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Mühlenbecker Land Post von Präsident Erdogan
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Post von Präsident Erdogan
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01:16 24.06.2018
Der Erdogan-Brief von Familie Hüttich.
Der Erdogan-Brief von Familie Hüttich. Quelle: Foto: privat
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Mühlenbeck

Familie Hüttich aus Feldheim hatte dieser Tage Post vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. In seinem Brief ruft er die rund 1,45 Millionen stimmberechtigten Türken hierzulande auf, für seine Wiederwahl und die AKP zu stimmen. Schließlich hatte Erdogan und dessen Partei in der Vergangenheit in Deutschland stets gute Wahlergebnisse geholt.

Die Wahlwerbung wäre auch nicht weiter verwunderlich – wären die namentlich angeschriebenen Hüttichs stimmberechtigt oder türkischstämmig. Aber das trifft auf sie in keiner Weise zu. „Kurios, kurios“, kommentiert Nicol Hüttich das ominöse Schreiben. Vor dem Hintergrund, dass eigentlich nur Deutschtürken angeschrieben werden, wird die Sache für die dreifache Mutter „mysteriös“. Abgesehen von Besuchen in dem Land gibt es keinerlei Bezugspunkte zur Türkei. Und in der Mühlenbecker Nachbarschaft seien ähnliche Schreiben auch nicht aufgetaucht, so die 40-Jährige.

Nicol Hüttich aus Mühlenbeck. Quelle: privat

Doch bei der Suche nach möglichen Erklärungen ist Nicol Hüttich ein Vorfall von Anfang vergangenen Jahres eingefallen. Seinerzeit hatte sie schon einmal Post erhalten, die sie überhaupt nicht deuten konnte, obwohl dieser Brief sogar in der deutschen Sprache abgefasst war. Darin war die Rede von einem Antrag auf Kindergeld. Grundlage dafür sei die Vorlage eines über den 31. Dezember 2016 hinaus verlängerten elektronischen Aufenthaltstitels. „Ich komme mir gerade ein wenig vor wie das Schwein vorm Uhrwerk. Was wollen die bitte von mir“, hatte sie damals auf Facebook gepostet und um Rat gefragt. Die Familie erhalte regulär Kindergeld und habe keinen Neuantrag gestellt.

Das Ganze sei nach einem Telefonat mit der Kindergeldstelle im Sande verlaufen. Die Auskunft: „Es handelt sich um einen Systemfehler“. Nicol Hüttich dachte sich nichts weiter dabei. Bis sie jetzt Post von Erdogan bekam. Wird ihre Familie in irgendeinem fehlerhaften Computersystem einer fernen Behörde doch noch als türkisch geführt? Eins steht jedenfalls fest: Für Erdogan wird und kann Nicol Hüttich nicht abstimmen. Natürlich auch für keinen anderen Kandidaten.

Von Helge Treichel