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Mühlenbecker Land Etwa 100 Leute bei Demo für einen Radweg an der L21
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Etwa 100 Leute bei Demo für einen Radweg an der L21
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20:59 08.06.2019
Ungewohntes Bild: Radler auf der L21 zwischen Zühlslake und Summt. Quelle: Robert Roeske
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Summt

Glaubt man einem Antwortschreiben aus dem Potsdamer Verkehrsministerium, soll es einen Radweg zwischen Summt und Zühlsdorf geben. Das ist ein echtes Mysterium, denn die Menschen, die diese Gegend kennen, fragen sich ernsthaft, wo der sein soll.

Am Sonnabendvormittag nahmen etwa 100 Menschen an einer Fahrraddemonstration teil. Die Teilnehmer fordern einen Radweg von Mühlenbeck über Summt nach Zühlsdorf und weiter bis Wensickendorf und Zehlendorf entlang der Landesstraße 21. Eine Gruppe traf sich in Wensickendorf, eine weitere in Zühlsdorf. Am Kreisel in Zühlslake stießen beide Gruppen zusammen, um gemeinsam nach Summt zu radeln – begleitet von der Polizei, die die Strecke absicherte und für den Autoverkehr kurzzeitig sperrte. Die kleine – und für die Radler ungewöhnlich sichere – Radtour endete auf dem Parkplatz im Summter Ortskern.

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Bürgermeister Filippo Smaldino spricht bei der Kundgebung. Quelle: Robert Roeske

Unter den Teilnehmern der Demo war auch Filippo Smaldino (SPD), der Bürgermeister des Mühlenbecker Landes. „Man muss laut werden“, sagte er bei der Kundgebung in Summt. Anders könne man sich kaum noch Gehör verschaffen. „Ich bin mit meinem Verwaltungslatein am Ende“, gab der Bürgermeister zu. „Deshalb radele ich hier mit.“ Er sagte aber auch: „Das kann hier auf keinen Fall das Ende sein. Wir müssen auch nach diesem Tag überlegen, wie es weitergeht.“ Er selbst habe immer darauf wertgelegt, „dass keines meiner Kinder diesen Weg auf der L21 fährt.“ Auch der Weg durch den Wald sei keine Alternative, insbesondere in der Dunkelheit.

Smaldino habe neulich selbst die Erfahrung gemacht. Er sei die Strecke zwischen Wensickendorf und Summt in der Dunkelheit gefahren und habe einen Radfahrer erst sehr spät gesehen. Es sei alles gut gegangen, aber was, wenn nicht? „Das ist mehr als Mord“, sagte er zugespitzt.

Ankunft der Radlerdemo in Summt. Quelle: Robert Roeske

Heinz Ließke (FWO), der Ortsvorsteher von Wensickendorf, sagte, dass es ein wichtiges Anliegen sei, einen Radweg zu bekommen. „Wenn wir Bürger uns nicht bewegen, dann wird auch nichts passieren.“ Er erinnerte daran, dass die Wensickendorfer und viele weitere Mitstreiter jahrelang für einen Radweg nach Wandlitz gekämpft hatten. „Dieses Jahr wird er gebaut“, so Ließke weiter. Es müsse viel mehr Geld in solche Projekte fließen, und es könne nicht sein, dass – wie im Fall des Weges nach Wandlitz – immer 16 Jahre vergehen müssen zwischen dem Planungsbeginn und dem Bau.

Ließkes Stellvertreter Daniel Langhoff (FDP) kritisiert, dass die Strecke nicht im Fokus stehe. „Deshalb müssen wir mehr und lauter sein.“ Wie problematisch die Strecke für Radler ist, hat er selbst gemerkt. So stand bei ihm und seine Frau am Anfang die Frage im Raum, ob sie einen Helm aufsetzen. „Hin geht das ja“, sagte er. Da begleitete die Polizei die Radler, und alles war sicher. „Aber ohne Polizeibegleitung möchte ich diese Strecke nicht ohne Helm fahren“, so Daniel Langhoff weiter. Er betonte zudem, dass auch die Tangente bis Zehlendorf einen Radweg brauche.

Gute Stimmung unter den Radlern bei der Demo. Quelle: Robert Roeske

Mario Müller (CDU) sagte bei der Kundgebung: „Das kann nur der Anfang sein. Jeder, der hier mal lang gefahren ist, weiß, dass das hier eine Katastrophe ist.“ Es gehe dabei auch um die Schulwegsicherung. Er freue sich, dass diese Aktion parteiübergreifend stattfinde.

Mühlenbecks Ortsvorsteherin Anita Warmbrunn (parteilos) erinnerte ebenfalls daran, dass auch zwischen Zühlsdorf und Mühlenbeck Schulkinder unterwegs seien – aber eine Radfahrt zwischen den Orten kaum möglich sei. Sie wundert sich über die aus Potsdam erhaltene Auskunft, dass es einen Radweg ja bereits gebe. „Wo immer der sein mag. Ich nehme an, die wissen selber nicht, wo der ist.“

Ankunft in Summt. Quelle: Robert Roeske

Die Schönwalderin Ingrid Schmal war auch in Summt. Denn auch zwischen Schönwalde und dem Mühlenbecker Gemeindeteil Buchhorst fehle ein Radweg. „Es ist super gefährlich“, sagte sie am Sonnabend.

In Summt konnten sich die Demoteilnehmer noch mit Getränken stärken, Zuckerwatte gab es auch. Dann war die Polizei wieder bereit, die Strecke absichern. Denn der Tross bewegte sich dann wieder zurück nach Zühlsdorf und weiter nach Wensickendorf.

Die Polizei sicherte die Fahrt ab. Quelle: Robert Roeske

Von Robert Tiesler