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Oranienburg Verwitterte Filmrolle vom Grabowsee birgt Schatz
Lokales Oberhavel Oranienburg Verwitterte Filmrolle vom Grabowsee birgt Schatz
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20:11 18.06.2019
Christiane Nebel mit der alten Filmrolle und den darauf befindlichen Bildern, aufgenommen in der einstigen Lungenheilstätte. Quelle: Nadine Bieneck
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Friedrichsthal

Bunt und vielfältig, vor allem aber auch mit eindrucksvollen Fotos versehen sind die Wände der Baracke, die bis 1991 auf dem Gelände der einstigen Lungenheilstätte am Grabowsee den dort untergebrachten russischen Soldaten als Konsum diente. Heute zeigt sie als Ausstellungsraum unter anderem die wechselvolle Geschichte der Anlage auf. Fehlende Fenster und verwitterte Mauern unterstreichen den Verfall, dem die Anlage inzwischen preisgegeben ist.

Besucher haben auf dem Gelände der einstigen Lungenheilstätte am Grabowsee bei Friedrichsthal (Oranienburg) originale Zeitzeugnisse der sowjetischen Streitkräfte gefunden, die dort bis 1991 ein Lazarett betrieben. Einige der verwitterten Fotos konnten rekonstruiert werden – nun beginnt die Suche nach den jungen Soldaten, die darauf abgebildet sind.

Seit Sonnabend ist die Schau um zwei Exponate reicher, darunter einer Fotowand, wie es sie so bislang auf dem Gelände nicht gab. „Wir waren vor acht Jahren mit unserer Kamera auf dem Gelände der Heilstätte unterwegs, um Fotos zu machen“, erinnern sich Christiane (32) und André Nebel (33). Aus Mittweida (Sachsen) stammend, sind die beiden seit vielen Jahren dem Charme sogenannter „Lost Places“ erlegen, ziehen immer wieder los, um verlassene Orte auf Bildern festzuhalten. Und finden dabei nicht nur außergewöhnliche Fotomotive, sondern wie im einstigen Lazarett am Grabowsee offenbar auch echte Schätze. „Als wir 2011 bei einem Besuch den Verbindungsgang zwischen Haupt- und Badehaus durchstöberten, standen wir plötzlich in einem Raum mit jeder Menge Hinterlassenschaften der Soldaten, die das Gelände zuletzt als russisches Lazarett genutzt hatten. Es schien so, als wären Dinge, die nicht mehr benötigt wurden, hier einfach weggeworfen worden.“ Zwischen „stapelweise Wodkaflaschen“, wie André Nebel lachend verrät, fanden die beiden „einen echten Schatz: Eine alte Filmrolle, bereits belichtet, mit Aufnahmen von Soldaten, die hier ihren Dienst versehen hatten.“

Bernhard Hanke (l.) mit den beiden Schatzfindern, André (M.) und Christiane Nebel. Quelle: Nadine Bieneck

Umwelteinflüsse haben Spuren auf den Bildern hinterlassen

Umwelteinflüsse hatten ihre Spuren auf dem Zelluloid hinterlassen, doch als gelernte Mediengestalterin gelang es Christiane Nebel, etliche Bilder zu rekonstruieren. „Es war spannend zu sehen, was sich auf den Fotos verbarg. Offensichtlich handelt es sich um private Aufnahmen, vermutlich aus den 80er Jahren, die den Alltag der Soldaten im Lazarett widerspiegeln“, erklärt André Nebel. „Eine Person ist auf fast jedem Foto zu sehen, es wäre spannend herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt.“

Kann ein Kommandeur weiterhelfen?

Genau diese Frage stellt sich auch Bernhard Hanke, der das Gelände seit Jahren für den Kids Globe-Verein verwaltet. „Wir sind gerade dabei, Kontakt zu einem ehemaligen Kommandeur des russischen Lazaretts aufzunehmen und ihn einzuladen, in der Hoffnung, dass er uns mehr über Hintergründe der Bildern berichten kann.“ Bis dieses Geheimnis gelüftet ist, bieten die verwitterten Aufnahmen viel Spielraum für Interpretationen. Betrachtet man die ernsten Mienen der jungen Soldaten, hatten sie damals scheinbar nicht viel zu lachen.

Von Nadine Bieneck