Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Dokumentarfilm-Dreh über Verfolgung von Sinti und Roma in Oranienburg
Lokales Oberhavel Oranienburg Dokumentarfilm-Dreh über Verfolgung von Sinti und Roma in Oranienburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 23.07.2019
Christel Schwarz (M.), Nachfahre verfolgter Sinti und Roma, beim Dreh mit den Filmemachern Omid Mohadjeri (l.) und Michael Telkmann (r.). Quelle: fotos:. eNRICO KUGLER
Oranienburg

Ein Stuhl, ein Mensch und eine Kamera. Mehr brauchen zwei Oldenburger Filmemacher für ihren Dreh an diesem Dienstagmorgen vor dem Oranienburger Schloss nicht. Der Mensch auf dem Stuhl ist Axel Drecoll, der Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen. Etwas später nimmt auch Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke auf dem Stuhl Platz.

Familie Schwarz, Bürgermeister Laesicke, Gedenkstättenleiter Drecoll und das Filmteam vor dem Oranienburger Schloss. Quelle: Enrico Kugler

Eine Familie steht etwas entfernt. Der jüngste Spross läuft aufgeregt und lachend umher. Es werden Handyfotos gemacht. Die Familie heißt Schwarz, und sie ist Hauptprotagonist in dem Film, der die Filmemacher an diesem sonnigen Tag nach Oranienburg führt. Der Film beschäftigt sich mit den Spuren der Sinti und Roma vom niedersächsischen Jever bis nach Sachsenhausen, Bergen-Belsen und Auschwitz. Es sind Wege, die Familie Schwarz nehmen musste und an die Christel Schwarz, das Familienoberhaupt, gemeinsam mit den Filmemachern Omid Mohadjeri und Michael Telkmann erinnern möchte.

45 Familienmitglieder von Christel Schwarz wurden während der NS-Zeit deportiert. „26 von ihnen kamen nicht nach Hause zurück“, sagt der 71-Jährige. So etwa eine seiner Tanten. Sie wurde mit Typhus in einem katholischen Krankenhaus behandelt, nachdem ihr die Flucht aus der Gefangenschaft gelungen war, erzählt Schwarz. „Den Nonnen erzählte sie, dass sie gesehen hatte, wie Kinder ermordet und andere Menschen gefoltert wurden. Die Nonnen sind zur Gestapo gegangen und haben meine Tante verraten.“ Sie kam gemeinsam mit ihrem kleinen Kind nach Auschwitz und beide wurden dort ermordet.

„Da muss doch was gemacht werden. Von jedem“

Christel Schwarz ist Vorsitzender des Freundeskreises für Sinti und Roma in Oldenburg und widmet der Erinnerung sein Leben. „Uns wird gesagt: Ihr erzählt immer von Auschwitz, das ist doch schon über 70 Jahre her. Darauf antworte ich immer: Vergeben haben wir alle, aber vergessen dürfen wir nie“, sagt er. „Und darum machen wir diesen Film. Jetzt ist es doch schon wieder fünf vor zwölf.“ Damit meint er den Aufstieg der rechtsgerichteten AfD. „In den letzten zwei Jahren sind wir viel mehr von Rechtsradikalen angegriffen worden. Da muss doch was gegen gemacht werden. Von jedem.“

Die Idee zum Film hatte Christel Schwarz schon vor einigen Jahren. Filmemacher Michael Telkmann ist seit langem mit dem Freundeskreis und Christel Schwarz eng verbunden. „Es ist wichtig, dass die direkten Nachkommen der Opfer klaren Bezug zur Geschichte haben, um im Idealfall ihre Altersgenossen, die gar kein Bezug haben, zu informieren und aufzuklären“, sagt Telkmann. „Wir haben einfach gemerkt, dass diese persönliche Ebene vielmehr dazu führt, dass man sich damit wirklich beschäftigt.“

Redakteur Michael Telkmann mit Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke. Quelle: Enrico Kugler

Axel Drecoll ergänzt: „Ich finde es ganz wichtig, vor allem nicht nur über die Sinti und Roma zu berichten, sondern sie zu Wort kommen zu lassen.“ Denn nach wie vor seien sie gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt. Im Interview mit den Filmemachern hat der Wissenschaftler über die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erzählt, auch in Bezug auf die Verfolgung der Sinti und Roma.

Nach ihrem Halt in Oranienburg steht für das Filmteam und Familie Schwarz ein Besuch in Bergen-Belsen auf dem Plan. Die letzte Station für den Dreh soll im Dezember die Gedenkstätte Auschwitz sein. Der Besuch dort steht aber noch nicht fest. Denn die Fördermittel für diese Reise sind noch nicht bewilligt. Mit denen hat das Team ohnehin zu kämpfen. Viele Anträge haben sie geschrieben, an Stiftungen und Verwaltungen. Bisher geben nur der Landkreis Friesland und die Stadt Oldenburg Geld. „Wir bleiben aber am Ball und geben nicht auf“, sagt Michael Telkmann.

Wer die Filmemacher und Familie Schwarz unterstützen möchte, kann sich bei Christel Schwarz melden, unter: 0171/777 00 78.

Von Annika Jensen

Für die neue Verbindung von Dresden nach Rostock hat die Deutsche Bahn kurzfristig 17 gebrauchte Doppelstockzüge gekauft. Die Bahn will schon im Dezember von Dresden über Berlin an die Ostsee starten. Damit löst das Unternehmen ein Versprechen ein. Auch ein Halt in Oranienburg ist geplant.

23.07.2019

Zirkus Probst gastiert vom 1. bis 4. August in Oranienburg. Sechs Vorstellungen wird es geben.

23.07.2019

Die ersten Tage im christlichen Sommerlager sind vorbei. Der Umzug von Hohenbruch in den Oranienburger Ortsteil Kuhbrücke ist gelungen.

23.07.2019