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Oranienburg Aussteigerin auf Zeit: Einfach mal machen
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19:04 28.06.2019
Aussteigerin auf Zeit: Die Lehnitzerin Claudia Rossi kündigte 2018 ihren Job, um im Januar 2019 nach Australien zu reisen und für fünf Monate in der Metropole Sydney zu leben und zu lernen. Quelle: Privat
Lehnitz

Claudia Rossi strotzt vor Energie und Lebensfreude. Dabei hängt der 34-Jährigen der Jetlag noch etwas in den Knochen. „Es ist schön, wieder hier zu sein, bei meiner Familie, meinen Freunden“, sagt sie. Erst vor wenigen Tagen kehrte die Lehnitzerin vom größten Abenteuer ihres Lebens zurück.

Rückblick ein halbes Jahr zuvor: Die Logistik-Ökonomin kündigt Job und Altersvorsorge, um sich einen langgehegten Traum zu erfüllen: „Ich wollte immer schon für ein paar Monate weit weg ins Ausland gehen“, erzählt sie. Sich selbst eine Auszeit geben, „in der ich meine Grenzen austesten und darüber hinaus gehen wollte. Ohne Begleitung, auch um zu sehen, wie ich allein klarkomme, weit weg von Familie und Freunden“. Beruflich hatte sie das Gefühl, auf der Stelle zu treten. „Ich kam mir vor wie ein Vogel in einem engen Käfig.“

Die 34-jährige Claudia Rossi aus Lehnitz (Oranienburg) kündigte 2018 ihren Job, um Anfang Januar 2019 für mehrere Monate ans andere Ende der Welt zu reisen, dort zu leben und zu lernen. Die Aussteigerin auf Zeit ist nun zurück in der Heimat.

Zwei, drei Jahre spielte sie bereits mit dem Gedanken, ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. „Das kam immer wieder mal auf, vor allem wenn ein neuer Katalog für Sprachreisen im Briefkasten lag“, berichtet sie. Im September 2018 machte die 34-Jährige dann Nägel mit Köpfen, buchte einen Sprachkurs in Sydney, Australien, fünf Monate lang. „Ich hatte als Altersvorsorge einiges an Geld angespart. Davon habe ich mir meinen Traum erfüllt“, erzählt sie. Angst vor dem Schritt, den Job aufzugeben und in eine ungewisse Zukunft zu gehen, hatte die Lehnitzerin nie. „Respekt, ja, und ich war natürlich aufgeregt, als es am 5. Januar endlich losging Richtung Sydney. Aber Angst vor dem, was kommen würde, habe ich kein einziges Mal verspürt.“

Viele ungewohnte Erfahrungen

In der australischen Metropole fand sich die 34-Jährige schnell zurecht. Die Sprachschule organisierte die Unterkunft: „Gemeinsam mit anderen Schülern wohnte ich bei einer Gastmutter, habe dort mit einer Holländerin in einem Zimmer gelebt.“ Eine ungewohnte Erfahrung, sich mit 34 Jahren plötzlich das Zimmer wieder teilen zu müssen. Und doch keine schlechte. „Man lernt sich anders zu organisieren, Rücksicht zu nehmen.“ Wichtig war der Lehnitzerin von vornherein, während der Auszeit weiterhin „einen geregelten Tagesablauf und feste Strukturen zu haben. Die Entscheidung, eine Sprachschule zu besuchen, war genau richtig“. Montag bis Freitag ging sie täglich zur Schule, schloss den Kurs mit einem C 1.1-Level („fortgeschrittene Sprachkenntnisse“) ab. Darüber hinaus blieb genügend Zeit, Land und Leute zu erkunden. „Am Anfang war es komisch, allein auf Tour zu gehen. Ich war das ja nicht gewohnt, war zu Hause immer mit Freunden zusammen“, erinnert sie sich. „Je öfter ich allein unterwegs war, desto normaler fühlte es sich an.“

So sehr Claudia Rossi die Monate in Down Under genoss, ist sie nun auch froh, wieder in Lehnitz zu sein. „Man merkt erst in der Ferne, was einem die Heimat, vor allem Familie und Freunde wirklich bedeuten. Und wie wunderschön wir es hier in Oberhavel haben.“ Von ihrer Auszeit in Australien hat die 34-Jährige nicht nur jede Menge Souvenirs für ihre Liebsten mitgebracht. Auch in ihr selbst hat sich etwas verändert. „Ich bin viel gelassener geworden“, meint sie. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel will sie zukünftig viel öfter nutzen: „Anders habe ich mich in Sydney mangels Alternativen kaum fortbewegt. Man gewöhnt sich daran oder legt Strecken auch mal zu Fuß zurück. Das möchte ich beibehalten.“ Großen Eindruck hinterließ zudem der Umgang der Australier miteinander bei ihr: „Das ist ein Land mit soviel unterschiedlichen Kulturen und Einwanderern. Die Toleranz und Hilfsbereitschaft untereinander ist beispielhaft, die Herkunft spielt irgendwann einfach keine Rolle mehr. Ein gutes Gefühl, weil es im Leben ja auch auf wichtigere Dinge als Hautfarbe oder Herkunft ankommt“, findet sie.

Jeder Cent hat sich gelohnt

Knapp 20 000 Euro hat Claudia Rossi die Erfüllung ihres Traumes gekostet. Für sie eine Investition, „bei der sich jeder Cent gelohnt hat. Die Erlebnisse und Erinnerungen trage ich ein Leben lang in mir.“ Sie sagt: „Ich kann nur jedem empfehlen, so etwas einmal im Leben zu machen. Es müssen ja nicht gleich fünf Monate sein, schon ein oder zwei sind toll. Einfach mal raus, in einer anderen Kultur leben.“ Ihre Zelte hat die 34-Jährige nach ihrer Rückkehr wieder im Haus ihrer Mutter in Lehnitz aufgeschlagen, wo sie auch vorher schon wohnte. Die Jobsuche hat für die gelernte Fachkraft für Lagerlogistik, die neben dem Logistik-Ökonomie-Studium auch einen Abschluss im Bereich Business Administration vorzuweisen hat, längst begonnen. Das erste Vorstellungsgespräch liegt hinter ihr. „Ich warte nun, was daraus wird.“ Die 34-Jährige ist zuversichtlich. „Ich werde schon etwas finden. Fachkräfte werden gesucht, es gibt viele freie Stellen.“ Auch aus diesem Grund fühlt sie sich bestätigt, mit ihrem Ausstieg alles richtig gemacht zu haben: „Manchmal muss man einfach mal machen. Dafür wirst du mit Erfahrungen belohnt, die du für kein Geld der Welt kaufen kannst.“

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