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Oberkrämer Diskussion im Pumpwerk zum Schulstandort
Lokales Oberhavel Oberkrämer Diskussion im Pumpwerk zum Schulstandort
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00:24 17.11.2018
Das Podium im Pumpwerk in Eichstädt. Quelle: Robert Tiesler
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Eichstädt

Die Bürgerversammlung der Oberkrämer-Linken in Eichstädt hat am Dienstagabend nur wenige Bürger erreicht. 25 Leute – die meisten davon Mandatsträger – verfolgten im Pumpwerk die Diskussion über die Schullandschaft und zur Frage, ob eine weiterführende Schule in Oberkrämer gebaut werden sollte.

Die Bötzower Elterninitiative um Mandy Krenz ist offenbar mit der möglichen Schulerweiterung in Velten zufrieden, die wohnortnahe Lösung war auch in der Bürgerversammlung im Mai, an der rund 200 Leute teilnahmen, das Schlussfazit. Der Linken reicht das nicht. Sebastian Wolf, Chef der Partei in Oberkrämer, fordert eine neue Schule in und nicht bei Oberkrämer. „Wir brauchen Schulplätze dort, wo die Kinder sind“, sagte er am Dienstagabend zu Beginn der Diskussionsrunde.

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Im Podium des Pumpwerkes saßen Vertreter der Grünen, FDP, Freie Wähler, Linke und CDU. Die Moderation übernahm Gerrit Große, die für die Linke im Landtag sitzt.

Etwa 25 Leute kamen zur Diskussion ins Pumpwerk. Quelle: Robert Tiesler

Kerstin Niendorf, die Bildungsdezernentin im Landkreis, machte den Leuten in Oberkrämer wenig Hoffnung auf eine Schule im Ort in absehbarer Zeit. Momentan würden in Oberkrämer die Voraussetzungen für die Öffnung einer neuen Oberschule fehlen. Für eine zweizügige Schule müsse eine hohe Investitionssumme bereit stehen, aber es bräuchte auch eine Mindestanzahl an Schülern. „Ich kann nur bauen, was ich mir wirklich leisten kann“, sagte sie. Die Gemeinde Oberkrämer hatte allerdings Zahlen vorgelegt, die besagen, dass eine solche Mindestanzahl erreicht würde. Wie Kerstin Niendorf weiter sagte, könne man jedoch keine Schule bauen, nur um einen Plan B zu haben, um zu sehen, was in fünf Jahren sein könnte. „Unser Schwerpunkt liegt auf vorhandenen Standorten.“ Diese würden ausgebaut und modernisiert. Auch wolle man keinen bestehenden Standort gefährden. Allerdings sei der Schulentwicklungsplan auch nicht in Stein gemeißelt. Man mache dennoch nicht genauso weiter wie bisher. „Es kommt unheimlich viel auf uns zu.“ Eine wichtige Frage sei die der Fahrtzeiten zu den Schulen.

Diese Fahrtzeiten sind auch das Thema, das Christian Erhardt-Maciejewski (FDP) beschäftigt. Es sei aber auch klar, dass die Erweiterung der Veltener Barbara-Zürner-Oberschule notwendig sei. Eine Zusage, sich für einen Schulstandort in Oberkrämer zu engagieren, wollte er am Dienstagabend nicht geben. Ein erster Schritt müsse sein, eine Planung zu erstellen, wo mögliche Standorte sein könnten.

Angela Becker ist nicht nur stellvertretende Leiterin der Zürner-Oberschule, sie sitzt auch für die Freien Wähler im Kreistag. An der Schule habe man durch die Presse über die Umzugs- und Erweiterungspläne erfahren. „Unsere Vorstellungen hat noch keiner gehört“, sagte sie. Oberkrämer brauche eine Schule, erklärte sie. Wenn es darum gehe, dass sich Kinder aus Oberkrämer an der Zürner-Schule bewerben, dann hätten Veltener wegen der Wohnortnähe immer den Vorzug.

Katrin Gehring (CDU) sagte, dass ein Gesamtschulstandort ins Auge gefasst werden müsse. Bestehende Standorte müssten ausgebaut werden. „Zehn Millionen Euro investieren sich sinnvoller in einen bestehenden Standort.“ Eine Gesamtschule könne in Velten am besten entwickelt werden. Andererseits sei dies aber eine Sackgassenposition, weil eine Gesamtschule Konkurrenz zum dortigen Gymnasium wäre. Man müsse neu denken.

Auch den Grünen sei klar, dass der Speckgürtel von Berlin weiter wachse, sagte Andreas Wiersma. Derzeit könne seine Partei aber nicht sagen, wo der beste Schulstandort sei. Auch er sprach sich aber für die Neuschaffung einer Gesamtschule aus.

Für Dorit Steinke, Leiterin der Bötzower Grundschule, ist klar, dass eine Gesamtschule möglichst in Oberkrämer entstehen sollte. Wenn in Hennigsdorf und Velten die Züge erhöht würden, dann reiche das für die beiden Städte, „aber nicht für unsere Kinder.“

Dietmar Schünemann, der für die SPD im Oberkrämer-Gemeinderat sitzt, verwies auf die vielen leeren Plätze bei der Bürgerversammlung. Er vermutet, dass für viele Eltern eine ortsnahe Beschulung auch Velten bedeute. „Das sollte man nicht einfach ignorieren“, sagte er. Er verwies aber auch auf die hohen Investitionssummen, die Oberkrämer, aber auch Velten, dafür verwenden, um die Kitas und Grundschulen zu erweitern. „Warum gibt man so viel Geld aus, wenn die Kinder scheinbar nie in der Oberschule ankommen?“, sagte er in Hinblick darauf, dass in der Verwaltung der Bedarf nicht gesehen werde. Die ernsthafte Frage sei zu stellen, ob die Kinder in Oberkrämer dabei auf der Strecke blieben. Die Forderung nach einer Schule in Oberkrämer sei aus seiner Sicht berechtigt, wenn auch „vielleicht nicht heute oder morgen.“

Eine Lösung konnte in der knapp zweistündigen Veranstaltung natürlich nicht gefunden werden. Aber den Gedankenaustausch dazu, den haben so ziemlich alle Teilnehmer begrüßt.

Von Robert Tiesler