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Oranienburg Kastrationspflicht für Katzen und Kater – ja oder nein?
Lokales Oberhavel Oranienburg Kastrationspflicht für Katzen und Kater – ja oder nein?
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17:36 13.11.2018
Diese Samtpfote gehört zu Sechslingen, die von den Oranienburger Tierfreunden versorgt wurden.
Diese Samtpfote gehört zu Sechslingen, die von den Oranienburger Tierfreunden versorgt wurden. Quelle: Ulrike Gawande
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Oranienburg

Die Katze ist des Deutschen liebstes Haustier. Zwischen acht und elf Millionen Samtpfoten sollen in deutschen Haushalten leben. Hinzu kommen jedoch laut Angaben der Tierrechtsorganisation Peta noch einmal rund zwei Millionen wild freilaufende und streunende Katzen, die sich unkontrolliert vermehren. So hat die Tierrechtsorganisation festgestellt, dass rein rechnerisch innerhalb von sieben Jahren eine Katze mit ihren Nachkommen bis zu 370 000 Katzen zeugen kann. Diese rasante Vermehrung – Katzen werden mit sieben Monaten geschlechtsreif und können in warmen Jahren, wie in diesem Jahr, zweimal trächtig werden – führt zu überfüllten Tierheimen.

Antrag der SPD zur Kastrationspflicht

Auch in Oberhavel. So hat die SPD Oranienburg den Antrag gestellt, in der Stadt eine Kastrierungspflicht für Katzen und Kater ab 1. Januar 2019 einzuführen. Dieser Antrag wird derzeit in den Ortsbeiräten beraten, bevor am 10. Dezember in der Stadtverordnetenversammlung endgültig über den Antrag entschieden werden soll.

Beratung in den Ortsbeiräten

Bei der Sitzung des Friedrichsthaler Ortsbeirates stieß der Kastrationspflichtantrag auf deutliche Kritik. „Aus meiner Sicht ist das Schwachsinn“, wurde Ortsvorsteher Jens Pamperin (CDU) deutlich. „Wer soll denn das kontrollieren?“, fragt er sich. Überhaupt sei in der Stadt dafür kein Geld vorhanden und man habe andere und wichtigere Aufgaben. Mit drei Nein- Stimmen und einer Enthaltung bekam der Antrag keine Empfehlung.

Doch eine Umfrage bei Facebook ergab, dass eine deutliche Mehrheit der Befragten für die Einführung einer Kastrationspflicht ist, deren Kosten ja auch nicht die Stadt, sondern die Besitzer der Tiere zu tragen haben. Denn nicht nur Streunerkatzen, sondern auch nicht kastrierte Hauskatzen, die als Freigänger leben, sollen kastriert werden.

Grundlage ist die Novellierung des Tierschutzgesetzes

Grundlage für die Einführung einer solchen Pflicht ist die Novellierung des Tierschutzgesetzes im Jahre 2013. So kann mit dem Paragrafen 13b jede Landesregierung per Verordnungsberechtigung „Maßnahmen zur Populationskontrolle freilebender Katzen“ einführen. Mehrere Bundesländer haben dies bereits getan. Brandenburg gehört nicht dazu. In Berlin, wo rund 10 000 streunende Katzen leben sollen, ist derzeit eine Katzenschutzverordnung inklusive Kastrationspflicht in Arbeit. In Brandenburg, wo der Landestierschutzverband von 70 000 freilebenden Katzen ausgeht, haben Bad Belzig, Jüterbog, Frankfurt und Luckenwalde bereits eine Kastrationspflicht, die zumeist mit einer Registrierungspflicht der Tiere einhergeht, eingeführt. Seitdem sei die Anzahl der in Tierheimen gemeldeten Katzen klar zurückgegangen.

Ähnliches erhofft sich die SPD auch für Oranienburg, wo sich bisher der Gnadenhof & Wildtierrettung in Wensickendorf sowie die Oranienburger Tierfreunde um die Rettung und Vermittlung von Streunerkatzen kümmern. Ehrenamtlich. „Oft werden sie gerufen, weil unkastrierte Streunerkatzen und zurückgelassene Katzen sich unkontrolliert vermehren und stören“, heißt es in der Antragsbegründung. Mit großem Aufwand werden die Katzen dann eingefangen, später tierärztlich untersucht und versorgt, kastriert und vermittelt. Alleine in diesem Jahr habe man schon 44 Katzen und Kater kastrieren lassen, berichtet Elke Weiß von den Tierfreunden. Dabei kostet die Kastration eines Katers zwischen 80 und 120 Euro und die einer Katze zwischen 100 und 150 Euro. Der Verein erhält jährlich eine Unterstützung der Stadt von 1500 Euro für die Kastrationen. Den Rest der Kosten finanzieren die Vereine über Spenden.

Auch dem Aussetzen von Tieren vorbeugen

„Die Last zur Rettung und Kastration der Katzen kann nicht alleine ehrenamtlich Engagierten aufgebürdet werden“, heißt es daher auch im Antragstext zur Kastrationspflicht. Elke Weiß von den Tierfreunden glaubt, dass eine Pflicht zur Kastration und Registrierung wichtig ist, um eine Handhabe gegenüber den Tierhaltern zu haben und auch dem Aussetzen von Tieren vorzubeugen. Tiere, die vom Verein oder aus dem Heim abgegeben werden, sind hingegen grundsätzlich gechipt und kastriert.

Von Ulrike Gawande

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