Oberhaveler Landwirte demonstrieren in Berlin
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Oberhavel Oberhaveler Landwirte demonstrieren in Berlin
Lokales Oberhavel Oberhaveler Landwirte demonstrieren in Berlin
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16:24 28.05.2020
Demo Landwirte Berlin 28. Mai
Demo Landwirte Berlin 28. Mai Quelle: privat
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Oberhavel

Am Donnerstag, fünf Tage vor dem Weltbauerntag am 1. Juni, protestierten Landwirte wieder bundesweit. Ihr Frust richtete sich vor allem gegen Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). In einer auf Facebook veröffentlichten Pressemitteilung hatte der Verein „Land schafft Verbindung (LSV)“ ihren Rücktritt gefordert. Auch Landwirte aus Oberhavel beteiligten sich wieder an dem Protest. Svenja Schulze hatte in der vergangenen Woche den „Bericht zur Lage der Natur“ vorgestellt. Dieser macht vor allem die industrielle Landwirtschaft für den Rückgang der Artenvielfalt und das Insektensterben verantwortlich. Die Landwirte fühlen sich von der Politik diffamiert, heißt es in der Pressemitteilung. Sie werfen den Verantwortlichen weiter vor, den Rückgang der Biodiversität einseitig und nicht ganzheitlich zu betrachten. „Wir fordern eine sachliche und nicht ideologische Betrachtung der Sachlage“, heißt es weiter.

Landwirte werfen der Ministerin Lügen vor

Die Brandenburger Landwirte machten sich für ihren Protest auf den Weg nach Berlin zum Bundesumweltministerium. „Wir wollen Frau Schulze mitteilen, dass das, was sie in der letzten Woche an Lügen über die Landwirtschaft verbreitet hat, so nicht stimmt“, heißt es in einer Videobotschaft des Vereins „Land schafft Verbindung“. Das wolle man klar stellen. Außerdem wurde das Willy-Brandt-Haus in Berlin, Parteizentrale der SPD, als Ziel gewählt. „Wie soll sich der kleine Mann die teuren, deutschen Lebensmittel in Zukunft leisten können bei den ganzen Umweltauflagen, die wir leisten sollen?“ heißt es dazu im Video weiter. Diese Umweltauflagen würden dazu nach Ansicht des LSV auch teilweise jeglicher Grundlage entbehren, da sie nicht den Tatsachen entsprächen.

Bundesweit versammelten sich Landwirte zu Demonstrationen wie hier am Willy-Brandt-Haus in Berlin. Quelle: privat

In Potsdam wurde das Haus der Natur als Zielpunkt der Demonstrationen festgelegt. Dort wolle man von 10 bis 12 Uhr mit den Nichtregierungsorganisationen in Kontakt treten und den eigenen Unmut kundtun. Von „Bauernbashing“ und Unwahrheiten ist die Rede. Vor große Probleme wurden die Organisatoren der Proteste vorab durch die unterschiedlichen Eindämmungsverordnungen der einzelnen Bundesländer gestellt. Für die Zeit nach der Corona-Pandemie wurden im Video bereits erneute, dann wieder größere Proteste angekündigt. In Münster kamen heute etwa 1 800 Traktoren zur Demo zusammen.

Landwirte aus Liebenwalde und Neuholland dabei

„Fünf Traktoren und 16 Teilnehmer machten sich auch aus dem Landkreis Oberhavel auf den Weg nach Berlin“ erklärte Christoph Plass, Vorsitzender des LSV Brandenburg. Auch sein Groll richtet sich vor allem gegen die Bundesumweltministerin. „Frau Schulze sieht nur die Landwirte als alleinige Verantwortliche“, erläutert er im Gespräch mit der MAZ. „In unserem Forderungspapier steht auch, dass alle Verantwortlichen benannt werden sollen“, so Plass weiter. Jeder Eingriff in die Natur würde Schäden nach sich ziehen, führt der 43-Jährige Landwirt aus Neuholland weiter aus. Man müsse gemeinsam nach Lösungen suchen. Am Donnerstag übergaben Plass und seine Mitstreiter die Rücktrittsforderung für Ministerin Svenja Schulze. Und er ist sich sicher: „Wir demonstrieren so lange, bis sich etwas bewegt“, erklärt der Neuholländer.

Dialog auf Augenhöhe

Auch der Liebenwalder Landwirt Timo Schiemann hat sich an den Protesten beteiligt. „Wir wünschen uns einen Dialog auf Augenhöhe, keinen ständigen Beschuss der Landwirte“, stellt er klar. Die meisten Landwirte seien sich ihrer großen Verantwortung bewusst, erläutert er weiter. „Wir ergreifen bei unserer Arbeit schon zahlreiche Umweltschutzmaßnahmen. Aber das, was jetzt gefordert wird, das können wir einfach nicht mehr leisten“, so der Landwirt weiter. Die unausweichlichen Folgen seien dann massive Ernteausfälle. „Wie sollen die Bürger dann noch mit einheimischen Lebensmitteln versorgt werden?“, fragt er.

Bereits in der Vergangenheit machten die Landwirte bundesweit mit Protestaktionen auf sich und ihre Anliegen aufmerksam. Im November 2019 machten sich etwa 5000 Teilnehmer mit ihren Traktoren auf den Weg nach Berlin, um zu diesem Zeitpunkt gegen die damals geplante Düngeverordnung zu demonstrieren.

Von Stefanie Fechner