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Oberhavel Nicht nur ein Ort der Trauer
Lokales Oberhavel Nicht nur ein Ort der Trauer
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00:22 10.04.2018
Die Kapelle, nach Schutzpatron Hubertus benannt (kl. Foto), ist ein echtes Schmuckstück geworden.
Die Kapelle, nach Schutzpatron Hubertus benannt (kl. Foto), ist ein echtes Schmuckstück geworden. Quelle: Bert Wittke
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Neuendorf

Eine Hälfte der Flügeltür öffnet sich und Otto-Rüdiger Schulze geht ein paar Schritte in das Gebäude hinein. In seinem Gang liegt etwas Andächtiges, fast Würdevolles.

Neuendorf hat eine schmucke Kapelle. Im Sommer 2017 haben die Bauarbeiten begonnen, am Sonnabend wird das Schmuckstück, dass nach dem Schutzpatron Hubertus benannt ist, feierlich eingeweiht. Otto-Rüdiger Schulze, Unternehmer aus dem Ort und seit mehr als 50 Jahren in Neuendorf sesshaft, stiftet die St.-Hubertus Kapelle den Einwohnern des Dorfes.

In der Mitte des Raumes bleibt er plötzlich stehen, schaut sich langsam nach allen Seiten um. „Was für eine sakrale Atmosphäre“, sagt er mit gedämpfter Stimme. Die Miene des Mannes hat etwas von Genugtuung. Hin und wieder huscht ein Lächeln über sein Gesicht und dazu nickt der 70-Jährige fast unmerklich mit dem Kopf.

Hingucker und Schmuckstück

Otto-Rüdiger Schulze steht in der St.-Hubertus-Kapelle. Mitte vergangenen Jahres begannen die Arbeiten an dem Neubau, der direkt am Schleuener Weg in Neuendorf steht. Inzwischen ist das Gebäude fertig. Ohne Übertreibung - die Kapelle ist ein echter Hingucker geworden, ein Schmuckstück.

Blick in die St.-Hubertus-Kapelle in Neuendorf. Quelle: Bert Wittke

Otto-Rüdiger Schulze hat das Geld dafür gegeben, hat sie bauen lassen. Die Familie seiner Frau lebt seit Generationen in Neuendorf. Und er selbst ist mittlerweile auch schon mehr als 50 Jahre hier im Dorf zu Hause. „Ein schönes Fleckchen Erde“, sind sich nicht nur die Neuendorfer einig. Und nun hat dieser Ort auch eine herrliche Kapelle. Am Sonnabend wird sie feierlich eingeweiht.

Erster Anlauf vor zehn Jahren

Jedes Dorf braucht eine Kirche, hat Otto-Rüdiger Schulze irgendwann einmal gehört. Neuendorf hat kein Gotteshaus. Auf dem Friedhof des 230-Seelen-Ortes stand bis zum vorigen Jahr lediglich eine kleine Trauerhalle. Bereits vor zehn Jahren hatte Otto-Rüdiger Schulze den Gedanken, einen Neubau zu initiieren. Doch die wirtschaftliche Situation war damals alles andere als rosig. Deshalb musste der geschäftsführende Gesellschafter der ortsansässigen Firma Holz- und Baustoffrecycling GmbH & Co. KG die geplante Investition verschieben. Nun hat er sie in die Tat umsetzen können.

Auf sehr persönliche Art und Weise in seinem Vorhaben bestärkt wurde Otto-Rüdiger Schulze, als vor Jahren seine Schwiegermutter Marianne Pfister starb und die Trauerfeier in der alten Friedhofskapelle stattfand.

In dem dunklen und viel zu kleinen Gebäude war es kalt, zugig und feucht. Viele Gäste mussten draußen stehen und versuchten vergeblich, sich mit Regenschirmen vor dem einsetzenden Schneeregen zu schützen. „Ein tristes Bild und ein unwürdiger Ort für ein solches Zeremoniell“, sagt Otto-Rüdiger Schulze. Das konnte so nicht weitergehen.

Der Familientradition verpflichtet

Mit der Stiftung der Kapelle sieht sich der 70-Jährige, der ein gläubiger Mensch ist, zugleich auch ein stückweit von der Familientradition in die Pflicht genommen.

Stiftet die Kapelle den Neuendorfern: Otto-Rüdiger Schulze. Quelle: Bert Wittke

Der Großvater seiner Frau war Gärtnermeister. Er hat den Friedhof im Ort einst angelegt. Während ihrer Zeit als Bürgermeisterin hat die Schwiegermutter von Otto-Rüdiger Schulze dafür gesorgt, dass eine Leichenhalle errichtet wurde und der Friedhof Wasser, einen Zaun und einen Gedenkstein bekam. Und schließlich haben seine Schwiegermutter und seine Frau viel für die Pflege des Friedhofes getan.

Hell, einladend, modern

Nun also schmückt den Friedhof eine neue Kapelle. Ein Halbfachwerk mit wunderschönen Fenstern, gedeckt mit Biberschwänzen, im Inneren geschmückt mit beleuchteten Bildern von Kunstmaler Andreas Uckert aus Wendefeld. Ein Gebäude, hell und einladend, mit moderner Technik ausgestattet und mit einem aufragenden Glockenturm auf dem Dach.

Eine Glocke aus Minden

Zur Glocke gibt es eine interessante Geschichte. Otto-Rüdiger Schulze hat sie im Internet ausfindig gemacht. Warum sie dort angeboten wurde? In Ostwestfalen-Lippe (Nordrhein-Westfalen) wurden für den Dom zu Minden neue Glocken benötigt. Als diese fertig waren, stellten die Auftraggeber verdutzt fest, dass eine Glocke zu viel gegossen wurde. Genau diese verbreitet ihren Klang nunmehr in der St-Hubertus-Kapelle in Neuendorf. Viele Leute haben Anteil an der Glocke. Als Otto-Rüdiger Schulze und dessen Frau im vergangenen Jahr goldene Hochzeit feierten, baten sie anstelle von Geschenken um Spenden. Auf diese Weise kam mehr als die Hälfte des Geldes für die rund 7000 Euro teure Glocke zusammen.

Auch ein Haus der Kultur

Während des vergangenen Jahreswechsels ist sie bereits geläutet worden. Da sei, so erzählt Otto-Rüdiger Schulze, spontan ein gutes Dutzend Leute aus dem Dorf an der Kapelle zusammengekommen, um sich gegenseitig ein frohes neues Jahr zu wünschen. „Ist das nicht toll!“, findet der 70-Jährige. Überhaupt möchte er, dass die Kapelle mit ihren 60 Plätzen nicht nur als Trauerhaus betrachtet wird. Vielmehr soll das Gebäude auch zu einem Ort der Kultur werden, wo auch Konzerte stattfinden oder Chöre singen.

Schutzpatron als Namensgeber

Während auf dem Dach der Kapelle weithin sichtbar ein golden glänzender Hirsch zum Sprung ansetzt, schmückt die kleine Kanzel im Inneren des Gebäudes eine wunderschöne Hubertusfigur.

Schutzpatron Hubertus gab der Kapelle ihren Namen. Quelle: Bert Wittke

„Hubertus ist der Schutzpatron, der vor Tollwut bewahren soll“, sagt Otto-Rüdiger Schulze. Dies gelte gleichsam für Jäger, Fischer, Reiter und Schützen, also für viele Zeitgenossen. Deshalb wurde der Name ausgesucht.

Saubere Arbeit regionaler Firmen

Als Otto-Rüdiger Schulze die Tür zur Kapelle schließt, hat er wieder diesen zufriedenen Ausdruck in den Augen. „Alle Architekten, Planer und Handwerksleute haben hier fantastische Arbeit geleistet“, sagt der 70-Jährige, der Wert darauf gelegt hat, dass überwiegend Firmen aus der Region zum Zuge gekommen sind. Sie haben den Vertrauensvorschuss gerechtfertigt. Davon können sich die Neuendorfer und deren Gäste nun ihr ganz eigenes Bild machen.

Von Bert Wittke

10.04.2018
09.04.2018