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Oranienburg „Auf sein Wort war Verlass“ – “Er war ein echter Landesvater“
Lokales Oberhavel Oranienburg „Auf sein Wort war Verlass“ – “Er war ein echter Landesvater“
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19:07 30.12.2019
Manfred Stolpe hatte für seine Mitmenschen immer ein offenes Ohr. Quelle: foto: Simone Thomas
Oberhavel

Die Nachricht vom Tod des ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs, Manfred Stolpe, schlug am Montag nicht nur im politischen Brandenburg ein wie eine Bombe. Der 83-Jährige war in der Nacht zu Sonntag nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen, teilte die Staatskanzlei am Montag mit. Auch in Oberhavel sorgte die Nachricht für große Bestürzung und Trauer, erinnern sich Wegbegleiter mit viel Respekt an einen großen Politiker und Menschenfreund.

Manfred Stolpe war für mich geradezu ein väterlicher Freund. Wir hatten eine sehr enge und herzliche Beziehung, auch, da wir gemeinsam damals nach der Wende in Brandenburg Verantwortung übernahmen: Er als Landesvater, ich in der Kommunalpolitik. So etwas verbindet und hat unsere besondere Beziehung geprägt“, erinnert sich Oranienburgs Altbürgermeister Hans-Joachim Laesicke (parteilos). Viel hätten sich die beiden miteinander ausgetauscht, „wir hatten eine ganz besondere Antenne zueinander. Niemals vergessen werde ich seinen Anruf im Juni 1996, als er mir mitteilte, dass wir Oranienburger jetzt Besitzer unseres Schlosses sind“. Persönlich habe sich der Landesvater damals stark dafür eingesetzt, um in der Endkonsequenz das Bauwerk nicht dem Verfall preiszugeben. „Damit hat Manfred Stolpe das Stadtbild Oranienburgs maßgeblich mitgeprägt.“

Oranienburgs Altbürgermerister Hans-Joachim Laesicke. Quelle: heike bergt

Regelmäßig standen „Hansi“ Laesicke und Manfred Stolpe bis zuletzt im Austausch. „Vor zehn, 14 Tagen habe ich ihm noch einen Weihnachtsbrief geschrieben.“ Für den einstigen Ministerpräsidenten findet der Altbürgermeister ebenso lobende wie treffende Worte: „Manfred Stolpe war ein bekennender Brandenburger und Preuße, gekennzeichnet durch Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Bescheidenheit. Er war ehrlich, klug und ein absolut selbstloser Mann, der sich immer für andere eingesetzt hat. Er war nah an den Menschen und wird mir immer unvergessen bleiben. Für mich war er eine der prägenden Persönlichkeiten in meinem Leben. Wenn einer den Titel Landesvater verdient hat, dann war es Manfred Stolpe“ Wenngleich er über seinen gesundheitlichen Zustand nur ungern mit ihm gesprochen habe, „bei meinem Abschied aus dem Bürgermeisteramt 2017 hat man deutlich gesehen, wie geschwächt er war. Dass er trotzdem den Weg auf sich genommen hatte, um dabei zu sein, hat mich sehr bewegt und beeindruckt.“

Björn Lüttmann: „Gerade was er in den Aufbaujahren Brandenburgs geschafft hat, nötigt viel Respekt ab.“ Quelle: Robert Roeske

Persönliche Erinnerungen an den Ministerpräsidenten a.D. hat auch Björn Lüttmann, der Oranienburg, Liebenwalde und Leegebruch als SPD-Abgeordneter im Landtag vertritt. „Ich habe ihn persönlich diverse Male kennenlernen dürfen, erinnere mich noch gut an eine gemeinsame Veranstaltung in der Orangerie in Oranienburg, gemeinsam mit Altbürgermeister Hans-Joachim Laesicke“, blickt er zurück. „Die Nachricht über seinen Tod macht mich sehr traurig, wenngleich sie nicht völlig überraschend kommt, da seine Krankheit seit vielen Jahren bekannt war. Manfred Stolpe war ein unglaublich warmherziger Mensch, der stark auf die Menschen zuging und es stets sofort verstanden hat, mit Menschen Kontakt aufzunehmen. Er hatte ein – im positiven Sinne – sehr einnehmendes Wesen, das auch mich sofort für ihn eingenommen hat. Was die menschliche Seite angeht, habe ich unglaublich großen Respekt vor seinem Charakter und dem Typ, der er war“, erinnert sich Lüttmann. Viel Respekt habe er zudem vor seiner politischen Leistung. „Gerade was er in den Aufbaujahren Brandenburgs geschafft hat, nötigt viel Respekt ab. Ich selbst bin in den 90er-Jahren erst erwachsen geworden, kann diese Leistung daher kaum ermessen. Der damalige Zustand Brandenburgs, mit Themen wie Treuhand, Arbeitslosigkeit, Umbau und die Neuorientierung vieler tausender Menschen. Ihnen hat gerade Manfred Stolpe damals wirklich Orientierung gegeben, er war ein echter Landesvater. Die Wahlergebnisse der damaligen Zeit sind unmittelbar mit seinem Namen verknüpft. Was er gemeinsam mit Regine Hildebrandt als damaliger Sozialministerin für das Land geleistet hat, das wird wahrscheinlich erst in der Geschichtsschreibung deutlich. Solch wichtige Charaktere wie die beiden – sie bedeuteten für die Menschen Orientierung, auch der Politik und der Demokratie in Brandenburg zu folgen.“

Dirk Blettermann: „Neben Regine Hildebrandt war er der letzte Brandenburger, der unser Land mit aufgebaut hat.“ Quelle: Marco Paetzel

Bestürzt zeigte sich Dirk Blettermann (SPD), Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Oranienburgs. „Ich habe gerade erst von seinem Tod erfahren und bin sehr traurig darüber. Auch wenn sich das bereits sehr sehr lange angekündigt hat, da er schon sehr lange krank war“, sagte er im MAZ-Gespräch. „Neben Regine Hildebrandt war er der letzte Brandenburger, der unser Land mit aufgebaut hat. Es gibt heutzutage nur noch wenige Persönlichkeiten, mit denen man etwas anfangen kann. Manfred Stolpe war so eine Persönlichkeit, ein Mensch, der großes Vertrauen bei den Menschen hatte. Das, was er für Brandenburg getan hat, das hat er sehr souverän gemacht. Das ist die Erinnerung, die an ihn bleibt“, erinnert sich der Oranienburger an den Ministerpräsidenten a.D. „Das kommt grad alles ganz schön geballt“, fügte er betrübt hinzu, denn erst vor wenigen Tagen, am 22. Dezember, war mit Lieselotte Ristau die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin und langjährige Stadtverordnete Oranienburgs sowie Mitbegründerin der SPD in Oranienburg im Alter von 81 Jahren verstorben (MAZ berichtete). „Ich denke, ich werde nach Potsdam fahren, um auch persönlich meine Anteilnahme zum Tod von Manfred Stolpe zu bekunden“, so Blettermann. Denn wie die Potsdamer Staatskanzlei am Montag mitteilte, wird dort ab dem heutigen Dienstag (11 Uhr) ein Kondolenzbuch für Trauerbekundungen und Anteilsnahmen der Öffentlichkeit ausgelegt.

Bürger aus Oberhavel haben zudem die Möglichkeit, sich in ein Kondolenzbuch im Bürgerbüro der SPD-Landtagsabgeordneten Inka Gossmann-Reetz in Birkenwerder (Hauptstraße 36) einzutragen. Das Buch wird in den nächsten drei Wochen zu den üblichen Öffnungszeiten vor Ort ausliegen, am heutigen Dienstag besteht zwischen 11 und 13 Uhr die Möglichkeit für Eintragungen. „Manfred Stolpe war wirklich dass, was man einen Landesvater nennen konnte“, erinnert sich Gossmann-Reetz an den Verstorbenen. „Er hatte ein großes Herz für die Brandenburger. Was mich an ihm zudem tief beeindruckt hat – er war einer der ganz wenigen Politiker, der sich auch Fehler eingestehen konnte. Ich erinnere mich noch gut an ein Interview aus dem Jahr 2010, in dem er sagte, dass der Rechtsextremismus lange unterschätzt wurde. Das ist mir stark in Erinnerung geblieben, weil das auch heute noch brandaktuell ist.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Inka Gossmann-Reetz. Quelle: SPD

„Ich bin erschüttert und traurig, dass Manfred Stolpe gestorben ist“, sagt Bernd-Christian Schneck (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Löwenberger Land und erinnert sich an den Besuch des einstigen Ministerpräsidenten in Löwenberg, um bei der Einweihung des Waldstadions dabei zu sein. „Er war wirklich so ein richtiger Landesvater“. Sofort sei er mit den Menschen ins Gespräch gekommen, habe sich geduldig deren Ängste und Sorgen angehört. Damals, so erinnert sich der Bürgermeister, hätten ihn die Leute darum gebeten, sich für einen Radweg zwischen Löwenberg und Neulöwenberg stark zu machen. Manfred Stolpe habe dies zugesagt und sein Versprechen gehalten. Der Radweg wurde gebaut. „Auf sein Wort war Verlass“, so Bernd-Christian Schneck. Eine Tatsache, die viele Leute heutzutage etlichen Politikern absprechen.

Bernd-Christian Schneck, Bürgermeister des Löwenberger Landes. Quelle: Stefan Blumberg

Trauer herrscht auch bei Marei John-Ohnesorg, seit Oktober dieses Jahres Vorsitzende der Oranienburger SPD. „Ich bedauere den Tod von Manfred Stolpe sehr, er hat das Land Brandenburg über viele Jahre hinweg geprägt“, sagt sie. Persönlich habe sie den einstigen Brandenburger Landesvater nicht gekannt, war aber von zwei Treffen mit ihm beeindruckt. „Ich habe ihn mal bei zwei Veranstaltungen getroffen und dort war er sehr aufgeschlossen jedem gegenüber, was ihn immer ausgezeichnet hat.“

Marei John-Ohnesorg (l.) und Dirk Blettermann. Quelle: SPD Oranienburg

Von Bert Wittke, Knut Hagedorn und Nadine Bieneck

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