Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Mühlenbecker Land Heidekrautbahn: Sind die Sorgen der Anwohner berechtigt?
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Heidekrautbahn: Sind die Sorgen der Anwohner berechtigt?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:11 10.07.2019
Rund 20 Millionen Euro will die NEB in die Reaktivierung ihrer alten Stammstrecke nach Wilhelmsruh und Gesundbrunnen investieren. Zahlreiche Bürger äußern Ängste und Forderungen. Quelle: Helge Treichel/Bürgerinitiative Heidekrautbahn
Mühlenbecker Land

 Mit zahlreichen Plakaten, Laken und Transparenten machen Schildower derzeit auf ihre Befürchtungen im Zusammenhang mit der geplanten Reaktivierung der Heidekrautbahn auf ihrer alten Stammstrecke zwischen Basdorf und Berlin-Wilhelmsruh aufmerksam. Forderungen werden gestellt. „Mittlerweile besteht die Bürgerinitiative ,Dialog Heidekrautbahn’ aus circa 150 engagierten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern, die Kritik, aber auch Ängste haben“, sagt Patrick Schumann. Es gehe dabei um Gesundheits- und Umweltschutz, um Glyphosat, Feinstaub, fehlenden Lärmschutz, Schrankenschließzeiten und Dieselzüge. Gefordert werden ein Nachtfahrverbot für Güterzüge, Geschwindigkeitsbeschränkungen innerorts, Flüstergleise, Wasserstoffzüge sowie der Wegfall des Bahnhofs Schildow-Nord.

Protestplakate: Flüstergleise gehören zum Forderungskatalog. Quelle: Bürgerinitiative Heidekrautbahn

Bei vielen Einwohnern kommen Fragen oder Unsicherheiten bezüglich der thematisierten Sachverhalte auf. „Ein Großteil der Behauptungen stimmt schlicht und ergreifend nicht“, sagt Katja Tenkoul, die bei der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) die Öffentlichkeitsarbeit für die Heidekrautbahn betreut. Falsch sei zum Beispiel die Behauptung, dass die Strecke nicht bis Gesundbrunnen weitergeführt werden soll. Zwar reiche der Streckenabschnitt, der zum Fahrplanwechsel 2023 in Betrieb gehen soll, tatsächlich nur bis Wilhelmsruh. „Da wir uns auf NEB-eigener Infrastruktur bewegen und Baurecht für den Bahnhof Wilhelmsruh besteht, ist hier eine zügige Umsetzung möglich“, erläutert die Sprecherin.

Für die Verlängerung bis Gesundbrunnen sei die NEB auf die Zusammenarbeit mit der DB Netz AG angewiesen. Ein genauer Termin könne dafür beim jetzigen Planungsstand einfach noch nicht genannt werden.

Die Heidekrautbahn verkehrt bereits abseits ihrer Stammstrecke. Quelle: Helge Treichel

Bei Thema Güterverkehr befürchten die Anwohner nächtliche Lärmbelästigungen. Tatsächlich müssen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) ihre Strecken diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen, sagt Katja Tenkoul. Und bereits jetzt überführe der Schienenfahrzeugbauer Stadler Züge auf der Stammstrecke – „bedarfsmäßig, etwa ein- bis zweimal pro Woche“. Dies geschehe jedoch vergleichsweise leise, langsam und nur tagsüber. Eine Nachfrage nach nächtlichem Güterzugverkehr sei dort derzeit nicht erkennbar. Wie sich der Güterverkehr künftig entwickelt, könne derzeit niemand sagen. Jede Angabe dazu wäre „reine Spekulation“. Das betreffe auch Geschwindigkeiten. Die geplante Ertüchtigung auf 80 km/h beziehe sich auf den Personenverkehr, wobei innerorts andere Regelungen gelten. „Da Ängste zu schüren, halte ich für verantwortungslos“, so die NEB-Sprecherin.

Die Stammstrecke der Heidekrautbahn. Quelle: NEB

Die NEB strebe im Zuge der Streckenreaktivierung an, in einem Pilotprojekt Wasserstoffzüge zu kaufen und auf der Heidekrautbahn fahren zu lassen. „Hierzu befindet sich die NEB in Verhandlung mit den verschiedenen Projektpartnern“, so die Sprecherin.

Zum Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenvernichtungsmittel gebe es momentan keine Alternative, sagt Katja Tenkoul. Das gelte für alle Bahnunternehmen. Der Einsatz jedoch sei behördlich genehmigt, streng reglementiert und in Schutzgebieten nicht erlaubt. Die Unkrautbekämpfung sei notwendig, um die Sicherheit der Anlagen zu gewährleisten.

Die Heidekrautbahn. Quelle: NEB

Der Schutz vor Lärm, Schall und Erschütterungen sei Gegenstand von Gutachten, die voraussichtlich bis zum Jahresende erstellt werden. Erst wenn diese vorliegen, könne ein Maßnahmenkatalog daraus abgeleitet werden. Maßnahmen müssten dann ergriffen werden, wenn die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte überschritten werden. Es wäre also verfrüht, jetzt schon Versprechungen zu Lärmschutzwänden oder Flüsterschienen zu machen, so die NEB-Sprecherin.

Ob es in Schildow-Nord einen dritten Haltepunkt für die Gesamtgemeinde gibt, darüber entscheidet die Gemeindevertretung, voraussichtlich im September. In die Planung aufgenommen wurde dieser, weil sonst der Abstand zwischen den Haltepunkten in Schildow und Mühlenbeck zu groß würde, erläutert Katja Tenkoul.

 

Protestplakate: Die Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“ macht mobil. Quelle: Bürgerinitiative Heidekrautbahn

Von Helge Treichel

Oberhavel Oberhavel: Polizeibericht vom 9. Juli - Polizeiüberblick: Boots-Sicherungen gelöst

In Zehdenick sind an sechs Booten die Sicherungen gelöst worden. In Mühlenbeck stahlen Unbekannte mehrere Rüttelplatten. In Germendorf gab es einen Wildunfall. Das und mehr im aktuellen Polizeibericht.

09.07.2019

Schüler Rico Manke (12) aus Glienicke darf nun doch auf die Gesamtschule nach Mühlenbeck. Eigentlich sollte er an eine Oberschule in Hennigsdorf. Dorthin hätte er fast zwei Stunden vor Unterrichtsbeginn von zuhause mit dem Bus aufbrechen müssen. Zudem wäre ihm die Option zum Abitur verbaut gewesen.

08.07.2019

Für Familien mit geringem Einkommen werden ab 1. August Kita, Hort und Tagespflege kostenlos – wenn sie noch bis 31. Juli das nötige Formular einreichen! Den Link dazu gibt es im Artikel.

08.07.2019