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Oranienburg Schwere Zeiten für Bootsleute
Lokales Oberhavel Oranienburg Schwere Zeiten für Bootsleute
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01:16 12.04.2019
Der Leiter der Wasserschutzpolizei in der Direktion Nord, Andreas Pompetzki, auf dem neusten Streifenboot, dass am 1. Juni beim Hafenfest in Rheinsberg in Dienst gestellt wird. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

„Bis Juni erwarten uns ziemlich ruhige Zeiten“, sagt Andreas Pompetzki. Für den Leiter der Wasserschutzpolizei innerhalb der Direktion Nord eigentlich eine erstaunliche Aussage, zumal das Wetter zuletzt bereits zu der einen oder anderen Bootsfahrt einlud.

An dieser Boje im Oder-Havel-Kanal in Oranienburg ist für alle Wasserfahrzeuge Schluss. Infolge eines Bombenverdachtspunktes müssen derzeit alle Boote hier umkehren. Quelle: Robert Roeske

Bei näherem Hinsehen leuchten die Worte des Polizeihauptkommissars jedoch schnell ein – geht doch auf zahlreichen Wasserstraßen nördlich von Berlin in diesen Tagen und Wochen nichts mehr. Grund dafür ist ein Bombenverdachtspunkt im Oder-Havel-Kanal, der das Passieren der Havel-Oder-Wasserstraße derzeit unmöglich macht. Und ob der Bombenverdacht, so wie vorgesehen, tatsächlich bis Ende Mai abgeklärt werden kann, ist noch offen. Zu groß sind die Unwägbarkeiten, die ein im Wasser liegender Fundort mit sich bringen kann.

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Darüber hinaus sind in Folge von Bauarbeiten auch noch die Schleusen Zaaren (bis mindestens Ende August) und Kannenburg (bis 2021) dicht. Ein schwerer Schlag für den Sportbootverkehr in Richtung Rheinsberger Seenplatte und Müritz, zumal es sich hier um eines der größten Chartergebiete handelt, die führerscheinfrei befahren werden dürfen.

Drei Tage statt fünf Stunden

Eine Umleitungsstrecke gibt es zwar, jedoch dürfte diese gerade von Wassersportfreunden, die nur eine begrenzte Zeit an Bord zur Verfügung haben, kaum attraktiv sein. Die Route führt durch die Berliner Gewässer bis nach Eisenhüttenstadt und von dort die Oder hinauf in Richtung Ostsee. Statt fünf Stunden über die Havel-Oder-Wasserstraße zu schippern, würde das Befahren der Umleitungsstrecke rund drei Tage in Anspruch nehmen. Statt in Richtung Ostsee könnten Bootsleute von der Oder auch den Weg zum Werbellinsee nehmen, aber sehr viel weiter gelangen sie von dort aufgrund der gesperrten Schleusen Zaaren und Kannenburg auch nicht.

Niedrigwasser der Oder legt Berufsschifffahrt lahm

Doch nicht nur der Sportbootverkehr, auch die Berufsschifffahrt ist derzeit verstärkt zum Stillstand verurteilt. Weil auf der Oder zwischen Stettin und Berlin Niedrigwasser herrscht (etwa 1,15 Meter), liegen die Schiffe ähnlich fest, wie bei Eisgang im Winter. Zumal es, so Andreas Pompetzki, keine Alternativroute gibt.

Der Leiter der Wasserschutzpolizei in der Direktion Nord Polizeihauptkommissar Andreas Pompetzki. Quelle: Enrico Kugler

Die derzeit 37 im Dienst befindlichen Beamten der Wasserschutzpolizei in der Direktion Nord legen aber deshalb nicht die Hände in den Schoß. Zum Beispiel hat eines ihrer Streifenboote an der Sperre des Oder-Havel-Kanals Posten bezogen um zu sichern, dass sich die Bootsfahrer an das Befahrungsverbot halten.

2018, so informierte der Leiter der Wasserschutzpolizei am Dienstag in Oranienburg, seien im Vergleich zu den Vorjahren anhaltend hohe Zahlen von Verstößen im Sportbootverkehr festgestellt worden. Dagegen sei die Zahl von Verstößen bei der Berufsschifffahrt gesunken. Andreas Pompetzki begründete dies damit, dass immer weniger Kohle transportiert werde und Firmen Container aufgrund der schnelleren Fahrzeit immer noch vorrangig mit dem Lkw auf Reisen in Richtung Hamburg schicken. Erfreulich: Es gab 2018 kein Todesopfer und nur eine verletzte Person zu beklagen.

Von Bert Wittke