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Oberkrämer 280 verschiedene Spraydosen für ein Graffiti-Bild
Lokales Oberhavel Oberkrämer 280 verschiedene Spraydosen für ein Graffiti-Bild
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17:26 12.07.2019
Eine kleine Feuerwache vor der großen hat Graffiti-Künstler Patrick Kieper auf ein Trafohäuschen gesprüht. Quelle: Fotos: Matthias Busse
Schwante

Patrick Kieper sitzt in seinem Mercedes Coupé AMG C 63. In vier Sekunden von Null auf 100. Der 33-Jährige fährt übers Land. Dabei erzählt er, dass er eigentlich früher Autos abgelehnt habe. Für den Künstler lief es jedoch stets anders als gedacht. Der als Schüler die alte Generation der Graffitisprayer bewundert habe und dachte: „Das ist für mich unerreichbar.“ Der im kleinen Dorf Schwante in seinem Zimmer saß, auf Papier skizzierte und seine Motive auf Wände einer Ruine ins große Format brachte. Doch bald hatte er seine Vorbilder eingeholt und seine Altersgenossen überholt.

Mit 23 Jahren selbstständig gemacht

Er war ein Schüler, der lieber auf dem Heftrand kritzelte und deshalb sein Abitur in Oranienburg erst im zweiten Anlauf schaffte. Als seine einstigen Klassenkameraden eine Ausbildung oder ein Studium absolvierten, sprühte er weiter Bilder auf Wände. Während die anderen noch nicht einmal die Abschlussprüfungen im Blick hatten, verdiente er im Alter von 23 Jahren bereits genug Geld, dass er sich als Graffiti-Künstler selbstständig machte. Die Nachfolge im väterlichen Fliesenlegerbetrieb, in dem er gelegentlich jobte, überließ er seinem jüngeren Bruder.

Wo endet das Bild und wo fängt die Wirklichkeit an? Bei der Fassadenkunst von Patrick Kieper ist die Frage nicht immer leicht zu beantworten. Quelle: Patrick Kieper

Wenn er heute zu einem Interessenten fährt, der seine Fassade mit einem echten Kieper schmücken möchte, dem muss er oftmals klar machen, dass er erst in etwa einem Jahr einen Termin frei hat. Energieversorger wie Edis und EMB gehören zu seinen langjährigen großen Auftraggebern. Mit Anfang 30 führt der kräftige Mann ein Leben auf der Überholspur, während manche seiner Altersgenossen nach dem Studium noch immer in der Praktikanten-Falle stecken.

Diese Pool-Landschaft schuf Patrick Kieper für einen privaten Hausbesitzer. Quelle: Patrick Kieper

Ab März bis in den Spätsommer ist er zwischen der Ostseeküste und Jüterbog unterwegs, bemalt vorwiegend Trafostationen und Verteilerhäuschen. Ab und zu auch eine private Terrassenwand, eine Poolumrandung oder eine Grundstücksmauer. Im Winter sprüht er seine Bilder auf Leinwände. Hier gilt für Kunstfreunde ebenfalls: Die Wartezeit beträgt mehrere Monate.

Selbstbildnis mit Sprühdose (Ausschnitt) Quelle: Patrick Kieper

Auch Patrick Kieper musste warten. Den Haustyp hatte er sich ausgesucht und eine Baufirma, die das Domizil für seine Lebensgefährtin und ihn errichten soll. Die Grundstückssuche zog sich dann über zwei Jahre hin. Denn er will in Oberkrämer bleiben, wo er endlich etwas Passendes gefunden hat. Das eigene Haus steht also auch demnächst – finanziert mit etwas, was Außenstehende im Straßenbild oft für Schmierereien halten. Bei Patrick Kiepert ist das allerdings anders. Manch ein Betrachter erkennt nicht einmal, dass dies Kunst aus der Sprühdose ist.

Patrick Kieper sprüht fotorealistisch

Etwa 280 Farbdosen fährt der Selfmade-Künstler mit seinem VW-Transporter zum jeweiligen Arbeitsort. „Was mancher für einen dunklen Grauton hält, ist eigentlich ein Braunton“, spricht er über die vielen nötigen Nuancen, die nachher sein Bild so realistisch erscheinen lassen. Bis zu fünf Farben sprüht er über- und nebeneinander, um den Glanz in einem Auge zu erzeugen. Das Fotorealistische ist es, was viele seiner Werke von den meisten anderen Graffiti abhebt. Kürzlich bei seiner Ausstellung in der EMA-Galerie Glienicke glaubten einige Besucher sogar, vor Fotodrucken zu stehen.

Rückblickend dankt er seinem Vater, der ihn bereits unterstützte, als der Erfolg unabsehbar war und mit ihm zusammen Farbdosen für 80 Euro gekauft habe. „Mich selbst zu verwirklichen, war mein Antrieb“, resümiert er, und dass auch Glück zu seinem Weg gehört habe.

Von Matthias Busse

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