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Oranienburg Kleiderkammer Oranienburg: Ehrenamt seit elf Jahren
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14:55 16.01.2019
Hildegard Wiggert steht im hohen Alter in der Oranienburger Kleiderkammer ihren Mann. Quelle: Stefan Blumberg
Oranienburg

Einmal sind es Kleid, Hose oder Jacke. Beim nächsten Mal ein Topf, ein Eimer oder ein Handfeger. „Bei mir ist alles zu haben, was unter dem Namen ’Damen und Wirtschaft’ zu verstehen ist“, sagt Hildegard Wiggert. Einmal in der Woche steht sie hinter dem Tisch in eben jener Abteilung, wo diese Dinge erhältlich sind. Es ist kein Geschäft im herkömmlichen Sinn. Es ist die Oranienburger Kleiderkammer. Immer donnerstags von 10 bis 16 Uhr gehen hier Waren des täglichen Bedarfs über den Tisch.

Immer gern, immer gut gelaunt im Einsatz

Hildegard Wiggert ist eine von 25 Mitstreitern der Kleiderkammer in der Kreisstadt. Aber nicht irgendeine, es ist die älteste ehrenamtliche Helferin. Jahrelang hat der Spruch zu ihrem Alter funktioniert: „70 Jahre und ein paar Monate“, sagte sie immer, wenn sie gefragt wurde. Das ist jetzt vorbei. Seit Freitag (11. Januar) ist sie 80 Jahre alt. Und noch lange nicht müde. Die agile Dame selbst übernimmt an ihrem Stand die Schicht von 8 bis 13 Uhr. Und zwar sehr gern und immer gut gelaunt. Für die Sonderschichten, die zweimal im Jahr anstehen, ist sie auch zu haben. Da sind alle gefragt, wenn wieder mal Lkw-Ladungen mit gesammelten Sachen von den Mitarbeitern der Bayer AG Berlin kommen. Das Unternehmen ist ein fester Partner der Oranienburger Einrichtung.

Seit über elf Jahren für die Kleiderkammer Oranienburg im Einsatz

Seit elf Jahren sortiert, packt und verkauft Hildegard Wiggert Waren in der Kleiderkammer. „Nach dem Verlust meines Mannes wollte und musste ich etwas machen“, sagt die Oranienburgerin. Sie lief ihrem ehemaligen Lehrling, Martina Häusler, über den Weg, die die Kleiderkammer zu dem Zeitpunkt leitete (aber 2013 verstarb). „Sie sagte mir damals: ’Komm doch mal gucken’. Das habe ich dann getan und bin hier gelandet“, so Hildegard Wiggert, die immer mit Freude an diese Aufgabe geht. „Ich habe hier eine richtige Gemeinschaft gefunden. Und wir sind hier ja auch ein ganz lustiges Völkchen“, findet sie.

Für manchen Spender eine Entsorgungsstelle?

In der Kleiderkammer werden – wie der Name schon sagt – Kleidung und mehr für Bedürftige gesammelt. Sie werden in den Räumen in der Albert-Buchmann-Straße 15 entgegengenommen. „Es sind tatsächlich Markensachen dabei, aber auch viel Schrott“, findet Hildegard Wiggert. „Für manch einen Spender scheinen wir eine Entsorgungsstelle zu sein.“ Was gar nicht angeboten werden kann, wird geschreddert. Die „guten Sachen“ wechseln den Besitzer. Die Kammer werde sehr gut angenommen. Große Bettlaken, kleine Pullover, Rasierapparate oder schwarze, lange Kleider seien sehr gefragt. „Diese Sachen sind besonders für Flüchtlinge interessant. Große Laken haben wir in Deutschland eher nicht. Die schwarzen Sachen werden von ausländischen Frauen bevorzugt“, beobachtete Hildegard Wiggert. Auch Unterwäsche sei in der Kleiderkammer zu haben. „Da sind manchmal richtige Liebestöter dabei, die gern genommen werden“, erzählt die energiegeladene 80-Jährige. Überhaupt zählen Flüchtlinge zu den ständigen Abnehmern der Sachen, aber nicht nur. Auch bedürftige Einheimische sind regelmäßig da, um sich neu einzukleiden. In jedem Fall müssen alle eine Bescheinigung (Hartz-IV- oder Rentenbescheid) mitbringen, um zu sehen, dass sie einen Anspruch darauf haben.

Obolus für Kleidungsstücke soll Wertschätzung steigern

In der Vergangenheit kam es durchaus vor, dass einige Empfänger mit den abgeholten Sachen Schindluder trieben. „Wir bekamen mit, dass sie die Sachen verkauften“, sagte die Leiterin der Kleiderkammer, Angelika Voigt. Deshalb nimmt die Kammer für die ausgegebenen Sachen eine Minispende: für zehn Teile acht Euro. Fünf Kinderteile sind kostenlos, bis zu zehn Teile kosten drei Euro. „Die Dinge sollen eine Wertschätzung erfahren. Ich denke, mit diesem kleinen Obolus funktioniert das“, so Angelika Voigt. Und die Betriebskosten für die Kleiderkammer können auf diese Weise beglichen werden.

Unterstützung für Partner der Kleiderkammer

Wenn die Kleidung sechs bis acht Wochen in Oranienburg in den Regalen liegt, geht sie weiter auf die Reise – in die Ukraine. Auch das Obdachlosenheim ist ein Partner für die Oranienburger Kleiderkammer; genau wie das Tierheim, wo zum Beispiel Decken für die Tiere Verwendung finden.

Gedanke ans Ruhigertreten? Auf keinen Fall

Hildegard Wiggert ist nicht nur donnerstags auf Achse, wenn sie in der Kleiderkammer hilft. Als „Grüne Dame“ im Oranienburger Krankenhaus hat sie eine andere ehrenamtliche Tätigkeit. „Ich fahre mit dem Bibliothekswagen über die Stationen und versorge die Patienten mit Büchern“, sagt sie. Montags geht sie ins Fitnesstudio, macht Kraftsport („Man muss doch was machen für seinen Körper.“). Und dann ist da auch noch der Romméclub, in dem sie regelmäßig Karten spielt. Und denkt sie auch ans Ruhigertreten? „Nö. Wenn mir was keinen Spaß mehr macht, suche ich mir eben was anderes.“

Von Stefan Blumberg

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