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Oberhavel Mit Bränden Diebstähle vertuscht
Lokales Oberhavel Mit Bränden Diebstähle vertuscht
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09:47 31.01.2014
Quelle: dpa
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Oberhavel

„Dass Diebe Feuer legen, um ihre Spuren zu verwischen, ist nicht neu“, sagte Arno Neumann. „Doch das Ausmaß zahlreicher Brände, mit denen wir es seit November vergangenen Jahres im Norden Oberhavels zu tun hatten, steht in keinem Verhältnis zu den Diebstahlsdelikten, die damit vertuscht werden sollten.“ Der Leiter der Ermittlungsgruppe machte gestern, als die Staatsanwaltschaft Neuruppin und die Polizeidirektion Nord über die Aufklärung der Brandserie berichteten, immer noch ein etwas ungläubiges Gesicht.

Zusätzlichen Transporter fürs Diebesgut gebraucht

Ansonsten gab es aber am Donnerstag  eher Anlass zur Freude – sowohl bei den Einwohner im Norden Oberhavels, die jetzt wieder ruhiger schlafen können, als auch bei Polizei und Staatsanwaltschaft. „Die Aufklärung der Brandserie ist das Ergebnis beharrlicher kriminalpolizeilicher Arbeit“, ist Arno Neumann überzeugt. Zwischenzeitlich sei die Anfang Dezember 2013 ins Leben gerufene und von ihm geleitete vierköpfige Ermittlungsgruppe um bis zu 15 operative Kräfte erweitert worden. Und die Arbeit ist noch nicht beendet. Noch mindestens bis 14. Februar wird die Ermittlungsgruppe weiterbestehen und zum Beispiel auch mit Hilfe des Internets versuchen, das sichergestellte Diebesgut zuzuordnen. Wie es hieß hätten die Beamten bei den Wohnungsdurchsuchungen „fast 90 Positionen zusammengestellt“. „Wir mussten extra einen Kleintransporter nachordern, um die ganzen Sachen abfahren zu können“, sagte Arno Neumann. Es sei nicht ausgeschlossen, so der Leiter der Ermittlergruppe, dass sich in den nächsten Tagen noch weitere Straftaten der Tätergruppe aus Zehdenick zuordnen lassen.

Auch Brände, die die Tatverdächtigen bislang nicht zugegeben haben, werden noch einmal unter die Lupe genommen. Dazu gehört auch das Feuer in der Alten Reederei in Fürstenberg vom November 2013. „Wir behalten das im Fokus“, kündigte Arno Neumann an und der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher fügt hinzu: „Im Zuge der Ermittlungen sind weitere Haftbefehle wahrscheinlich.“ Bislang hat es davon zwei gegeben – gegen den 24-jährigen Zehdenicker Ehemann und gegen einen noch nicht näher bezeichneten Tatverdächtigen. Grundlage dafür sind zehn Einbruchsdiebstähle und neun einfache Brandstiftungen, die die Personen bereits eingeräumt haben. Bei beiden, so Gerd Schnittcher, bestehe die akute Gefahr, dass sie andernfalls versuchen, Einbruchsspuren zu verdecken. Dass die 37-jährige Ehefrau von einem Haftbefehl verschont blieb, begründete der Leitende Oberstaatsanwalt mit ihren „starken familiären Bindungen“.

Die jetzt ermittelten Tatverdächtigen sind für die Polizei keine unbeschriebenen Blätter. Beide Personen, gegen die Haftbefehl erlassen wurde, sollen wegen früherer Delikte unter Bewährungen stehen. Gegen einen läuft sogar gerade ein Verfahren in Prenzlau. Dabei geht es neben Diebstahl auch um Brandstiftung. Die 24-jährige Zehdenickerin sei in der Vergangenheit vor allem wegen Eigentumsdelikten aufgefallen.

Während das Ehepaar aus Zehdenick keiner geregelten Arbeit nachgeht und scheinbar durch die Diebstähle und das Verkaufen der dabei erbeuteten Gegenstände seinen Lebenunterhalt bestreitet, soll sich der 16-jährige Sohn in einer Lehre befinden.

Aufatmen bei Landwirten und Feuerwehrleuten

In der Region sind die vorläufigen Festnahmen mit Erleichterung und Genugtuung registriert worden. „Es freut mich für unsere Bürger, vor allem aber für die vielen Feuerwehrleute, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich stark belastet wurden“, sagte Löwenbergs Gemeindebürgermeister Bernd-Christian Schneck. „Es ist gut, dass die Feuerteufel jetzt geschnappt wurden“, findet auch Peer Mieth. Der Feuerwehrmann aus Teschendorf weiß nur allzu gut, wie oft die Kameraden in den vergangenen Wochen um den Schlaf gebracht wurden, weil sie von ihren Alarmpiepern zum Einsatz gerufen wurden. Er sei froh, so Peer Mieth, dass bei den Bränden keine Personen zu Schaden gekommen sind. Doch allein der Gedanke, dass bei den Brandstiftungen leichtfertig Menschenleben aufs Spiel gesetzt wurden, sei beängstigend.

Chefermittler Arno Neumann freut sich vor allem für die beunruhigten Landwirte. Ihnen hätten die Brandstifter teilweise erhebliche materielle und existenzbedrohende Verluste zugefügt.

Von Bert Wittke

Neun Tatorte

  • Liebenwalde, Bahnhofstraße, Lagerraum, 27. November 2013 , 3.15 Uhr
  • Großmutz, Großmutzer Dorfstraße, Scheune, Photovoltaikanlage, 4. Dezember 2013, 6 Uhr
  • Zehdenick, Ziegelei Werk 4, ehemaliges Bürogebäude, Schaden 5000 Euro, 4. Dezember 2013, 6.15 Uhr
  • Linde, Grundmühle, Scheune, Suzuki, 5. Dezember 2013, 1.55 Uhr
  • Liebenwalde, Havelstraße, leeres Bürogebäude, Schaden 3000 Euro, 6. Dezember 2013, 14.10 Uhr
  • Osterne, Badinger Weg, Scheune, Strohballen, Maschinen, Schaden 800 000 Euro, 7. Dezember, 1.45 Uhr
  • Zehdenick, Schleusenstraße, Lagerhalle Betonwerk, Schaden 30 000 Euro, 12. Dezember 2013, 3.55 Uhr
  • Zehdenick, Badinger Chaussee, Scheune Karlshof, Elektrogeräte,
  • 23. Dezember 2013, 6.15 Uhr
  • Neuendorf, Forsthaus Kerkow, Schaden 250 000 Euro, 4. Januar, 9.47 Uhr
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