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Oranienburg Jüdische Familie dankt für Stolpersteine
Lokales Oberhavel Oranienburg Jüdische Familie dankt für Stolpersteine
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00:23 14.06.2019
Yvonne Harpuder (M.) kam aus Los Angeles, um ihrer jüdischen Wurzeln in Oranienburg zu gedenken. Mit dabei: ihre Familie. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Nachfahren der jüdischen Familie Abraham besuchten am Dienstag Oranienburg und gedachten an den Stolpersteinen in der Bernauer Straße 2 der ehemaligen, alteingesessenen Kaufleute. Isidor und Hedwig Abraham hatten im Erdgeschoss ihres Wohnhauses, das sich gegenüber vom Schloss befand, ein Geschäft für Herrenkonfektion und Schuhe über 30 Jahre lang geführt. Isidor Abraham gehörte außerdem zum Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Oranienburg. Sie hatten zwei Kinder, die unbeschwert und glücklich in Havelnähe aufwuchsen. Doch Ende der 1930er Jahre wurde die Familie mehr und mehr auseinandergerissen – durch den zunehmenden Druck der Nazis. Sie flüchteten nach Shanghai, Amsterdam und in die USA.

Aus Los Angeles kam am Dienstag die Enkelin der ehemaligen Oranienburger Kaufleute in die Kreisstadt. Yvonne Harpuder (75) suchte gemeinsam mit ihrem Sohn und zwei Enkeln die vier Stolpersteine auf. „Es bedeutet mir etwas, dass die Stadt Oranienburg das hier für meine Familie tut“, sagte der 44-jährige jüdische Urenkel Brian Harpuder, der jetzt als Diplomat in der US-Botschaft in Berlin arbeitet.

„Deutsche müssen wieder stolz darauf sein, dass sie Deutsche sind“

„Wir pflegen unsere Erinnerungen mit Demut, auch mit Trauer, aber auch mit Hoffnung“, sagte Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke. „Unsere Stadt hat sich verändert. Wir haben sehr viele junge Menschen hier, die Freude und Hoffnung bringen.“

Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke sagte: „Wir pflegen unsere Erinnerungen mit Demut, auch mit Trauer, aber auch mit Hoffnung.“ Quelle: Enrico Kugler

Schülerinnen und Schüler vom Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum gestalteten das Rahmenprogramm mit Musik und weiterführenden Informationen über die Familie Abraham. Seit 2006 ist die Schule aktiv ins Projekt Stolpersteine involviert. Die Schüler pflegen und putzen diese nicht nur, sondern recherchieren auch die Geschichten hinter den Namen, die in die golden glänzenden Gedenkplatten eingraviert sind. „Damit diese Menschen nicht vergessen werden. Das sind wir ihnen schuldig“, sagte eine Schülerin.

Die Stolpersteine am Haus der Familie Abraham in der Bernauer Straße 2 in Oranienburg. Quelle: Enrico Kugler

„Man darf sie niemals vergessen, aber man muss auch weitergehen“

Brian Harpuder betonte: „Die Deutschen müssen wieder stolz darauf sein, dass sie Deutsche sind. Was passiert ist, ist Vergangenheit. Man darf sie niemals vergessen, aber man muss auch weitergehen.“ Seinen Kindern, die jetzt im Teenageralter sind, sage er immer, dass sie stolz darauf sein sollen, auch eine Geschichte aus Deutschland zu haben.

Yvonne Harpuder war schon einmal 2006 von Los Angeles nach Oranienburg gereist, um auf den Spuren ihrer Familie zu wandeln. Sie bedankte sich für die Stolpersteine. „Ich möchte sie bitten, immer wiederzukommen“, betonte Bürgermeister Laesicke.

Schüler des Mendheim-OSZ aus Oranienburg gestalteten das Rahmenprogramm der Veranstaltung. Quelle: Enrico Kugler

Neben ihm waren auch der Förderverein für interkulturelle Bildung und Begegnung e.V. und Minette von Krossigk, die sich seit Jahren für die Stolpersteine in Oranienburg engagiert, vor Ort, um dem Gedenken beizuwohnen.

Von Caroline Werner

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