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Oberkrämer Gemeindevertreter: Mehrheit für Kita der Freikirche
Lokales Oberhavel Oberkrämer Gemeindevertreter: Mehrheit für Kita der Freikirche
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00:22 29.04.2019
Neue Kita für Oberkrämer? (Symbolbild) Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Vehlefanz

Die Gemeindevertreter von Oberkrämer haben am Donnerstagabend mehrheitlich dafür gestimmt, einen freien Träger in die Kitabedarfsplanung aufzunehmen. Der Abstimmung voran ging allerdings eine längere, durchaus harte Diskussion voraus.

Konkret geht es um die evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Vehlefanz, die über einen zu gründenden Verein eine freie, christliche Kita eröffnen will.

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Ganz zu Beginn war die Fraktion Grüne/FWO mit einem Antrag gescheitert, den Tagesordnungspunkt an diesem Abend zu streichen. Jörg Ditt (Grüne) kritisierte, dass dieses Thema nicht in den Ausschüssen besprochen worden sei. Auch müsse man sich zunächst einig sein, was genau man eigentlich wolle. Auch eine Trägernutzungsvereinbarung und eine Finanzierungsvereinbarung müssten aus seiner Sicht vereinbart werden.

Wolfgang Geppert kritisierte fehlende Informationen. Auch müsse geklärt werden, welche Kosten entstünden, wie hoch die Elternbeiträge sein würden und was bei personellen Engpässen passieren würde.

Carsten Schneider (Linke) wollte wissen, welches Mitspracherecht Oberkrämer in der freien Kita hätte. Auch sei unklar, ob nur Kinder aus Oberkrämer oder auch andere Kinder aufgenommen würden. Ebenso, was passieren würde, wenn es plötzlich eine Kita-Überkapazität gäbe. Auch kritisierte Schneider, dass man das Thema an den Ausschüssen vorbeidiskutiert habe.

Hauptamtsleiter Ronny Rücker sagte, es sei früher nicht möglich gewesen, über einen konkreten Antrag zu sprechen, weil es noch Unklarheiten gegeben habe.

Esther Focking, Diplom-Sozialpädagogin und Mitglied der Freikirchengemeinde, erzählte den Gemeindevertretern dann, was überhaupt in Vehlefanz geplant sei. Im Oktober 2018 hätten sich mehrere Mütter an die Kirchenleute gewandt. Es sei der Gedanke entstanden, eine Möglichkeit für eine christliche Betreuungsform zu finden. Es solle Platz für 20 Kinder geschaffen werden – von zwei Jahren bis zum Vorschulalter. Dazu sollen die Räume der Freikirche genutzt werden, hinter dem Haus gibt es ein Freigelände.

Drei oder vier Personen sollen als pädagogisches Personal in Teilzeit eingestellt werden. Eltern sollen ebenfalls praktische Tätigkeit in der Kita leisten. „Wir unterliegen dem Kitagesetz im gleichen Maße wie alle anderen Kitas“, sagte sie. Die Grundsätze der elementaren Bildung würden umgesetzt. Es solle eine altersgemischte Gruppe geben. „Auch wenn wir christliche Werte weitergeben, heißen wir Kinder willkommen aus christlichen und nichtchristlichen Familien.“ Geplante sei eine tiergestützte Arbeit –mit einem Therapiehund. Angestrebt würden die gleichen Elternbeiträge wie in kommunalen Kitas.

Esther Focking sagte zu, dass in die Kita zuerst Kinder aus Oberkrämer aufgenommen werden. Wenn aber kein Bedarf aus Oberkrämer bestehe, wolle man auch Kinder aus anderen Orten aufnehmen.

„Wir müssen Kitaplätze sichern“, sagte Susanne Spang (SPD). „Ich begrüße ausdrücklich ein erweitertes Angebot.“ Man müsse aber die Möglichkeit ausloten, inwiefern Einfluss genommen werden könne. Patrick Zechel (Linke) sagte, er sehe die Finanzmittel bei einer Kita mit nur 20 Plätzen „nicht langfristig sinnvoll investiert“. Wolfgang Krüger (CDU) sagte, es gebe in Oberkrämer einen Handlungsbedarf, den müsse man kurzfristig lösen. Dietmar Schünemann (SPD) merkte an, dass ja nicht über jemanden geredet werde, den man in der Gemeinde nicht kenne. Die Akteure der Freikirche seien seit Jahrzehnten bekannt im Ort.

Am Ende stimmten 13 Abgeordnete dafür. Fünf waren dagegen –Wolfgang Geppert (FWO), Jörg Ditt (Grüne), Patrick Zechel und Carsten Schneider (Linke) und Margitta Bergmann (parteilos). Zwei enthielten sich.

Wolfgang Geppert merkte an, dass er das Projekt ablehne, weil aus seiner vieles unklar sei. „Für mich ploppen immer mehr Fragen auf.“ Er sei jedoch nicht grundsätzlich dagegen.

Mit dem mehrheitlichen Ja kann das Projekt der Freikirche in Vehlefanz nun in die Wege geleitet werden. Andreas Hänsch, der Sprecher der Kirchengemeinde, hatte in einem Gespräch mit der MAZ gesagt, dass die neue Kita möglicherweise zum Jahreswechsel in Betrieb gehen könnte.

Von Robert Tiesler