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Oranienburg Feuerwehrmann über Einsätze: „Erst bei Katastrophen sind plötzlich alle da“
Lokales Oberhavel Oranienburg Feuerwehrmann über Einsätze: „Erst bei Katastrophen sind plötzlich alle da“
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10:18 07.06.2019
Bis tief in die Nacht löschten die Feuerwehren aus Wensickendorf und Schmachtenhagen den Waldbrand bei Ruhlsdorf/Marienwerder im Barnim. Quelle: Freiwillige Feuerwehr Wensickendorf
Wensickendorf

Hinter David Herholz lag am Donnerstag eine kurze Nacht. Zu drei Waldbränden war der stellvertretende Löschzugführer der Feuerwehr Wensickendorf Mittwochnachmittag mit seinen Kameraden ausgerückt. Auf dem Heimweg von der Arbeit aus Berlin ereilte den 31-Jährigen der erste Alarm, machte sich der Zeitsoldat direkt auf den Weg zu einem Waldbrand am Bogensee in der Gemeinde Wandlitz (Barnim).

Rund sechs bis acht Hektar Wald gerieten am Mittwochnachmittag (5. Juni 2019) im Barnim bei Ruhlsdorf/Marienwerder aus noch ungeklärter Ursache im Brand. Zum Löscheinsatz rückten mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Wensickendorf und Schmachtenhagen auch insgesamt 17 Kameraden aus Oberhavel an. Bis tief in die Nacht kämpften insgesamt rund 100 Feuerwehrleute gegen die Flammen.

„Dort haben wir Restlöscharbeiten vorgenommen, bis wir zum nächsten Feuer gerufen wurden", berichtet er. Am Liepnitzsee bei Ützdorf (Barnim) hielten sich die Wensickendorfer eine halbe Stunde bereit, ehe sie zusammen mit der Feuerwehr Schmachtenhagen nach Ruhlsdorf/Marienwerder (Barnim) verlegt wurden, wo rund sechs bis acht Hektar Wald in Flammen standen. „Gegen 18 Uhr waren wir dort mit 17 Kameraden vor Ort und haben sofort mit der Brandbekämpfung begonnen.“

Wechselnde Einsatzorte

Etwa ein Hektar des in Flammen stehenden Waldes sei den beiden Wehren aus Oberhavel zugeteilt worden, in dem sie bis gegen Mitternacht immer wieder Brand- und Glutnester löschten. „Die Situation war unübersichtlich, wir mussten erst einmal zwei Kilometer durch den Wald fahren, um überhaupt an den Brandort zu gelangen.“ Mehrere hundert Meter zogen die Feuerwehrleute anschließend die Schläuche zur Brandbekämpfung durch den Wald, erst sechs Stunden später war ihr Einsatz beendet. „Wir alle waren stehend k.o.“

Schließlich hatte der Tag für die Feuerwehrleute bereits 6 Uhr morgens begonnen. "Alle sind berufstätig, müssen jeden Tag früh raus“, so David Herholz. Der stellvertretende Löschzugführer verließ die Feuerwehrwache in Wensickendorf am Donnerstag gegen 1.30 Uhr, nachdem alle Einsätze nachbereitet, die Löschwagen neu betankt und mit zusätzlichen Wasserschläuchen wieder einsatzfähig gemacht worden waren. So wie für ihn war auch die Nacht für die meisten seiner Kollegen kurz. „Um 6 Uhr standen sie schon wieder auf der Arbeit."

Ein Pensum, welches in diesem Sommer nicht nur den Kameraden aus Wensickendorf noch öfter bevorstehen wird. „Die Menge an Waldbränden, die es in diesem Jahr in Brandenburg bereits gab, ist schon sehr beängstigend. Dabei hat der Sommer ja gerade erst angefangen“, findet David Herholz.

Doch den 31-Jährigen treibt etwas anderes noch viel mehr um. „Die Brände, die sind irgendwie und irgendwann in den Griff zu kriegen. Viel viel gefährlicher ist das Problem, und das haben wir am Mittwoch grad erst wieder gesehen, dass wir nicht mehr genügend Leute haben. Es wurden so viele Feuerwehren alarmiert, und jede Wehr kommt nur mit einer Handvoll Kameraden. Das macht mir wirklich Angst. Wir brauchen dringend mehr Leute.“

Nur noch bei Großeinsätzen zur Stelle

Bauchschmerzen bereitet dem 31-Jährigen, dass „die Menschen offenbar nur noch bei Großlagen mobilisiert werden können. Erst bei Katastrophen sind plötzlich alle da.“ Bestes Beispiel dafür sei der Riesenbrand bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) im vergangenen Jahr gewesen. „Ganze Ortschaften waren gefährdet und plötzlich fühlte sich jeder angesprochen, zu helfen.“ Der 31-Jährige hat ein steigendes Desinteresse am Ehrenamt bei der Feuerwehr ausgemacht. „Die Kinder interessieren sich für andere Sachen, ehrenamtliches Engagement ist immer schwerer mit Beruf und Familie vereinbar. Vielleicht gibt es auch immer noch zu viele Vorurteile, wie es bei der Feuerwehr abläuft“, grübelt er über das Warum.

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„Dabei versuchen wir immer wieder zu zeigen, dass wir - überspitzt formuliert – nicht die dummen Dorfbauern sind, sondern wenn die Leute Probleme haben, wirklich da stehen und helfen. Wenn es die Feuerwehren nicht gäbe, wer kümmert sich denn sonst, zum Beispiel um Ölspuren und dergleichen?“

Von Nadine Bieneck

Seit Montag hält ein Großbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Teltow/Fläming) rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr in Atem. Auf mehr als 750 Hektar haben sich die Flammen dort inzwischen ausgebreitet. Am Donnerstag rückten aus Oberhavel Kräfte der Schnelleinsatzgruppe für Großbrandlagen aus, um die Einsatzleitung in Jüterbog zu unterstützen.

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