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Oberhavel Nach Jahrhundert-Regen: Wie weiter in Leegebruch?
Lokales Oberhavel Nach Jahrhundert-Regen: Wie weiter in Leegebruch?
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12:47 13.08.2017
Überflutete Straßen in Leegebruch. Quelle: Julian Stähle
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Leegebruch

Bange Blicke in den Himmel bei jedem Regentropfen. Dieses Gefühl begleitet die Leegebrucher seit Wochen. Der Großteil des vom Starkregen hinterlassenen Wassers ist abgeflossen. Sorge bereite in der Gemeinde jedoch das Schichtenwasser. Dieses stehe „nach wie vor viel zu hoch“, berichtet der stellvertretende Bürgermeister Norman Kabuß am Freitagnachmittag. 20 Zentimeter unter Niveau in der Karl-Marx-Straße, 36 Zentimeter in der Birkenallee, 60 Zentimeter in der Eichenallee. „60 bis 80 Zentimeter unter Niveau im gesamten Ort müssen wir erreichen, um von einem Erfolg zu sprechen“, so Kabuß.

Dafür notwendige Maßnahmen seien fast abgeschlossen: „Wir haben den Hauptgraben ertüchtigt, das Entwässerungssystem im Ort in Schuss gebracht.“ Auch der vor einer Woche vom Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ gelegte Bypass habe für Entastung gesorgt (MAZ berichtete). In der kommenden Woche seien weitere konkrete Aktivitäten in der besonders stark betroffenen Birkenallee geplant. Hier laufen letzte Abstimmungen. „Aufgrund des Schichtenwassers im Boden kann die Sperrung dort bislang nicht aufgehoben werden“, so Kabuß, der den gegenwärtig im Urlaub befindlichen Bürgermeister Martin Rother vertritt.

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Seit 2016 arbeitet das Ingenieurbüro Pein aus Jeßnitz (Sachsen-Anhalt) an der Erstellung eines Generalentwässerungskonzeptes, welches 2015 von der Gemeinde beschlossen worden war. Seitdem wurden Flächen, Straßen, Abflüsse und Kanäle im Ort untersucht und digital erfasst. Nach Erfassung der gesamten Infrastruktur würden Berechnungen über zukünftige Ergänzungen angestellt. „In der Regel dauert solch ein Konzept vier Jahre“, berichtet Kabuß. Erste Maßnahmen aus den bisherigen Erkenntnissen des Planungsbüros werden inzwischen bereits umgesetzt. „Alles, was schon geschehen kann, machen wir“, so Kabuß.

Blick zurück: Leegebruch wenige Tage nach dem Unwetter

Maßnahmen trifft auch die Osthavelländische Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH (OWA). „Wir verlegen elektrische Steuerteile, die die Abflüsse koordinieren, weiter nach oben, sodass diese bei eindringendem Wasser nicht sofort wieder aussteigen und das System lahmlegen. Zudem testen wir den Einsatz pneumatischer Teile, die noch weniger anfällig sind“, berichtet OWA-Geschäftsführer Günter Fredrich. Springender Punkt seiner Meinung nach: „Eine deutliche Senkung des Grundwasserspiegels generell muss her“.

Geschäftsführer Hans Frodl vom Verband „Schnelle Havel“, verantwortlich für den Unterhalt bestehender Gewässer, meint: „Aktuell dürfen Kanäle einmal jährlich entkrautet werden. Vielleicht setzt ein Umdenken der Naturschutzbehörde ein.“ Zudem weist er auf verloren gegangene Versickerungsflächen aufgrund intensiver Bebauung im Ort hin. Ein Rückhaltebecken für Regenfälle könne eine Idee sein, liege jedoch nicht im Zuständigkeitsbereich seines Verbandes. In einer Sache sind sich alle einig: „Es geht nur gemeinsam“, so Kabuß. Im September sind Gespräche geplant.

Von Nadine Bieneck

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