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Oranienburg Drecoll: Rechte Vorfälle in Gedenkstätten auf „niedrigem Niveau“
Lokales Oberhavel Oranienburg Drecoll: Rechte Vorfälle in Gedenkstätten auf „niedrigem Niveau“
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15:05 30.12.2019
Axel Drecoll ist Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Quelle: Robert Roeske
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Oranienburg

Brandenburgs NS-Gedenkstätten haben 2019 nach eigenen Angaben keine größeren Probleme mit rechtsextremen und antisemitischen Vorfällen gehabt. „Wir beobachten einen leichten Anstieg auf insgesamt niedrigem Niveau“, sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Oranienburg: „Aber ob die Fälle wirklich in statistisch relevanter Weise zugenommen haben oder ob unsere Sensibilität dafür gestiegen ist, lässt sich kaum verbindlich entscheiden.“

Die denkbare Bandbreite sei „ohnehin groß“, sagte Drecoll: „Das reicht von Provokationen über offen getragene extrem rechte Symbole bis hin zu kleineren Vorfällen.“ Dass sich politische Ereignisse durch Vorfälle in der Gedenkstätte niederschlagen, sei nicht zu erkennen.

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„Sorgfältige und engagierte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Es sei jedoch „in diesem Zusammenhang ein wichtiges Signal“ gewesen, dass ein Teilnehmer einer AfD-Gruppe, deren Führung in der Gedenkstätte Sachsenhausen im Sommer 2018 nach Störungen abgebrochen wurde, 2019 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, sagte Drecoll. Dies sei den „sorgfältigen und engagierten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neuruppin“ zu verdanken, betonte der Historiker.

Aus der AfD-Besuchergruppe war unter anderem die Existenz von Gaskammern unter dem NS-Regime angezweifelt worden. Die Gruppe wurde wegen massiver Störungen aus der Gedenkstätte verwiesen. Ein Mann aus der Bodenseeregion wurde deshalb im Oktober wegen Volksverhetzung und Störung der Totenruhe zu einer Geldstrafe in Höhe von 4.000 Euro verurteilt. (Az.: 18 Cs 114/19)

Hohes Interesse an brandenburgischen NS-Gedenkstätten

Insgesamt wurden die brandenburgischen NS-Gedenkstätten 2019 laut Gedenkstättenstiftung von mehr als 800.000 Menschen besucht. „Das Interesse ist unvermindert hoch“, sagte Drecoll: „In Sachsenhausen, wo wir auch in diesem Jahr wieder deutlich über 700.000 Besucher zu verzeichnen haben, sogar mit weiterhin steigender Tendenz.“

In Sachsenhausen sei damit „die Belastungsgrenze für das Personal und die Infrastruktur bereits erreicht, wenn nicht gar schon überschritten“, sagte Drecoll. Rund zehn Prozent der Besucher hätten pädagogische Betreuungsangebote genutzt, von den ausländischen Besuchern griffen rund 40 Prozent auf Betreuungsangebote zurück. Die Zahl der Besucher, die mit Stadtführern aus Berlin nach Sachsenhausen kommen, sei von 158.000 im Vorjahr auf voraussichtlich mehr als 180.000 erneut gestiegen.

In Ravensbrück sei die Besucherzahl mit rund 110.000 konstant geblieben, sagte Drecoll. Auch hier würden rund zehn Prozent der Gäste pädagogische Betreuungsangebote der Gedenkstätte nutzen. In den beiden kleineren Gedenkstätten in Brandenburg an der Havel sei ein Zuwachs zu verzeichnen. In der Euthanasie-Gedenkstätte sei die Besucherzahl um rund 18 Prozent auf mehr als 5.600 gestiegen. In der im April 2018 eröffneten Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden seien rund 2.300 Gäste gezählt worden.

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Von RND/epd