belegen. Anhand der Auswertung von Langzeitdaten konnten sie und ihr Team beispielsweise beweisen, dass sich die Dauer der Vegetationsperiode in Teilen Brandenburgs in den vergangenen 50 Jahren um 20 Tage verlängert hat. Zudem kämen wärmeliebende Arten wie der kleine Blau-pfeil oder die südliche Mosaikjungfer zu Besuch im Norden. Welche Arten die Gewinner dieser Entwicklung sein werden, sei aber auch für die Wissenschaft eine Art Black Box.

Von Cindy Lüderitz

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