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Mühlenbecker Land Gemeindevertreter beschließen drei Bahn-Haltepunkte
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Gemeindevertreter beschließen drei Bahn-Haltepunkte
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18:35 03.09.2019
Zwei Demonstrantinnen während der Gemeindevertretung im Bürgersaal Schildow. Quelle: Helge Treichel
Schildow

Trotz massiver Proteste von Anwohnern ist es entschieden: Die Heidekrautbahn soll auf ihrer künftig reaktivierten Stammstrecke drei Haltepunkte allein im Mühlenbecker Land bekommen: Mühlenbeck, Schildow Mönchmühle und Schildow Bahnhof. Diesen verkehrspolitisch motivierten Grundsatzbeschluss fassten die Gemeindevertreter am Montagabend mehrheitlich bei vier Gegenstimmen.

Laut Beschlusstext „begrüßt“ die Gemeindevertretung „ausdrücklich die geplante Einrichtung von drei Haltepunkten“. Die Haltepunkte sollen in Schildow am alten Bahnhof (nahe der Bahnhofstraße) und an der Kreuzung zwischen Heidekrautbahn und L21 (Schillerstraße/Mühlenbecker Straße) sowie in Mühlenbeck nahe des Berufsförderungswerkes realisiert werden.

Die geplanten Haltepunkte der Heidekrautbahn im Mühlenbecker Land. Quelle: Gruppe Planwerk

„Die Heidekrautbahn soll als leistungsfähiges Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs ausgebaut werden, um die Straßen möglichst vom Autoverkehr zu entlasten“, heißt es in der Beschlussbegründung. Hierfür sei es „unbedingt sinnvoll, vielen Einwohnern unserer Gemeinde die Möglichkeit zu eröffnen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad einen Zugangspunkt zu erreichen“. Abstände von circa einem Kilometer zwischen den Haltepunkten seien hierfür gut geeignet. Die exakte Lage der Haltepunkte werde erst im Zuge der weiteren Planung festgelegt.

Vor Beginn der Sitzung hatten rund 50 Gegner eines dritten Haltepunktes vor dem Bürgersaal demonstriert. Sie verwiesen auf eine zehn Jahre alte Vorplanung, laut der die NEB einen Halt in Schildow Nord wegen eines geringen Fahrgastpotenzials für „entbehrlich“ gehalten habe. Deshalb sollte sogar auf eine Wiederinbetriebnahme verzichtet werden. Dieser Halt hätte außerdem zur Folge, dass die Schranken mindestens drei Minuten geschlossen seien, was unnötig Lärm, Abgase und „Chaos“ nach sich zöge. Außerdem wird die Frage gestellt, ob für zusätzliche Fahrzeugstellplätze tatsächlich Bäume gefällt werden sollten. Außerdem werde ein 140 Meter langer Bahndamm gebaut und Boden versiegelt für „wenige Nutzer“. Eine Vertreterin der Bürgerinitiative (BI) „Dialog Heidekrautbahn“ übergab weitere Unterschriftenlisten, wodurch sich nunmehr rund 1400 Unterzeichner kritisch zum Projekt positionieren. Sieben Bedingungen werden von der BI gestellt: Nachtfahrverbot für Güterverkehr, Verbot von Glyphosat im Gleisbereich, moderne Lärmschutzmaßnahmen, Einsatz moderner Züge (Wasserstoff, Elektro) kurze Schrankenschließzeiten, kein Bahnhof in Schildow Nord und echte Bürgerbeteiligung.

Der Bürgersaal war am Montagabend wieder einmal recht voll. Quelle: Helge Treichel

Inhaltlich beziehe sich die Petition allerdings nur am Rande auf die Zahl der Haltepunkte, sagte Bau-Fachbereichsleiter Hanns-Werner Labitzky. Stattdessen würden auch Fragen gestellt und Rahmenbedingungen gefordert, „die auch ich unterschreiben kann“. Darüber hinaus verwies er im MAZ-Gespräch auf eine weitere Petition aus diesem Jahr, mit der sich rund 1500 Menschen per Unterschrift klar für das Reaktivieren der Heidekrautbahn ausgesprochen hatten.

Thorsten Friedrich hatte als Fraktionsvorsitzender von FDP/AG MüLa unter Beifall der zahlreichen Gäste dringend dazu aufgerufen, die Grundsatzentscheidung an diesem Abend nicht zu treffen und das Thema stattdessen noch einmal in den Fachausschüssen zu beraten. Dagegen argumentierte Ursel Liekweg (SPD), indem sie auf die bessere Planbarkeit mit der Entscheidung verwies. Mit Verweis auf ihren Heimatort Zühlsdorf und den dortigen Bahnhof mit Gastronomie entkräftete sie die Befürchtung, dass mit dem Haltepunkt die Existenz des „Kastanienhofes“ im alten Schildower Bahnhofsgebäude zerstört werde. Das Gegenteil sei der Fall.

Tranparente der Demonstranten vor dem Bürgersaal. Quelle: Helge Treichel

Dass der Bedarf von einigen vielleicht noch nicht gesehen wird, sich das Haltepunkt-Angebot aber „als gut und richtig erweisen“ wird, prophezeite Werner Haberkern, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Das sei die Voraussetzung, „um die Pendler auf die Schiene zu kriegen“. Die Situation verglich er mit der Straßenbahn.

Einzelne Demonstranten reagierten sehr ungehalten auf die getroffene Entscheidung. Mit Verweis auf die Unterschriften warfen sie den Kommunalpolitikern lautstark „totale Ignoranz“ vor. Der Ort werde auf Jahrhunderte verschandelt. Auch ein Gewissen wurde ihnen abgesprochen. Und es wurde gedroht, dass sie noch von der Geschichte hinweggefegt würden.

„Fehler sind nicht änderbar“, warnen die Demonstranten. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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