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Mühlenbecker Land Lernen bei über 30 Grad: Eltern rebellieren gegen überhitzte Klassenräume
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Lernen bei über 30 Grad: Eltern rebellieren gegen überhitzte Klassenräume
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17:44 29.08.2019
Das Thermometer zeigte am Vormittag im Klassenraum der 3c mehr als 30 Grad Celsius. Quelle: Helge Treichel
Schildow

„Die Räume im Neubau der ,Europaschule am Fließ’ heizen sich durch Sonneneinstrahlung so sehr auf, dass der Unterricht kaum mehr möglich ist.“ Mit diesem Satz beginnt eine Petition, die Eltern der Klasse 2a an den Gemeindevorstand gerichtet haben.

Zusätzlich zum Bestandsgebäudes DDR-Typs „Erfurt“ war 2008 ein Anbau mit zwölf Unterrichtsräumen eröffnet worden, darunter drei Fachräume. „Die großen Glasflächen dieses Gebäudes sorgen für helle Räume, lassen jedoch auch das Sonnenlicht extrem einstrahlen“, heißt es im Petitionstext.

Der Anbau der Europagrundschule in Schildow (Vordergrund). Quelle: Helge Treichel

Zusätzlich zum Bestandsgebäudes DDR-Typs „Erfurt“ war 2008 ein Anbau mit zwölf Unterrichtsräumen eröffnet worden, darunter drei Fachräume. „Die großen Glasflächen dieses Gebäudes sorgen für helle Räume, lassen jedoch auch das Sonnenlicht extrem einstrahlen“, heißt es im Petitionstext.

Jalousien helfen nicht

Vor den Fenstern gebe es außen zwar Lamellenjalousien. Dieser Sonnenschutz könne aber seine Wirkung nicht entfalten: „Die Jalousien werden bei Sonneneinstrahlung von den Lehrkräften manuell heruntergelassen, jedoch – durch einen Windsensor gesteuert – bei kleinster Windbewegung automatisch wieder eingefahren.“ Das führe dazu, dass die Jalousien selten unten sind, wenn sie gebraucht werden.

Beispielsweise betrage in der Klasse 2a morgens bei Unterrichtsbeginn die Raumtemperatur bereits 29 Grad Celsius. Im Laufe des Tages variiere die Temperatur unwesentlich um +/- 2 Grad. Bei Unterrichtsbeginn sei der Klassenraum regelmäßig rund zehn Grad wärmer als die Außentemperatur.

Sogar im Winter ist es zu warm

Sogar im Winter würden sich die Räume durch die Sonneneinstrahlung aufheizen. Durch das parallele Heizen sei das Raumklima auch in der kalten Jahreszeit unerträglich warm. Zudem würden die Kinder aufgrund der oft nicht funktionierenden Sonnenschutz-Jalousien extrem geblendet.

Das Messprotokoll im Raum 324 wurde von Einzelfallhelferin Christin Borchert (34) geführt. Sie betreut ein Diabetiker-Kind in der Klasse 3c. Quelle: Helge Treichel

Die Folge: „Die Kinder klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit. Das Leistungsniveau wird durch die Hitze stark beeinflusst.“ Seit dem 15. August 2019 werde nun in verschiedenen Klassenräumen ein Temperaturprotokoll geführt.

Die Eltern appellieren: Der Handlungsbedarf sei seit Jahren bekannt. Die Gemeindeverwaltung wird aufgefordert, „gemeinsam mit Architekten und Fachplanern eine technische beziehungsweise architektonische Lösung für dieses Problem zu entwickeln“. Kurzfristig wird erwartet, „dass mit geeigneten Klima-Fachleuten eine Optimierung der vorhandenen Sonnenschutzanlage entwickelt wird“.

Der Raum für Naturwissenschaften. Gegen 10.30 Uhr zeigt das Thermometer hier 29 Grad Celsius. An diesem Tag funktionieren die Lamellen zum Erstaunen der Lehrer. Quelle: Helge Treichel

Das Problem mit überhitzten Räumen trete von Anfang an auf und sei regelmäßig an den Schulträger herangetragen worden, sagt Rektorin Ines Meier. Der größere Teil der insgesamt 463 Kinder an der Schule werde in elf Klassenräumen im Altbau unterrichtet. Durch beidseitige Fenster sei dort zumeist ein Querlüften möglich.

Erleichterung werde im Neubau dadurch geschaffen, dass die Kinder jederzeit trinken dürfen und der Hausmeister gleich am Morgen lüfte. Ein Blendschutz sei erreicht worden, indem die betreffenden Fenster mit Papier beklebt wurden. Bei Bedarf würden Tische verschoben, so Ines Meier. Im Computerraum funktioniere das allerdings nicht.

>>Mehr dazu: Ab wann gibt es in Brandenburg Hitzefrei?

Der Anbau bringe alles mit, um ein annehmbares Raumklima zu schaffen, sagt Tino Matzke, der für Liegenschaften zuständige Fachdienstleiter im Rathaus. Der bereits vor den Sommerferien georderte Elektriker habe keine Fehlermeldung in der Sonnenschutz-Anlage gefunden. Und auch bei den Tests während der Ferien hätte alles funktioniert, so Matzke.

Lehrkräfte sollen geschult werden

Normaler Wind habe die Funktion der Rollos nicht beeinträchtigt. Der Wind-Sensor solle lediglich eine Beschädigung bei Sturm verhindern und könne deaktiviert werden. Tino Matzke schließt seinerseits einen Fehler im Steuerungsteil ebenso nicht aus wie eine fehlerhafte Bedienung oder ein falsches Nutzerverhalten (Lüften bei Hitze).

Da es dabei Tücken geben kann, habe es vor Schulbeginn eine nochmalige Einweisung gegeben. Diese könnte noch einmal für alle Lehrkräfte wiederholt werden. Außerdem ließe sich die Steuerung ohne besonderen Aufwand auswechseln.

Der Anbau der Europagrundschule in Schildow am Donnerstagvormittag. Quelle: Helge Treichel

Geplant ist es nach Matzkes Worten, auch den Altbau mit elektrischen Sonnenschutzrollos auszustatten. Die ersten Fenster könnten voraussichtlich noch im aktuellen Haushaltsjahr einen Sonnenschutz erhalten.

Ab 12 Uhr hatten die Schildower Grundschüler am Donnerstag übrigens keinen Unterricht mehr. Das allerdings lag nicht an der besonderen Situation, sagte Ines Meier, sondern resultierte aus den allgemeinen Regelungen.

>> Hier finden Sie den Link zur Petition

Von Helge Treichel

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