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Oranienburg Eine Brustkrebspatientin veröffentlicht einen Laufratgeber
Lokales Oberhavel Oranienburg Eine Brustkrebspatientin veröffentlicht einen Laufratgeber
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14:56 28.11.2019
Marita Bauer schrieb über ihr Lauftraining ein Buch, das Krebspatientinnen aus Depression und Kraftlosigkeit heraushelfen soll. Sie selbst fand dadurch auch zur Malerei zurück (l.). Quelle: Matthias Busse
Birkenwerder

Die Lauftrainerin Marita Bauer hat ein Buch geschrieben, das sich keiner Schublade zuordnen lässt. „Lass mich mit einem Kamel Lambada tanzen“ ist kein bloßer biografischer Ratgeber einer Frau, die den Brustkrebs besiegte – auch ist es weder allein ein Trainingsbuch, noch nur Motivationsbuch.

„Das alles steckt in dem Buch“, sagt die 63-jährige Sportlerin aus Birkenwerder, „Motivationsbuch finde ich aber gar nicht schlecht. Denn viele Frauen, die so krank sind, haben Depressionen.“

Ein Mut-Mach-Buch

Die 380 Seiten wollen Betroffenen vor allem Mut machen, weil die Autorin durch ihre eigene Krankengeschichte die Nöte kennt. Das fängt schon mit der äußeren Form an, einem Din A5 Querformat. „Menschen, denen es nicht so gut geht, können es besser halten“, habe sie sich dabei gedacht. Auch der Text passt sich an die Zielgruppe an: „Die Seiten sind nicht so lang und die Kapitel sehr kurz“, betont sie, weil Schwerkranke nicht so lange lesen könnten.

Marita Bauer wählte bewusst das Querformat. Dadurch sei das Buch besser für Kranke im Bett zu lesen und die Texte pro Seite würden kürzer. Quelle: Matthias Busse

Sie hat das alles selbst durchgemacht, kraftlos im Bett gelegen, aufgrund der Medikamente ohne Antrieb. Noch heute, 13 Jahre nach ihrer Diagnose, leide sie an Konzentrationsschwäche. Daher sei ihr Marion Mergen – die unter dem Pseudonym Mari März selbst Geschichten schreibt – als ihre Lektorin eine große Hilfe gewesen. „Ich wusste ja manchmal nicht, habe ich das schon geschrieben?“, gibt Marita Bauer zu. Außerdem habe sie ihr die richtigen Fragen gestellt, „damit das auch Laien verstehen.“

Expertin durch eigenes Durchleben

Denn in mehr als einem Jahrzehnt der Auseinandersetzung mit der Krankheit ist Marita Bauer inzwischen Expertin geworden. Ihr Buch jedoch sollte ohne Fachsprache auskommen. Viele ihrer Sätze sind in der Ich-Form geschrieben und holen die Leser in deren Lebenserfahrungen ab. Als sie 2006 begann, mit Sport ihrem Zustand zu trotzen, war Bewegung zur Unterstützung der Chemo- und Strahlentherapie noch keineswegs anerkannt. Anders als heute, da sie sich auf wissenschaftliche Studien zur positiven Wirkung stützen kann.

Keineswegs war für ihren geschwächten Körper der Neustart einfach, erinnert sie sich. Obwohl die studierte Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung in ihrer Jugend Handball spielte und später als Trainerin aktiv blieb, war sie fast am Ende: „Fahrradfahren ging nicht mehr“, erinnert sie sich, „ich hatte aber die Nordic Walking Stöcke von meinem Mann rumzustehen.“ Damit lief sie los, zuerst nur ums Haus.

Bewegungstherapie bei Krebs war damals neu

Zum Glück war ihre behandelnde Ärztin fortschrittlich und habe ihr zugeraten: „Dass Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie am Straßenrand sitzen und ihren Mann anrufen, dass er sie abholt.“ Dazu wäre es dann aber nie gekommen, jedoch hätten sich positive Effekte bei ihr eingestellt: „Der Kopf wurde klarer und die Psyche besserte sich. Wenn ich nach Hause kam, dann dachte ich: Wenn ich das geschafft habe, dann schaffe ich auch das Nächste.“

Das unmittelbar erlebte Gefühl notierte sie damals in ihr Tagebuch, dass sie nun zitiert: „Das Nordic Walking entpuppte sich als DIE IDEE schlechthin. Es tut mir rundherum gut.“ Die Bewegung in der Natur öffnete ihr zudem Augen und Seele. Sie fing wieder mit dem Fotogafieren und Malen an, stellt ihre Werke aus und gibt an Grundschulen Kreativkurse.

Marita Bauer entdeckte beim Laufen die Welt neu und fing wieder mit dem Malen an. Quelle: Matthias Busse

Das Unmögliche möglich machen – das soll der irreale Titel ausdrücken. Aber es ist auch ein ehrliches Buch, das nicht behauptet, für welche Zeitspanne sich das Leben mit ihrer Methode verlängern lässt. Dass ihre Kurse, die sie in Cottbus, Birkenwerder und Oranienburg gibt, immer wieder Teilnehmer an den Tod verlieren, das spart sie nicht aus. Aber sie schließt ihr Buch hoffnungsfroh: „Überzeugt bin ich hundertprozentig, dass Leben und Bewegung untrennbar sind.“

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Daran erkrankt in Deutschland etwa jede achte Frau. Zehn Jahre nach der Diagnose überlebten 70 Prozent Betroffene.

Sport ist so wichtig wie ein Medikament, meint die Deutsche Krebsgesellschaft zur Vorbeugung von Erkrankungen und zur Therapie.

In Oranienburg und Cottbus leitet Marita Bauer Laufgruppen speziell für erkrankte Frauen. Sie wendet die Onko-Walking-Methode an, bei der Laufen, Gymnastik und Koordination geübt werden.

In Birkenwerderveranstaltet sie den Nordic-Walking-Treff. Weitere Infos zu Marita Bauers Kursen im Internet unter www.personal-nordic-walking.de

Eine Ausstellungmit Bildern von Marita Bauer zeigt die Sparkasse Birkenwerder in der Clara-Zetkin-Straße 1a bis zum April 2020.

Das Buch„Lass mich mit eine Kamel Lambada tanzen“ von Marita Bauer ist bei Books on Demand erschienen.

Zum Lauftraining von Marita Bauer gehören auch Beweglichkeits- und Koordinationsübungen mit den Laufstöcken. Quelle: Matthias Busse

Von Matthias Busse

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