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Oranienburg Häftlingsjacke von 1945 an die Gedenkstätte Sachsenhausen übergeben
Lokales Oberhavel Oranienburg Häftlingsjacke von 1945 an die Gedenkstätte Sachsenhausen übergeben
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16:40 29.04.2020
Häftlingsjacke, die 1945 beim Todesmarsch im Kremmener Ortsteil Beetz hinterlassen wurde. Quelle: Gedenkstätte Sachsenhausen
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Beetz

Die Gedenkstätte Sachsenhausen hat ein besonderes Geschenk bekommen. Es handelt sich um eine Häftlingsjacke. Eckhard Zowe aus Beetz hat sie der Gedenkstätte überlassen. Die Jacke wurde Ende April 1945 auf dem Hof der Familie Zowe in Beetz von einem Häftling zurückgelassen.

Hintergrund ist offenbar der Todesmarsch. Im April 1945 waren Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen in Richtung Norden getrieben worden. Mehrere Hundertschaften waren auch auf der heutigen Landesstraße durch Hohenbruch, Sommerfeld und Beetz unterwegs. An der Sommerfelder Kirche steht ein Gedenkstein, der an die damaligen Ereignisse erinnert. Eine Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Todesmarsches musste jedoch wegen der Coronakrise abgesagt werden. Dennoch sind Blumen am Gedenkort niedergelegt worden.

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Otto Zowe hatte seine Geschichte bereits vor vielen Jahren niedergeschrieben, sie hätte bei der Gedenkfeier auch noch mal eine Rolle gespielt. Der Vater von Eckhard Zowe, war 1945 erst 18 Jahre alt. Er erinnerte sich später, dass die Leute schon früh erzählt hatten, dass das KZ unterwegs sei. An einem Nachmittag habe dann ein großer KZ-Trupp auf dem Hof der Familie Halt gemacht. SS-Männer beschlagnahmten zwei Scheunen und quartierten dort jeweils eine Hundertschaft Häftlinge ein. Zowe erinnerte sich, dass die Häftlinge nur leicht bekleidet waren und keine Decken bei sich trugen. Sein Vater habe Kartoffeln an die Häftlinge verteilt.

Unter den Männern in SS-Uniform seien auch Häftlinge gewesen. Einer habe dem Vater erzählt: „Gestern noch hatte ich Häftlingskleidung an. Ich musste heute früh nun die SS-Uniform anziehen.“ Die Häftlinge in SS-Uniform schliefen im Kuhstall. Die tatsächlichen SS-Männer waren im Bauernhaus untergebracht. Am nächsten Morgen ging es weiter. „Zurück blieb im Kuhstall an einem Haken hängend eine Häftlingsjacke.“ Nun ist sie Teil der Gedenkstätte.

Von MAZonline