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Oberkrämer Heilkunst: Wenn plötzlich die Gürtelrose weg ist
Lokales Oberhavel Oberkrämer Heilkunst: Wenn plötzlich die Gürtelrose weg ist
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01:15 03.06.2019
Birgit Neie wendet eine Jahrtausende alte Heilkunst bei Menschen an – sie bespricht Problemzonen mit Erfolg. Quelle: FOTOS: Stefan Blumberg
Marwitz

Ein Anflug von Hexerei ist nicht zu leugnen: Es werden Sprüche gesagt, die Verbindung nach „ganz oben“ gesucht, und Kräutermixturen spielen auch eine Rolle. Birgit Neie entfaltet einen gewissen Zauber, wenn sie ihrer Passion nachgeht und dabei mit ihren Klienten zusammensitzt. Die suchen die Marwitzerin auf, weil sie gesundheitlich angeschlagen sind, mit der Schulmedizin keinen oder wenig Erfolg hatten. Dann setzen sie ihre Hoffnungen in Birgit Neie. Sie bespricht die Problemzonen der Menschen. Mit Erfolg bei Warzen, Rosen & Co, also bei Hautproblemen. „Gürtelrose oder Gesichtsrosen – damit kommen die meisten Menschen zu mir. Und ich habe die Rosen bisher alle wegbekommen“, sagt die 56-Jährige. „Ich war anfangs selbst erstaunt, dass es klappt“, räumt sie ein. „Warum sollte das ausgerechnet bei mir gehen?“ Sie praktiziert eine Jahrtausende alte Heilkunst. Sie ist weit verbreitet, wird aber eher im Stillen angewendet; vermutlich auch deshalb, weil Kirche und Staat die Menschen, die diese Kunst beherrschten, jahrhundertelang verfolgten.

Die kleine „Hexenküche“. Quelle: Stefan Blumberg

Selbst eine Warze abgebunden

Erstmals in Berührung gekommen war Birgit Neie mit dem alternativen Heilen ausgerechnet bei sich selbst, vor neun Jahren. „Ich hatte eine riesige Warze auf der Nase, rannte von Arzt zu Arzt. Zu einem Gesichtschirurgen, einem ’normalen’ Chirurgen. Einer wollte mir die Nase von unten auftrennen, um die Warze zu entfernen“, erzählt sie. Fragte bei einer befreundeten Apothekerin nach möglichen Alternativen nach. Ihr Mann Thomas – von Beruf Rettungsassistent – erinnerte sich daran, wie er in seiner Kindheit das Kupieren von Lämmerschwänzen erlebt hatte; die wurden mit einem Gummi abgebunden und fielen nach einigen Tagen ab, weil die Blutzufuhr unterbrochen war. „Da habe ich einen Bindfaden genommen, ihn mit antibakteriellem Teebaumöl getränkt und die Warze selbst abgebunden. Nach drei Tagen konnte ich die Warze im wahrsten Sinne des Wortes her­ausdrehen – das war’s.“

„Du hast die Gabe, das auch zu tun!“

Zu der Zeit hatte sie bereits Kontakt mit Gisela Augustin, die damals in Marwitz eine Physiotherapiepraxis betrieb, nebenbei aber auch Krankheiten besprochen hat. „Sie sagte mir: Du hast die Gabe, das auch zu tun.“ Und Birgit Neie wurde gefragt, ob sie nicht in die Fußstapfen von Gisela Augustin treten wolle, weil sie ihre Praxis aufgeben und Marwitz verlassen wollte. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ein halbes Jahr.“ Auch deshalb, weil man nie wisse, welche Charaktere zum Besprechen in die eigene Wohnung kommen. Die seien sehr unterschiedlich, wusste Gisela Augustin. Das Interesse und die Neugier an der Heilkunst waren letztlich stärker als die Skepsis. Sie sagte zu.

Birgit Neie und ihre Zutaten. Quelle: Stefan Blumberg

Manche Ärzte empfehlen das Besprechen

Fortan ging Birgit Neie zu Gisela Augustin in die „Lehre“, saß dabei, wenn Klienten kamen, beobachtete, machte mit, schaute sich viel ab und saugte Wissen auf. Die ersten Klienten – vom Kind bis zu Senioren ist alles dabei – standen vor ihrer Tür. Nur durch Mundpropaganda. Sowohl  am  Anfang als auch heute war und ist es so, dass  Birgit Neie ihren Klienten – meist Frauen – als erstes rät,  sich einem Schulmediziner  vorzustellen,  bevor sie sich auf diese alternative Methode einlassen. „Die meisten hatten das schon getan. Manche Ärzte empfehlen sogar, sich besprechen zu lassen.“ Dann wird über das Besprechen – in anderen Regionen heißt diese Fähigkeit Böten – geredet. Birgit Neie sagt, was sie machen wird. Und vor allem, dass sie eine Linderung oder Heilung nicht versprechen kann. „Aber man kann es versuchen.“

„Ich sage meinen Spruch dreimal“

Zunächst schützt sie sich mit einigen Worten selbst, „denn die Beschwerden des Klienten können überspringen. Diese Erfahrung habe ich schon gemacht“. Dann kommt der zweite Schritt. „Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Aber ich stelle auf irgendeine Art eine Verbindung mit dem Himmel her. Das klingt komisch, aber ist so“, sagt die evangelisch erzogene, aber eher nicht gläubige 56-Jährige. „Dann bitte ich um Heilung von oben. Ich verbinde mich auf eine gewisse Weise mit demjenigen vor mir und sage meinen Spruch. Dreimal spreche ich ihn. Es ist immer derselbe.“ Wie er heißt, verrät sie nicht. Die Atmosphäre bei der Zeremonie wird immer entspannter, „ich werde ganz ruhig“. Das, was Birgit Neie behandelt, seien letztlich nervlich bedingte Beschwerden. „Ich denke, dass durch das Besprechen Selbstheilungskräfte aktiviert werden.“ Es heißt, dass mit Hilfe von Heilungsgebeten und Energieübertragung direkt mit der Seele des Klienten kommuniziert und durch den Spruch der Krankheitsherd gesenkt wird. Nach fünf Minuten ist der Zauber vorbei. Im Normalfall gibt es drei Treffen. Erwiesen habe sich, dass der Erfolg um so größer ist, je mehr die Klienten sich auf die Heilkunst einlassen. Auf die Kunst des geistigen Heilens.

Pflanzen spielen eine große Rolle bei der Heilkunst. Quelle: Stefan Blumberg

Linderung der Schmerzen

Eine 70-Jährige sah bei ihrer schmerzhaften Gesichtsrose kürzlich in Birgit Neie ihre letzte Chance auf Besserung. Sie ließ sich dafür eine Stunde lang nach Marwitz fahren, um sich behandeln zu lassen. Beim zweiten Mal lehnte der Fahrer, ihr Neffe, den Transport ab, weil er nicht an solch einen Hokuspokus glaubte. Die Frau fuhr dann mit den „Öffentlichen“ und großem Zeitaufwand nach Marwitz, ließ sich trotzdem besprechen. Die Behandlung ist mittlerweile vorüber. Die Schmerzen sind zwar nicht gänzlich verschwunden, aber jetzt zu ertragen.

„Ich sehe das als Berufung“

Birgit Neie, die verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, kann richtig in die Materie eintauchen, ohne aber den ganz normalen Alltag aus den Augen zu verlieren. Sie liest viel über die Heilkunst, sammelt Kräuter, mixt sich daraus Tinkturen oder Salben und probiert sie aus. In einem Zimmer stehen auf einem Schränkchen diverse Flaschen, Gläser oder sonstige Behälter für Zutaten für ihre Heilmittel. Bei einer befreundeten Homöopathin sowie einer Heilpraktikerin holt sie sich Tipps. Das alles und auch die Besuche der Klienten macht sie nach Feierabend. Um Geld geht es beim Besprechen nicht. Honorare oder Zuwendungen werden nicht verlangt. Jeder könne geben, was ihm die Leistung wert sei. Ist es ein Hobby? „Nein, ich sehe das eher als Berufung. Es macht richtig Spaß. Und wenn man dann noch helfen kann, ist die Freude um so größer.“

Birgit Neie Telefon: 03304/50 30 89

Von Stefan Blumberg

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