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Mühlenbecker Land Hundegiftköder in Oberhavel: Golden Retriever “Bobby“ stirbt
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Hundegiftköder in Oberhavel: Golden Retriever “Bobby“ stirbt
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00:24 30.03.2019
Golden Retriever Bobby aus Mühlenbeck überlebte die Giftköderattacke nicht. Er verstarb am Montag, nachdem er Rattengift gefressen hatte, welches Unbekannte über den Gartenzaun geworfen hatten. Quelle: Privat
Mühlenbecker Land

Die Trauer bei Familie Bey aus Mühlenbeck ist grenzenlos. „Es ging Montag plötzlich ganz schnell. Bobby fing an zu zittern, Schaum lief aus seiner Schnauze, die Zunge wurde blau, er wurde ganz steif. Innerhalb von drei Minuten war er tot.“ Jessica Bey findet nur schwer Worte für den Tod ihres Familienhundes. „Er lebte seit genau einem Jahr bei uns, war ein absolut freundlicher Hund, ein bisschen tollpatschig, hat kaum gebellt“, beschreibt sie den Golden Retriever, der offenbar Opfer eines Giftanschlages wurde. Vergangene Woche schon hatte der Hund offenbar Gift aufgenommen, der Tierarzt konnte den Vierbeiner stabilisieren. In einer Mühlenbecker Facebookgruppe berichtete Jessica Bey über die Ereignisse, um andere Hundebesitzer zu warnen. „Die Person, die das Gift auslegt, muss dort mitlesen“, vermutet sie. Mit Bobby sei sie anschließend nicht mehr draußen gewesen, habe ihn nur noch in den eigenen Garten gelassen. In den warf offenbar am Sonntag der unbekannte Täter Rattengift über den Zaun, welches Bobby fraß und das am Montag gegen 14 Uhr dann seine Wirkung zeigte.

Gefahr nicht nur für Vierbeiner, sondern auch für Kinder

Vor allem für den achtjährigen Sohn der Familie ist der Tod des Hundes unbegreiflich. „Bobby war sein bester Freund, er versteht nicht, warum so etwas geschehen ist“, findet Jessica Bey kaum Worte. Hinzu kommt: Die Mühlenbeckerin betreibt auf ihrem Grundstück Tagespflege für Kinder unter drei Jahren. „Stellen Sie sich vor, ein Kind findet das Rattengift. In dem Alter sind sie in der oralen Phase, nehmen alles in den Mund“, sagt Jessica Bey, für die der Garten somit vorerst tabu ist.

Tierarzt und Polizei bestätigen Fall

„Wir haben bislang einen gesicherten Fall eines Hundes, der nach einer Rattengiftaufnahme bei uns behandelt wurde, leider aber dennoch verstarb", teilte Tierarzt Frank Thomas aus der Schönfließer Praxis am Mittwoch mit. Jessica Bey weiss bislang gar von fünf Fällen, vier der betroffenen Hunde seien inzwischen verstorben. Auf Nachfrage bei der Polizei teilte Pressesprecher Stefan Rannefeld mit, dass bislang eine Anzeige aufgrund eines vergifteten und verstorbenen Hundes eingegangen sei.

Hundebesitzer fragen sich: Warum?

Nicht nur in Mühlenbeck sind die Hundehalter verunsichert. Seit vergangener Woche tauschen sie sich in Facebook-Foren über gefundene Giftköder aus, die zunächst in Glienicke aufgetaucht sein sollen, ehe sie auch in Mühlenbeck sowie im Ortsteil Feldheim gefunden wurden. Dienstagnachmittag gab es dann in Schönfließ einen Fund von mit Rasierklingen bestückten Würstchen. Den Mühlenbecker Mario Hintze macht das fassungslos. „Es gibt überhaupt keinen Grund, einem Hund so etwas anzutun“, sagt der 57-jährige Besitzer zweier Russkiy-Toy-Terrier. „Vielleicht hat da jemand Ärger mit den Nachbarn, ist unzufrieden oder ärgert sich über Hundekot. Es gibt viele Möglichkeiten für solch einen Konflikt und immer einen Auslöser“, vermutet er. Auf seinen Gassirunden mit Spocki und Tuvok sei er nun ganz besonders achtsam und hofft, dass der oder die unbekannten Täter bald gefasst werden.

Im Verdachtsfall keine Zeit verlieren und sofort zum Tierarzt

Wirkt ein Hund schlapp und will nicht mehr richtig fressen, könnte dies ein Anzeichen für aufgenommenes Gift sein, welches insbesondere die Blutgerinnung beeinträchtigt. „Um auf der sicheren Seite zu sein, ist es in solch einem Fall ratsam, sofort zum Tierarzt zu gehen und ein Blutbild machen zu lassen, mit dem man eine Gerinnungsstörung erkennen kann“, erklärt die Tierarzthelferin der Schönfließer Praxis. Denn das heimtückische bei der Aufnahme insbesondere von Rattengift sei, dass sich „dies nicht sofort, sondern mitunter erst nach einigen Tagen bemerkbar macht“.

Das sagt der Experte:

Wie schützt man sich vor ausgelegten Giftködern?

Seit 2011 betreibt Sascha Schoppengerd die Website www.giftkoeder-radar.com, die über Funde in Deutschland, Österreich und der Schweiz informiert.

Täglich erhält er bis zu 45 Meldungen von Giftköderfunden. Jede einzelne wird auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, z.B. durch Berichterstattung in lokalen Medien, Tierarztnachfragen oder Nachfragen bei der Polizei. Ein Großteil der Meldungen, rund 95 Prozent, lässt sich nicht bestätigen „und wird uns durch Hörensagen weitergetragen“.

Schoppengerd rät, Hunde gezielt daraufhin auszubilden, keine fremden Köder aufzunehmen: „Das ist lebenslanges Training.“

Alternativ empfiehlt er, Maulkörbe zu nutzen.

Aufgrund seiner Erfahrungen bietet er auch selbst Anti-Giftköder-Workshops an, Termine gibt es auf der Website. Sein nächster Workshop im Einzugsgebiet Oberhavel findet am 17. August 2019 in Berlin statt. Dabei wird vermittelt, wie sich Giftfunde erkennen lassen, wie Hunde darauf trainiert werden können, diese nicht anzurühren und wie im Notfall Erste Hilfe geleistet werden kann.

97 Prozent aller Vergiftungen bei Hunden finden indes in den eigenen vier Wänden statt, weist Schoppengerd darauf hin, dass auch zu Hause für Vierbeiner die Gefahr besteht, Dinge aufzunehmen, die für sie giftig sein können.

Zudem berichtet er von Vorfällen, bei denen Köder vorsätzlich ausgelegt wurden oder auf Schildern vor Vergiftungen gewarnt wurde, die „ganz andere Ursachen haben können. Z.B., Hundehalter von bestimmten Bereichen fernzuhalten“, so Schoppengerd.

Seine Daten der letzten Jahre besagen: „Giftköderfunde nehmen nicht zu. Social Media vermittelt jedoch einen gegenläufigen Eindruck, auch ist die gefühlte Wahrnehmung eine andere.“

Aus Gesprächen mit der Polizei weiß Schoppengerd: „Tierquälerei ist oftmals eine Vorstufe für Straftaten wie einen Mord. Die Polizei setzt sich mit Thema auseinander und weiß, dass es immer einen Auslöser für solche Fälle gibt. Oftmals können das zum Beispiel negative Erfahrungen mit Tieren und/oder deren Haltern sein, zum Beispiel wenn man zehn Mal in der Woche in Hundescheiße tritt oder als Jogger große Angst vor freilaufenden Hunden hat.

Von Nadine Bieneck

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