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Oranienburg Ein letzter Wunsch: Oranienburgerin möchte das Enkelkind sehen
Lokales Oberhavel Oranienburg Ein letzter Wunsch: Oranienburgerin möchte das Enkelkind sehen
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12:52 06.03.2019
Carola, Uwe und Christin (l.) Draeger aus Oranienburg sind mit dem Wünschewagen nach Usedom gekommen. Unter anderem waren sie auf der Ahlbecker Seebrücke. Quelle: Hannes Ewert
Oranienburg

„Ich möchte noch erleben, dass ich Oma werde“, sagt Carola Draeger mit Tränen in den Augen auf die Frage, welchen Wunsch sie noch in diesem Leben hat. Bei ihrem Ehemann Uwe und der Tochter Christin kullern die Tränen die Wange hinunter. Die Lage ist ernst, denn die 51-Jährige hat wohl nur noch wenige Wochen, wenn nicht sogar nur noch Tage zu leben. Sie leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs und die Chemotherapien wurden auf ihren Wunsch hin eingestellt.

Ihre Familie, Ehemann Uwe (54) und ihre schwangere Tochter Christin (27) begleiteten sie auf eine letzte Reise an die Ostsee – es geht nach Ahlbeck. Auf dem Tagesplan stehen ein Besuch bei „Uwes Fischerhütte“ und ein Gang über die Ahlbecker Seebrücke. Mithilfe des Wünschewagens des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ist es ihr am vergangenen Freitag möglich gewesen, eine letzte Reise an die Ostsee anzutreten. Mithilfe des Wagens werden Sterbenskranken letzte Wünsche erfüllt und kurze Reisen an ihre Lieblingsorte ermöglicht. Das Projekt ist ehrenamtlich.

Tochter Christin und Mutter Carola eng vereint. Beiden fällt der baldige Abschied sichtlich schwer. Quelle: Hannes Ewert

Eine Reise in die Vergangenheit

Die Insel Usedom ist eine Region, die sie an die Anfangstagen ihrer Ehe erinnert.

Zum ersten Mal war sie mit ihrem Mann 1988 hier, ein Jahr nach ihrer Hochzeit. Sie reisten mit dem Zug an. „Wir mussten in Wolgast aussteigen, dann mit unseren Koffern zu Fuß über die Brücke und dann wieder in den Zug hinein“, erinnert sich Ehemann Uwe. Ihr Ziel war der Zeltplatz in Zempin. „Es hat sich alles unwahrscheinlich verändert. Vieles ist moderner und größer geworden“, ergänzt sie. Damals war es ein Urlaub mit dem FDGB-Feriendienst. „Der ganze Urlaub kostete nur 85 DDR-Mark. Natürlich kein Vergleich zu heute“, sagt Ehemann Uwe und lacht.

„Es ist wunderschön, hier zu sein“

Carola Draeger lässt sich ihr trauriges Schicksal nicht immer anmerken. Vielmehr blickt sie auf ein schönes Leben zurück und freut sich über die Möglichkeit, noch mal an der Ostsee zu sein. „Es ist wunderschön, dass wir wieder hier sein können. Wir waren oft an der Ostsee – sowohl in Polen als auch in Schleswig-Holstein, aber hier hat es uns am besten gefallen“, sagt sie. Zum Mittag gab es Zander für das Ehepaar und Flunder für die Tochter. Das Essen war super“, sagt sie. Nach dem Mittag ging es zur Seebrücke. „Wir haben versucht, dass sie noch die Füße in den Sand halten kann, aber es war schwieriger als gedacht“, sagt Tochter Christin.

Mit einem Rollstuhl wurde Carola Draeger von der Seebrücke zurück zum Auto geschoben. Quelle: Hannes Ewert

33 Jahre arbeitete die Brandenburgerin als Kindergartenerzieherin. „Immer im gleichen Betrieb“, sagt sie stolz. Vor zwei Jahren kam die Schockdiagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Ich werde dafür bewundert, dass ich noch lebe.“ Die Ärzte gaben ihr bereits damals nur noch wenige Monate zu leben.

„Ohne den Wünschewagen des ASB wäre es nicht möglich gewesen, nach Usedom zu kommen“, sagt sie. Der Wagen ist ausgestattet wie ein Krankenwagen, allerdings sind alle medizinischen Sachen gut getarnt. Der Erkrankte hat von seiner Liege durch die getönten Scheiben einen Blick nach draußen und bei Bedarf wird über ihm ein Sternenhimmel ans Autodach projiziert.

Am Dach des Wünschewagens können Lichter eingeschalten werden, die wie Sterne aussehen. Quelle: Hannes Ewert

Auch wenn Carola Draeger schwer krank ist, bereiten ihr zu Hause viele Dinge eine große Freude. „Ich habe ein wunderschönes Leben. Wir haben einen Hund, zwei Katzen, zwei gut erzogene Kinder, ein Enkelkind ist unterwegs, mein Mann kümmert sich um alles, täglich kommt Besuch, alle zwei Tage sind gute Freunde da – seit Weihnachten war das Haus zu keinem Zeitpunkt leer“, sagt sie stolz. Selbst auf Usedom haben sie sich noch mit Kollegen getroffen.

Einen letzten Herzenswunsch hat Carola Draeger: Sie würde so gerne das Enkelkind sehen. „Genau deswegen hält sie so lange durch“, versichert ihr Mann. Aber es wird schwer mit diesem Wunsch, da die Geburt erst im Mai sein wird.

Wünschewagen-Begleiter: Ein Ehrenamt

Über Spenden werden die Fahrten des Wünschewagens finanziert. Ehrenamtler fahren mit, um die Kranken zu begleiten. Zum ersten Mal war Nicole Griffel dabei. „Ich habe davon auf einem Hospiz-Tag in Potsdam gehört und war von der Idee begeistert“, sagt die 40-Jährige, die eigentlich als Dialyse-Krankenschwester arbeitet.

Ehrenamtlerin Nicole Griffel zeigt einen Blick ins Innere des Wünschewagens. Quelle: Hannes Ewert

Für Familie Draeger ging es am späten Nachmittag wieder zurück nach Oranienburg – mit Aal, Heilbutt und Seelachs im Gepäck. Und natürlich vielen Erinnerungsfotos an einen schönen Tag. Bereits am Donnerstag steuert der Wünschewagen wieder die Ostsee an. Dieses Mal soll einem 18 Jahre alten Berliner ein letzter Wunsch erfüllt werden.

Hannes Ewert/RND

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