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Oranienburg Messerstecher krank und schuldunfähig
Lokales Oberhavel Oranienburg Messerstecher krank und schuldunfähig
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19:08 06.06.2019
Vor der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin wurde am Donnerstag eine Messerattacke verhandelt. Quelle: Helge Treichel
Oranienburg

So etwas sei ihm in seiner 36-jährigen Berufslaufbahn noch nie passiert, sagte ein 57-jähriger Polizeibeamter. Nämlich unvermittelt und hinterrücks mit einem Messer angegriffen zu werden. Genau das war aber am 12. Dezember vergangenen Jahres geschehen.

Der Beamte und eine Kollegin waren zu einem angeblichen Wohnungseinbruch in die Walther-Bothe-Straße in Oranienburg gerufen worden. Dort kam es zu der Messerattacke, die nur deshalb glimpflich endete, weil der Beamte eine Schutzweste trug.Ob er den Mann töten wollte, fragte ihn der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann. Antwort: „Ich glaube schon. Auf jeden Fall wollte ich ihn verletzen.“

Messerstecher kann nicht bestraft werden

„Das ist ein versuchtes Tötungsdelikt. Dafür kann er aber nicht bestraft werden, weil er wegen seiner psychischen Krankheit nicht schuldfähig ist“, sagte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann. Erforderlich war aus Sicht der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin die Unterbringung des jungen Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus. „Seine Krankheit hat zu dieser Tat geführt. Unbehandelt ist er eine Gefahr für die Allgemeinheit“, so Lechtermann.

Der 25-Jährige war einsichtig. „Das ist nur wegen meiner Krankheit passiert. Ich konnte nicht klar denken.“ Den ganzen Tag hätte er Stimmen gehört. Stimmen, die ihn fertig gemacht hätten. So schlimm wie an diesem Dezembertag wäre es noch nie gewesen. Er wollte nur noch, dass das aufhört. „Er wollte die Stimmen besänftigen, in dem er etwas Schlimmes macht. Es sollte ein Befreiungsschlag sein“, so Lechtermann.

Einen Einbruch vorgegaukelt

Er bewaffnete sich mit einem Messer und gaukelte einem Passanten auf der Straße vor, in seiner Wohnung befinde sich ein Einbrecher und er solle die Polizei rufen. Das tat der Angesprochene. „Er machte auf mich den Eindruck, Hilfe zu brauchen“, sagte der 33-jährige Familienvater.

Die Polizei kam und begleitete den Angeklagten zu seiner Wohnung. Er blieb auf der Treppe stehen, die Beamten näherten sich der offenen Wohnungstür. „Plötzlich spürte ich etwas im Rücken. Ich habe mich reflexartig umgedreht. Da stand er mit erhobenem Messer vor mir“, erinnerte sich der Polizist. Beim Versuch, das Messer abzuwehren, verletzte sich der Beamte an der Hand. Das Messer brach ab. Er bekam noch einen Schlag, so dass seine Brille zu Boden fiel. Der Angeklagte wollte ihn noch mit einer Bierflasche schlagen. Es kam zu einem Handgemenge. Erst mit dem Einsatz von Pfefferspray und der Unterstützung durch weitere Kollegen gelang es, den Angreifer zu überwältigen.

Für den Beamten hat sich durch diesen Vorfall seine Lebenseinstellung geändert. „Ich sehe jetzt nicht mehr das Gute, sondern eher das Schlechte im Menschen.“

Seit Jahren krank und nicht richtig behandelt

Der 25-Jährige ist seit seinem 16. Lebensjahr krank. Die Merkmale einer Schizophrenie verschlimmerten sich im Laufe der Jahre. Er suchte sich eigenen Angaben zufolge ärztliche Hilfe, wurde aber falsch behandelt. Wäre er richtig behandelt worden, würde er jetzt nicht vor Gericht sitzen, hatte der psychiatrische Gutachter gesagt.

So wurde sein Leidensweg immer schlimmer. Er trank viel Alkohol, um die immer wiederkehrenden Stimmen einzudämmen, hatte Wahnvorstellungen. An jenem Dezemberabend kam es dann zu der Tat. Nun will er so schnell als möglich eine Therapie beginnen. Deshalb akzeptierte er noch im Gerichtssaal das Urteil, das sofort rechtskräftig wurde.

Von Dagmar Simons

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