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Oranienburg Hiobsbotschaft bei der Tafel Oranienburg: Die Chefin geht
Lokales Oberhavel Oranienburg Hiobsbotschaft bei der Tafel Oranienburg: Die Chefin geht
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16:35 21.11.2019
Aktionstag der Tafel Oranienburg anlässlich Deutscher Tafeltag und Welttag für menschenwürdige Arbeit. Quelle: Nadine Bieneck
Oranienburg

„Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit“, stöhnt Viola Knerndel. Die Sorgenfalten bei der Chefin am Oranienburger Standort des Arbeitslosenverbandes Deutschland, unter dessen Dach auch die Tafel Oranienburg ihre Heimat hat, werden nicht kleiner. Denn vor gut zwei Wochen ereilte Knerndel eine echte Hiobsbotschaft: „Unsere Tafelchefin hat gekündigt.“ Bereits zum 30. November ist für Anja Lemke Schluss bei der Tafel Oranienburg, die zudem auch ihre Standorte in Hennigsdorf, Velten und Liebenwalde bedient.

„Wie ich das schaffen soll, weiß ich noch nicht“

Damit verbunden ist eine Menge Fahrerei und Logistik. Planungen, die bislang zum Aufgabenbereich der 40-jährigen Oranienburgerin gehörten und die wohl vorerst an Viola Knerndel hängen bleiben. Zusätzlich zu deren eigentlichem Arbeitspensum. „Wie ich das schaffen soll, weiß ich noch nicht, aber irgendwie muss es gehen“, sagt sie. Hinzu kommt: So einfach neu besetzen lässt sich die Stelle nicht – es handelt sich um einen Vollzeitjob. „Die muss vom Arbeitslosenverband ausgeschrieben werden.“

Aktionstag der Tafel Oranienburg anlässlich Deutscher Tafeltag und Welttag für menschenwürdige Arbeit. Mit dabei Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke. Quelle: Nadine Bieneck

Eine offizielle Stellenanzeige war bis Donnerstagabend auf dessen Website nicht zu finden. Knerndel hofft unterdessen, dass sich – wenn es soweit ist – Mitarbeiter, die bereits bei der Tafel tätig sind, für den Posten bewerben. „Das würde die Einarbeitung leichter machen“, sagt sie. Denn: „Bis Ende Dezember kompensieren wir das irgendwie, aber dann muss die neue Tafelleitung laufen.“

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Anja Lemke fährt dieser Tage unterdessen emotional Achterbahn. „Vor zehn Jahren habe ich bei der Tafel Oranienburg angefangen“, blickt sie zurück. „Der Job hat mich aus der Langzeitarbeitslosigkeit geholt. Dass ich diese Chance bekommen habe, dafür bin ich bis heute wirklich dankbar“, sagt die 40-Jährige. Sie wisse, dass der Arbeitslosenverband „auf seine Gelder schauen müsse“. Als sie nun ein Jobangebot im Logistikbereich erhalten habe, bei dem am Ende des Monats mehr Geld übrig bleibe, habe sie sich dafür entschieden. „Als ich meine Kündigung in den Briefkasten gesteckt habe, hatte ich Tränen in den Augen“, sagt sie.

Hat zur Zeit wenig zu lachen: Viola Knerndl, Leiterin des Arbeitslosenverband-Standortes in Oranienburg, der auch die Tafel beherbergt. Quelle: Enrico Kugler

„Ich habe immer gern bei der Tafel gearbeitet – und der Abschied fällt mir verdammt schwer“

Ihren Kollegen will die 40-Jährige ein geordnetes Feld hinterlassen. „Ich versuche alles so gut wie möglich für die Übergabe vorzubereiten, damit sie es ab Dezember nicht so schwer haben.“ Denn Anja Lemke weiß: „Es gibt viel zu tun. Je weniger Leute anpacken, umso mehr muss jeder Einzelne machen.“ Es sei kein Geheimnis, dass die Arbeit auf die Knochen gehe, „zeitweise geht es an die Grenzen“. Der Hauptgrund für ihren Weggang sei das aber nicht gewesen. „Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Ich habe immer gern bei der Tafel gearbeitet – und der Abschied fällt mir verdammt schwer. Aber man muss auch im Leben vorankommen“, sagt sie nachdenklich.

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Für Viola Knerndel wird die Vorweihnachtszeit in diesem Jahr somit eine noch größere Herausforderung als ohnehin schon. „Wir haben mit Blick auf die Weihnachtszeit ein merklich höheres Spendenaufkommen“, weiß sie zu berichten. Dies sei gleichzeitig aber auch mit erhöhtem Arbeitsaufwand verbunden. So seien in den vergangenen Wochen allein in Zusammenarbeit mit der Supermarktkette Rewe mehr als 500 Weihnachts-Spendentüten zusammen gekommen, die in den nächsten Wochen noch weihnachtlich aufgepeppt werden müssen. „Dank Sponsoren und der Bürgermeisterwette können wir da ein paar Dinge hinzutun, die sonst nicht so alltäglich sind.“ Dazu zählen unter anderem Drogerieartikel und Kaffee.

Mehr als 540 Haushalte kommen in den Genuss

Mehr als 540 Haushalte aus Oberhavels Einzugsbereich sollen in den Genuss der Weihnachtsspenden kommen. Damit verbunden ist eine enorme Logistik. „Die Sachen müssen verteilt werden, die Autos bestückt, die Tourenpläne der Fahrer eingeteilt werden“, weiß Viola Knerndel. „Dafür brauchen wir viele Leute.“ Parallel werden in der Strelitzer Straße zudem zahlreiche Bücherstapel sortiert. Die hat die Stiftung Selbstlos bereits vor geraumer Zeit für die jüngsten Tafelbedürftigen zur Verfügung gestellt. Zwischenlagerung, Sortierung und Vorbereitung für die Ausgabe – auch dies sei ein „Drahtseilakt“, sagt Viola Knerndel. Ihre Sorgenfalten sind dementsprechend groß.

Von Nadine Bieneck

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