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Mühlenbecker Land Stammzellen spenden: Kleine Sache mit großer Wirkung
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Stammzellen spenden: Kleine Sache mit großer Wirkung
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01:16 21.03.2019
Karl Kapahnke aus Schildow möchte seine Mitschüler für das Thema Stammzellenspende sensibilisieren. Ihm hat eine solche Spende das Leben gerettet. Quelle: Ulrike Gawande
Schildow

„Ich will meinen Stammzellenspender kennenlernen, um ihm Danke zu sagen.“ Karl Kapahnke aus Schildow bekam am 16. Dezember 2016 eine Stammzellenspende, nachdem er zum zweiten Mal an Blutkrebs erkrankt war. Jetzt besteht für den 18-Jährigen, der im April sein Abitur am Marie-Curie-Gymnasium (MCG) Hohen Neuendorf ablegen wird, die Möglichkeit, den Menschen kennenzulernen, der ihm das Leben gerettet hat.

Karl Kapahnke Quelle: DKMS

„Ich weiß, dass es ein Mann Anfang 50 aus Deutschland ist“, so Kapahnke, der an seiner Schule Schülersprecher ist und 2018 mit dem Schulpreis ausgezeichnet wurde. „In Deutschland ist es möglich, den Spender nach zwei Jahren kennenzulernen.“ Doch auch schon zuvor habe er per anonymer Briefe über die DKMS mit seinem Spender in Kontakt gestanden. „Er hat mir das Leben gerettet – einfach so, ohne etwas dafür zu bekommen.“ Umso erstaunter war der 18-Jährige, als ihm sein Stammzellenspender mitteilte, dass er dankbar sei, mit seiner Spende geholfen zu haben. „Ich fühle mich geheilt“, so der Schüler, auch wenn man formal erst nach fünf Jahren als geheilt gelte. „Es lief alles reibungslos, ich bin schnell wieder zu Kräften gekommen.“

Karl Kapahnke liebt die Freiheit. Quelle: Privat

Froh ist Karl vor allem, wieder zur Schule gehen zu können, Sport zu machen und seine Freunde zu treffen. „Ich habe regelrecht hingefiebert auf die Schule. Sie war ein Zeichen für Alltag, dafür, dass alles wieder normal ist.“ Er gehe gerne zur Schule und wünscht sich, dass Schule für alle Kinder ein Ort sei, wo sie sich entfalten können. „Schule sollte ein Ort des Leben sein.“ Seit Sommer 2017 besucht er wieder das MCG, strebt ein Einserabitur an, mit dem Ziel Medizin zu studieren. Er kann sich, auch in Hinblick auf seine eigene Geschichte, vorstellen, sich auf die Onkologie zu spezialisieren. Wenn es nicht in Berlin klappe, sei auch Greifswald eine Option. „Das ist schön klein und man kommt überall mit dem Fahrrad hin.“

Karl Kapahnke verbrachte ein Jahr im Krankenhaus, davon fünf Wochen im Isolationszimmer. Quelle: Privat

Schon als Sechsjähriger, als er erstmals an Leukämie erkrankte, habe er Arzt gespielt. Durch die Zeit im Krankenhaus habe sich sein Berufswunsch noch verstärkt. Das Jahr im Krankenhaus habe ihn geprägt. „Der Blutkrebs hat mich stärker gemacht und zu dem Menschen, der ich heute bin. Ich bin mir sicher, dass mich nichts so glücklich machen wird wie Arzt zu sein.“ Obwohl er auch ein Faible für Politik hat. Er engagiert sich gern und viel. Begeistert seine Mitmenschen mit seiner offenen Art. Etabliert als Schülervertreter gerade Vertrauensschüler am MCG und plant mit Mitschülern eine Aktion im Rahmen von „Fridays for future“. 2018 sammelten sie Spenden für „Jugend gegen Aids“.

Karl Kapahnke in Lettland bei der Weltmeisterschaft. Quelle: privat

Ansonsten singt Karl im Schulchor, spielt Klavier und im Dramaclub Theater, hat die MCG-Schülerzeitung wiederbelebt und startete 2018 bei der Topcat-Weltmeisterschaften in Jurmala (Lettland). Sein großer Traum! Belohnt wurde der Katamaransegler des Wandlitzer Segelclubs mit einem achten Platz. „Ich liebe den Wassersport, auch das Windsurfen.“ Er sei eben ein sehr aktiver Mensch. „Ich habe das Gefühl, viel nachholen zu müssen.“ Daher werde er auch nicht direkt nach dem Abi studieren. Er möchte noch ein Jahr warten. „Das Leben genießen, reisen, die Welt entdecken. Eine andere Natur sehen, den Horizont erweitern.“ Deutschland, Polen stehen ebenso auf dem Plan wie Wandern in Irland und eine Interrailreise durch Skandinavien.

Karl Kapahnke engagiert sich für die DKMS. Quelle: DKMS

Doch vorher möchte er eine Typisierungsaktion für die DKMS an seiner Schule etablieren, die kombiniert mit Vortrag und Erfahrungsberichten zukünftig alle zwei Jahre für die Schüler der 11. und 12. Klassen stattfinden soll. Im Alltag sei für eine Registrierung oft kein Platz.„Es ist einfacher direkt vor Ort, das senkt die Hemmschwelle. Ich möchte den Leuten die Angst nehmen. Es ist eine kleine Sache mit großer Wirkung.“ Die Stammzellenspende selbst sei ein minimaler Eingriff. Karl Kapahnke möchte jedem seiner Mitschüler mit auf den Weg geben, sich registrieren zu lassen. Besonders freut ihn, dass die jüngeren Schüler – eine Registrierung ist erst ab 17 Jahren möglich – einen Kuchenbasar zugunsten der DKMS organisieren, denn jede Registrierung koste die DKMS 40 Euro. „Ziel sollte sein, dass alle registriert sind.“

Typisierungsaktion am Curie-Gymnasium

Die Registrierung am Marie-Curie-Gymnasium in Hohen Neuendorf am 26. März von 11.40 bis 13.10 Uhr ist nicht öffentlich. Sie richtet sich an Schüler der 11. und 12. Klassen, aber Eltern werden nicht abgewiesen. Schüler jüngerer Jahrgänge veranstalten einen Kuchenbasar. Infos:
https://mediacenter.dkms.de/news/kapahnke/

Von Ulrike Gawande

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