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Oberhavel Am Nieder Neuendorfer See wird gerodet
Lokales Oberhavel Am Nieder Neuendorfer See wird gerodet
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09:18 27.02.2015
Rodungen am Gutspark in Nieder Neuendorf. Quelle: Ulrich Bergt
Nieder Neuendorf

„Es sieht entsetzlich aus“, klagt Helga Potempa. Die Nieder Neuendorferin erkennt ihren Spazierweg zum Seeufer nicht wieder. Rund zwei Drittel der Bäume zwischen Dorfstraße und dem Uferweg am Nieder Neuendorfer See wurden gerodet. Im Wohngebiet Havelpromenade waren, als die Fällungen begannen, spontan Unterschriften gegen den vermeintlichen Umweltfrevel gesammelt worden. Und im Hennigsdorfer Rathaus klingelten zu Wochenbeginn die Telefone. Aufgebrachte Bürger protestierten gegen die Rodungen.

Doch die Baumfällungen sind völlig legal, mussten sie erfahren. „Es ist nichts passiert, was nicht rechtens ist“, erklärt Stadtsprecherin Ilona Möser. Alle Flächen, auf denen jetzt Bäume gerodet wurden, sind bereits seit Anfang der 1990er-Jahre als Bauland ausgewiesen. Die NCC Deutschland hatte ganz offiziell die Fällung von 116 Bäumen beantragt. Genehmigt wurden sogar 123, weil einige kranke Gehölze hinzukamen.

NCC will in den kommenden zwei Jahren im neuen Wohnviertel „An der Uferpromenade“ 74 Eigenheime errichten. „Für die ersten 22<TH>Häuser sind gerade die Bauanträge eingereicht worden“, sagt Projektleiter Klaus Jäger. Er rechnet im Frühsommer mit dem Baubeginn. Jäger verweist darauf, dass die aktualisierten Planungen im Mai vorigen Jahres vom Stadtparlament bestätigt worden sind. Für jeden gefällten Baum ist ein Ersatz im Wohngebiet vorgesehen.

Im ehemaligen Gutspark sei keiner der alten Bäume angefasst worden, betont Ilona Möser. 2012 war die inzwischen verwilderte Fläche mitsamt benachbarter Bereiche auf Kosten des Investors wieder hergerichtet worden.

Gutspark ohne Gutshaus

  • Das Schloss Nieder Neuendorf soll zurückgehen auf eine befestigte Burg der Quitzows.
  • 1557 wird ein zweistöckiger Renaissancebau errichtet. Der Zeitungsverleger Emil Cohn richtet hier 1885 seinen Sommersitz ein.
  • 1945 quartiert sich die Sowjetarmee im Schloss ein. Später haben die Lokomotivbau Elektrotechnischen Werke hier ein Lehrlingswohnheim.
  • Nach dem Mauerbau wird das Schloss 1967 abgerissen.
  • Die Überreste des Gutsparks verfallen. Neben den ursprünglichen Eichen, Linden und Buchen beginnen Ahorn und Robinien wild zu wuchern.
  • Der Münchner Unternehmer Franz Aigner möchte in den 1990er-Jahren am Seeufer Stadtvillen errichten. Die Pläne scheitern.
  • NCC Deutschland, Tochter des skandinavischen Bau- und Immobilienkonzerns, plant das Wohngebiet „An der Uferpromenade“ mit 74 neue Eigenheime mit Reihenhäusern und Doppelhäusern.

Von Ulrich Bergt

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