Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Bombe Nummer 209: Um acht Uhr müssen alle draußen sein
Lokales Oberhavel Oranienburg Bombe Nummer 209: Um acht Uhr müssen alle draußen sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:56 11.12.2019
Manfred Krumreich aus Lehnitz. Quelle: Nadine Bieneck
Oranienburg

Ratlos kurvten zahlreiche Autofahrer am Mittwochvormittag kurz vor 11 Uhr aus Lehnitz kommend die Lehnitzstraße entlang. Am Baumschulenweg war für sie Schluss, eine weiß-rote Bake signalisierte dort: hier geht es nicht weiter. Zusätzlich riegelten mehrere Bauzäune die Brücke komplett ab.

Eine knappe Stunde zuvor, Punkt 10.04 Uhr, hatte Oranienburgs Stadtverwaltung für Klarheit gesorgt und mitgeteilt, dass sich der Bombenverdacht am Treidelweg bestätigt habe. „Wie der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) soeben mitgeteilt hat, handelt es sich um eine 500-Kilo-Bombe amerikanischer Bauart mit chemischem Langzeitzünder“, teilte Stadtsprecher Gilbert Collé mit. Damit verbunden war unter anderem die umgehende Ausweitung des Sperrkreises von 70 auf 100 Meter. Direkt betroffen davon war neben der Lehnitzbrücke, die für den Verkehr komplett dicht gemacht wurde, die Lehnitzstraße zwischen altem Bahndamm und Wassersportzentrum sowie mehrere bewohnte und unbewohnte Grundstücke. Drei Familien mussten ihre Häuser bis zum Abschluss der Entschärfung direkt verlassen, zudem wurden weitere sechs Gartengrundstücke gesperrt.

Sperrung der Lehnitzbrücke in Lehnitz, Oranienburg, nachdem feststeht, dass es sich bei dem Blindgänger am Treidelweg um eine 500-Kilo-Bombe handelt. Quelle: Nadine Bieneck

Manfred Krumreich macht einen Ausflug

Manfred Krumreich verfolgte das Geschehen von seinem Gartenzaun aus. Seit 1968 wohnt er in der Lehnitzstraße, nur einen Steinwurf von der Brücke entfernt. „Ich habe hier schon viele, viele Bomben miterlebt“, erzählt er. „Die zähle ich schon gar nicht mehr.“ Der 77-Jährige muss, ebenso wie 5200 weitere Oranienburger, am heutigen Donnerstag sein Haus aufgrund des dann geltenden Sperrkreises von 1000 Metern rund um den Bombenfundort bis 8 Uhr verlassen haben. „Wir kennen das schon, haben vorgeplant“, sagt er. „Wir werden einen Tagesausflug nach Polen machen, uns dort ein wenig umschauen, gut essen. Keiner weiß doch, wie lange die Entschärfung dauert. So machen wir uns halt einen schönen Tag. Solche Ausflüge nach Polen machen wir öfter, es ist ja nicht so weit“, erzählt er. Auf die Anlaufstellen der Stadt will der Lehnitzer nicht ausweichen. Zur Verfügung stehen allen Oranienburgern, die vom Sperrkreis betroffen sind, das Regine-Hildebrandt-Haus in der Sachsenhausener Straße sowie das Bürgerzentrum in der Albert-Buchmann-Straße ab 8 Uhr.

Im Sperrkreis liegen auch die Kita Lehnitz, der Hort und die Grundschule Friedrich Wolf in Lehnitz, die Kitas Kleine Fische, Butzelhausen und Friedrich Fröbel sowie die Seniorenresidenz „domino world“ und das Medizinische Versorgungszentrum mit seinen ambulanten Praxen. Die Rettungsstelle des Oranienburger Krankenhauses ist eingeschränkt über den Eingang an der Berliner Straße sowie über die Parkplatzzufahrt in der Robert-Koch-Straße erreichbar.

Kein Durchkommen mehr an der Brücke nach Lehnitz Quelle: Enrico Kugler

Stillgelegt wird für die Dauer der Entschärfung der S-Bahnhof Lehnitz. Ab 8 Uhr wird dort kein Nahverkehr mehr rollen, der Fernverkehr kann bis 10 Uhr durchfahren und wird anschließend ebenfalls eingestellt. Zwischen Birkenwerder und Oranienburg wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, der den Lehnitzer Bahnhof jedoch nicht anfährt.

Aufhebung des Sperrkreises wie üblich per Sirenensignal

Läuft alles nach Plan – sowohl die Entschärfung als auch die Errichtung des großen Sperrkreises – rechnet der KMBD zwischen 14 und 15 Uhr mit der Aufhebung der Sperrungen. „Da Entschärfungen immer mit zahlreichen Unwägbarkeiten verbunden sind, kann sich die Freigabe aber auch deutlich nach hinten verschieben“, warnt Gilbert Collé. Verkündet wird die Aufhebung des Sperrbereiches wie üblich per Sirenensignal. Ausgenommen von dieser Freigabe ist der Bereich der Lehnitzstraße zwischen altem Bahndamm und Wassersportzentrum. Dieser wird für den Abtransport der Bombe und Nacharbeiten an der Räumstelle noch für rund eine weitere Stunde gesperrt bleiben.

Manfred Krumreich sieht der Entschärfung von Bombe 209 seit der Wende in der Kreisstadt gelassen entgegen. „Die machen das schon“, sagt er. „Wir können doch sowieso nichts daran ändern.“ Auch dass nur wenige hundert Meter Luftlinie von seinem Haus entfernt ein 500-Kilo-Blindgänger liebt, beunruhigt den 77-Jährigen nicht. „Wir haben hier schon so viele Bomben überlebt, die schaffen wir jetzt auch noch“, sagt er.

Von Nadine Bieneck

Die Gewinner des Lions Club Adventskalenders vom 12. Dezember stehen fest. Herzlichen Glückwunsch!

11.12.2019

Kater Nero wird schmerzlich von seinen Besitzern, Familie Koch, vermisst. Sie sind vor kurzem aus der Oranienburger Birkenallee nach Friedrichsthal gezogen.

11.12.2019

Der Zehlendorfer Landwirt Stefan Gürgen vertreibt selbst erzeugtes Rindfleisch. Gemeinsam mit seiner Frau Mandy, die auch den Verkauf im eigenen Hofladen übernimmt, betreut er derzeit etwa 70 Rinder.

11.12.2019