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Oberhavel Bonpflicht: Richtig begeistert ist niemand
Lokales Oberhavel Bonpflicht: Richtig begeistert ist niemand
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18:00 13.01.2020
Auch im Bistro „Mahlzeit“ in Bötzow gilt die Bonpflicht. Quelle: Robert Roeske
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Oberhavel

Wer sich im Imbiss einen Döner oder beim Bäcker eine Schrippe kauft, der bekommt seit Jahresanfang immer die Frage gestellt: Möchten Sie einen Kassenbon? Oder er wird den Kunden gleich in die Hand gedrückt. Seit 1. Januar gilt in Deutschland die Bonpflicht. Mit der Belegausgabepflicht will die Bundesregierung Steuerhinterziehungen eindämmen.

Mehmet Palta, der den Dönerladen „Bistro 76“ in Hennigsdorf-Nord führt, kann das Ansinnen verstehen. „Wir halten uns an die Gesetze“, sagt der Inhaber. Die Kunden jedoch würden die Kassenbons quasi nie mitnehmen, zudem sei das Papier nicht gerade billig. „Und das landet dann alles im Papierkorb.“

Emilia Pacholkow arbeitet im Bistro 76 in Hennigsdorf-Nord. Die meisten Kunden würden die Bons nicht mitnehmen. Quelle: Marco Paetzel

Ähnlich erlebt es Gudrun Fromm, Inhaberin des Suppenrestaurants „Cook rein“ in der Oranienburger Schulstraße. „Wir haben vorher die Bons schon ausgedruckt, wenn der Wunsch bestand oder es beispielsweise bei Großbestellungen die Situation ergeben hat“, sagt sie. „Jetzt haben wir mehr Müll, mehr Aufwand, mehr Kosten“, sagt sie. Zumal „90 Prozent unserer Kunden den Bon nicht haben wollen. Überall liest man, dass alles papierlos und digital sein soll, und in diesem Fall wird einfach alles über einen Haufen geschmissen.“

Inhaberin Gudrun Fromm von „Cook rein“ in Oranienburg hat nun mehr Müll. Quelle: Nadine Bieneck

Auch das Bäckerpaar Gerhard und Ilona Hübsch sieht die Bon-Pflicht kritisch. In Velten und Hennigsdorf haben sie je eine Filiale. „Wir haben pro Tag einen 100-Liter-Müllsack voll mit Bons. Da es spezielles Papier ist, kann es auch nicht in der Papiertonne entsorgt werden, sondern ist Sondermüll. Die Kasse registriert ja schon jeden Zahlvorgang. Die Einführung der Bonpflicht sehen wir kritisch“. Zumal die Kunden laut Bäckersfrau mit Unverständnis reagieren. „Viele Kunden zeigen sich sogar verärgert.“ Man tue sonst viel für die Umwelt. Und in diesem Fall würde Papier verschwendet.

Bei Bäcker Hübsch in Velten fällt viel mehr Papiermüll an. Quelle: ENRICO KUGLER

„Wenn der Kunde das so wollte, dann hat er bei Bedarf auch vorher schon seinen Bon bekommen“, sagt Susanne Münch. Sie betreibt das Bistro „Mahlzeit“ in Bötzow. „Die meisten schmeißen den Bon wieder weg. Es ist ganz, ganz selten, dass sie ihn in die Tasche stecken.“ Einerseits kritisiert sie den Mehraufwand, „und ich denke auch an die Umwelt“, andererseits versteht sie, dass auf diese Weise Betrug eingedämmt werden könne. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das lange Gesetz bleibt“, sagt Susanne Münch.

Für Roland Schulz, Inhaber der Bäckerei Schulz in Oranienburg, ist die Bonpflicht in seinen zwei Filialen angekommen. „Für uns ändert das aber nicht wirklich etwas“, sagt er. „Unsere Kassen haben auch schon vorher die Bons gedruckt. Neue Kosten oder ein Mehraufwand sind also für uns damit nicht verbunden.“ Seine Frau und Angestellte, Ricarda Frank-Schulz, sieht das ähnlich. „Allerdings wollen 99 Prozent der Kunden den Bon gar nicht“. Roland Schulz meint: „Ich finde die Regelung wirklich gut. Wer ein reines Gewissen hat, regt sich darüber auch nicht auf.“

Die Liebenwalderin Doris Devrient (l.) könnte auf den Bon gern verzichten. Quelle: Bert Wittke

„Ich finde das völlig verrückt, bei jedem Einkauf einen Bon zu verlangen“, sagt Doris Devrient. „Die wissen da oben in der Regierung wohl vor lauter Übermut nicht mehr, was sie machen sollen.“ Die Liebenwalderin hat im Schreibwarenladen in der Ernst-Thälmann-Straße eine Ausweishülle für 69 Cent gekauft. „Dafür brauche ich doch nicht extra einen Kassenbon“, sagt sie. „Wenn ich mir vorstelle, welche Menge Papier dabei vergeudet wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das ist doch nicht mehr normal.“ Überall werde gepredigt, dass mit den Ressourcen sorgsam und vor allem sparsam umzugehen ist, und dann würden die Politiker solche Gesetze erlassen.

Auch Hannelore Buchholz könnte gut und gerne auf die Bonpflicht verzichten. Die Betreiberin des kleinen Schreibwaren- und Lotto-Geschäftes hat sich, wie sie sagt, extra eine neue Kasse zulegen müssen, um der neuen Festlegung gerecht werden zu können. Dabei hatte sie schon überlegt, den Laden ganz und gar aufzugeben, weil sie aufgrund einer überschaubaren Kundschaft mit jedem Euro rechnen müsse. Nun hat sie im Interesse ihrer Stammkundschaft extra noch einmal in eine neue Kasse investiert. Aber glücklich ist sie damit nicht, zumal mehr als die Hälfe ihrer Kunden gar keinen Bon wollen und dankend darauf verzichten.

Die Gaststätte „Zum Ackerbürger“ am Kirchplatz in Gransee ist beliebt bei Stammgästen. Auch wenn Susann Wilke sie kennt, muss sie nun jedes Mal auf den Bon hinweisen und fragen, ob jemand den Beleg mitnehmen möchte. „Die meisten schmeißen ihn sowieso weg“, so ihre Erfahrung. Sie hält diese Regelung für überflüssig, das sorge nur für zusätzlichen Aufwand, sagt Susann Wilke. Auch Anne Stege und Jenny Reinsch, die am Montag zum kleinen Mittagessen im Ackerbürger sind, brauchen den Bon nicht.

Von MAZonline

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