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Oranienburg Eine persönliche Sicht der Geschichte
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01:18 18.11.2018
Ellen Schernikau las auch aus den Büchern ihres Sohnes Ronald wie „Die Tage in L.“, das er beim Studium in Leipzig geschrieben hat. Quelle: Ulrike Gawande
Oranienburg

Dass in den 40 Jahren, in denen die DDR bestand, rund zwei Millionen Menschen von Ost nach West gingen, ist vielen bekannt. Dass jedoch auch 500 000 den umgekehrten Weg wählten, viele vor dem Mauerbau, ist oft nur eine Randnotiz der Geschichte. In der Ausstellung „Wechselseitig“ wird das Phänomen der Rück- und Zuwanderung in die DDR thematisiert. Zu sehen ist die Ausstellung, zu der auch viele Filmaufnahmen mit Lebensgeschichten von Übersiedlern gehören, im Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg. Da jedoch eine Ausstellung oft zu wenig sei für Schüler, versucht Schulleiter Dieter Starke stets auch Zeitzeugen zu finden, die direkt mit den Schülern zum Thema ins Gespräch kommen.

Zeitzeugin Ellen Schernikau Quelle: Ulrike Gawande

Donnerstag war daher Ellen Schernikau zu Gast. Ihr 1991 verstorbener Sohn Ronald ist eine der in der Ausstellung vorgestellten Lebensgeschichten. 100 angehende Erzieher und Industriekaufleute lauschten, als die Magdeburgerin, die 1966 der Liebe wegen mit ihrem damals sechsjährigen Sohn die DDR auf illegalem Wege verließ, aus ihrem Leben erzählte. „Für mich war es keine Flucht, sondern ich bin übergesiedelt“, erklärte die heute 82-Jährige den Schülern. Sie war und ist von der Idee des Sozialmus überzeugt, träumt noch heute von einer zweiten Chance. „Wenn ich weggehe verrate ich mein Land, meine Freunde, die Idee.“ Im Westen angekommen, hatte der Vater ihres Sohnes Frau und Kinder. Doch es gab als illegal Ausgereiste vorerst keinen Weg zurück in die DDR. Auch ihr Sohn habe sich stets als Außenseiter im Westen gefühlt.

Zeitzeugin Ellen Schernikau Quelle: Ulrike Gawande

Eindringlich ließ Ellen Schernikau, die als Krankenschwester arbeitete, die Schüler an ihren Emotionen teilhaben. Als 1986 ein Kulturabkommen mit der DDR geschlossen wurde, ging Ronald Schernikau mit Dauervisum nach Leipzig zum Literaturstudium, wurde Diplom-Schriftsteller. Im Herbst 1989 stellten Mutter und Sohn unabhängig voneinander den Antrag wieder in die DDR eingebürgert zu werden.

Von Ulrike Gawande

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