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Oranienburg Pferde, Bienen und Hochwasserschutz
Lokales Oberhavel Oranienburg Pferde, Bienen und Hochwasserschutz
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20:15 23.05.2019
Die drei Sandig-Geschwister: Peter, Nadja und Heino (v. l.) Quelle: Helge Treichel
Oranienburg

Nach dem Start bei Traumwetter auf dem Schlossplatz müssen wir vor der Stadtkirche St. Nicolai zum ersten Mal stoppen: Roland Jäger befüllt emsig eine Schubkarre mit Grünzeug. „Ich versuche das Umfeld in Ordnung zu halten“, sagt der 64-jährige Rentner, der seit März dieses Jahres auf 450-Euro-Basis Hausmeistertätigkeiten für die evangelische Gemeinde übernimmt. Er wohnt gern in Oranienburg, aber als liebenswert würde er die Stadt doch nicht bezeichnen, sagt er. Dafür stören ihn zu viele Sachen – von den Schlaglöchern vor seiner Wohnung am „Filmpalast“ bis hin zum fehlenden Winterdienst.

Werner und Gesine Blomberg vor ihrem Germendorfer Bienenhaus. Quelle: Helge Treichel

In Germendorf machen wir einen kleinen Abstecher zum Reiterhof Sandig. Alle drei Geschwister empfangen uns – Nadja Gerken (47) sowie ihre Brüder Peter (46) und Heino (42) Sandig. 60 Pferde betreuen sie derzeit in dem Pensionsbetrieb, darunter auch ein paar eigene Tiere. Seit 20 Jahren gibt es den Reiterhof, bereits seit 1992 die Kompostieranlage. Ihr Vater hatte einst die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) gekauft und den Landwirtschaftsbetrieb an seine drei Kinder vererbt. Die Landwirtschaftsstrecke ist der Verantwortungsbereich von Heino. Seine Schwester Nadja liebt die großen Weideflächen, die sehr viel Platz für die Pferde bieten. Gute und sichere Radwegeverbindungen halten die drei Geschwister für essenziell für die Region. Schmerzlich vermissen sie einen Radweg von Germendorf nach Sommerswalde. „Es wird etwas wenig gemacht“, sagt Peter Sandig, der sich extra ein Mountainbike zugelegt hat, weil er auf Waldwege ausweichen muss. Als Reinhard Bischoff vom ADFC die stillgelegte Strecke der Kremmener Bahn als Radweg ins Gespräch bringt, stimmen die Sandigs zu. Bei Erledigungen in Oranienburg sei man mit dem Fahrrad oft sogar schneller.

Philipp Schulz und René Regulin (v. l.) vom Leegebrucher Bauhof. Quelle: Helge Treichel

Gleich nebenan haben Werner (82) und Gesine Blomberg (74) ihr Imkerei-Grundstück. Die Eheleute wohnen in Hohen Neuendorf und waren im Länderinstitut für Bienenkunde tätig – er als Diplom-Ingenieur für Agrarwirtschaft, sie als Imkerin mit Meisterbrief. 1957 begann er mit der Bienenhaltung, sie stieg später mit ein. Die Anzahl von 150 Völkern haben sie auf jetzt 14 reduziert. Alle gehören der Rasse Carnica an. Das ist an dieser Stelle sogar ein Muss, weil Germendorf und noch ein großer Teil Oranienburgs im Zehn-Kilometer-Umkreis der Belegstelle Sommerswalder Forst liegt. Diese Belegstelle dient der gezielten Zucht von Honigbienen dieser genetischen Linie. Viele der Neu-Imker seien sich dieser wichtigen Tatsache aber gar nicht bewusst, bedauert Werner Blomberg. Ebenso vermisst er eine traditionelle Landwirtschaft in Oranienburg-Eden. Durch das Fehlen einer Bienenweide und einer Fruchtfolge sowie Pflanzen wie Raps, Klee und Sonnenblumen sei die Stetigkeit der Blütenfolge gestört. Besser laufe das in Kremmen oder Oberkrämer.

Ingrid Pohlke (83) ist mit ihrem Rollator in Velten unterwegs. Quelle: Helge Treichel

An einer Bushaltestelle der Birkenallee schrauben René Regulin (37) und Philipp Schulz (27) vom Bauhof der Gemeinde Leegebruch gerade einen lockeren Mülleimer fest. Beim montäglichen Leeren war ihnen der Defekt aufgefallen. Beide sind zugleich aktive Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr und erhöhen mit ihrer Anwesenheit die Einsatzbereitschaft. Der Ältere nahm seinen Dienst beim Bauhof am 1. Juli 2017 auf – zwei Tage nach dem Starkregen. Sein Feuerwehrkollege kam im Sommer 2018 dazu. Bei der Feuerwehr sind die beiden bereits seit 15 beziehungsweise 20 Jahren. Hochwasserprävention werde seit der Katastrophe vor zwei Jahren wichtig genommen im Ort. „Einmal pro Woche werden alle Gräben untersucht, ob jemand Abfälle abgekippt hat oder Durchlässe verstopft sind“, sagt Regulin.

Fabian Klück beim Bau der Grundstückszufahrt in der Rosenstraße. Quelle: Helge Treichel

In „Fritzens Hut“ packen an der Rosenstraße Fabian Klück (36) und Viviane Sill (30) gemeinsam beim Wegebau an. Ersterer wohnt mit Frau und Sohn (10) bereits seit drei Jahren in Leegebruch, letztere kam erst im November von Berlin nach Leegebruch – mit Mann und zwei Kindern (2 und 6). Die Freunde schätzen die Berlinnähe des Ortes, die gute Infrastruktur und das viele Grün im Umland. Und die Grundstückspreise seien bis vor kurzem noch vergleichsweise moderat gewesen.

Erzieherin Christina Brandl (40) kommt mit ihren Schützlingen aus der Kita „Pusteblume“ gerade vom Sport, als die MAZ-Reporter vorbeifahren. Quelle: Helge Treichel

Als Einflugschneise nach Velten wählen wir die Berg- und Wilhelmstraße. In der Baustelle der Wilhelmstraße treffen wir Ingrid Pohlke. Die 83-Jährige macht mit ihrem Rollator einige Besorgungen Über die beschwerlichen Umstände klagt sie nicht. „Die Bauleute helfen mir immer“, sagt sie. Außerdem sei der Ausbau gut, damit die Stolperfallen auf den Gehwegen endlich der Vergangenheit angehören. Ich musste deshalb schon immer auf der Fahrbahn gehen, sagt sie und lächelt freundlich.

Testbericht: Radfahrer leben gefährlich!

Beinahe wäre Reinhard Bischoff vom ADFC Birkenwerder schon vor dem eigentlichen Beginn der MAZ-Radtour überfahren worden: Auf dem Weg zum Startpunkt nach Oranienburg fuhr er an der B 96 entlang, als eine Autofahrerin vor ihm unvermittelt nach rechts auf die Sacco-Vanzetti-Straße abbog – ohne zu blinken. „Ich konnte zum Glück noch rechtzeitig bremsen“, sagt der 67-Jährige. „Sonst wären wir zusammengestoßen.“ In seinem Heimatort Birkenwerder ist ihm auch aufgefallen, wie viele Wahlplakate Radfahrer auf dem Radweg behindern. „Da müsste das Ordnungsamt tätig werden“, meint der langjährige Radler.

Reinhard Bischoff auf seinem Lieblingsstück der Etappe unmittelbar neben dem Kreuz Oranienburg. Quelle: Helge Treichel

Und Bischoff findet in Eden und Germendorf eine Beobachtung bestätigt, die er zuvor auch am Bauhaus in Birkenwerder, auf dem Radweg BorgsdorfLehnitz und in Lehnitz selbst gemacht hat: „Radfahrer müssen ständig die Straßenseite wechseln.“ Das liege daran, dass es mal einen einseitigen Radweg gibt, mal einen gemeinsamen Geh-/Radweg und oft auch keinen Radweg, sodass auf der Straße gefahren werden muss. Dadurch müssten Radler quasi ständig in „Alarmbereitschaft“ sein, um keine Fehler zu machen und sich regelkonform zu verhalten. Verschärft werde die Situation an den zahlreichen Baustellen. Die gibt es zum Beispiel am Lidl-Markt in Leegebruch (Eichenallee), wo die Beschilderung zudem in die Irre führe. Insbesondere Kinder seien an solchen neuralgischen Stellen überfordert. Nur ein Abschnitt hat dem Langstreckenradler ausnehmend gut gefallen – der Radweg an der Veltener Straße in Leegebruch (Kreuz Oranienburg). .

So geht es weiter: Von Velten nach Klein-Ziethen

Die MAZ bittet zum zweiten Mal zur Radtour durch Oberhavel. Redakteur Helge Treichel steigt in dieser Woche aufs Fahrrad. Gemeinsam mit Reinhard Bischoff ist er auf der Suche nach Menschen und ihren Geschichten.

Wer mitfahren möchte, kommt einfach um 8 Uhr zum Startpunkt.

Tag 1 (20.5.): Schlossplatz Oranienburg über Germendorf, Leegebruch nach Velten zum Dorfanger - 15 km

Tag 2 (21.5.): Start 8 Uhr, Marktplatz Velten, über Bötzow, Marwitz, Eichstädt, Vehlefanz bis Klein-Ziethen – 20 km

Tag 3 (22.5.): Klein-Ziethen über Groß-Ziethen, Staffelde, Flatow bis Kremmen – 19 km

Tag 4 (23.5.): Kremmen über Sommerfeld, Hohenbruch, Nassenheide bis Freienhagen – 24 km

Tag 5 (24.5.): Freienhagen über Dameswalde, Malz, Friedrichsthal, Fichtengrund, Sachsenhausen zurück nach Oranienburg – 13 km

Von Helge Treichel

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