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Oranienburg Mörtel für die KZ-Mauer
Lokales Oberhavel Oranienburg Mörtel für die KZ-Mauer
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17:35 25.09.2018
Die alte Lagermauer, Baujahr 1938, nahe der Kommandantur bringen die Auszubildenden wieder auf Vordermann. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

„Man hat schon ein komisches Gefühl im Bauch“, sagt Moritz Reichel, als er an den alten Baracken vorbeigeht. Schließlich, sagt der 18-Jährige, seien hier so unfassbar viele Menschen gestorben. Der Fliesenleger-Azubi arbeitet in dieser Woche mit einer Hand voll Mitstreitern an der alten Mauer, die einst die Kommandantur von den Häftlingsbaracken trennte. 1938 zogen die Nazis sie hoch, die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Moritz Reichel und die anderen Azubis verputzen die Fugen neu, auf der Oberseite der Mauer setzen sie außerdem Nachbildungen jener Steine, die hier einst gelegen hatten.

Es ist eine von sieben Stationen in der Gedenkstätte, an denen in dieser Woche Auszubildende arbeiten. Ein paar Meter weiter verlegen junge Männer Steine am Baum direkt vor Turm A, im ehemaligen Industriehof bauen Zimmerer-Azubis an einer Holztür für eine der alten Garagen. Etliche der anderen Türen sind in den vergangenen Jahren bereits ausgetauscht worden. Denn nicht zum ersten Mal arbeiten Azubis im einstigen Konzentrationslager: Seit 1994 gibt es das Projekt „Lernen und Arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen“. Jedes Jahr kommen dabei Bremer Berufsschüler und Azubis aus dem Hennigsdorfer Oberstufenzentrum nach Sachsenhausen, um an Türmen, Türen oder Mauern zu arbeiten und sie so zu erhalten. 25 Bremer und acht Brandenburger Auszubildende der Fachrichtungen Farbtechnik, Tischlerei, Bautechnik und Gebäudereinigung arbeiten in dieser Woche im Lager.

Auch ein neues Tor für die ehemaligen Garagen entsteht. Quelle: Enrico Kugler

Die Idee hatte Hans-Joachim Gries, Mitte der 1990er-Jahre Leiter des Schulzentrums an der Alwin-Lonke-Straße in Bremen. Damals wütete der rechte Mob, es gab Anschläge in Mölln, Solingen oder Rostock-Lichtenhagen. Gries wollte etwas tun. „Im Weser-Kurier habe ich dann gelesen, wie sanierungsbedürftig die Gedenkstätte in Sachsenhausen war“, erinnert sich der 72-Jährige. Und so fuhr er mit seinen Schülern jedes Jahr nach Oranienburg, um ihnen die Schrecken der Nazizeit vor Augen zu führen. Gleichzeitig können sie sich handwerklich in ihren Zunften weiterentwickeln.

Seit 1998 helfen im Rahmen einer Schul-Kooperation auch die Hennigsdorfer Azubis mit. Neben der Arbeit im Lager gibt es auch Rundgänge, damit die jungen Leute etwas über Nationalsozialismus und Rechtsextremismus zu lernen. „Wer hier am Ende rausgeht“, sagt Gries, „der hebt garantiert niemals den Arm.“ Das glaubt auch Henriette Fritzke, Lehrerin für Holztechnik am Hennigsdorfer Oberstufenzentrum, die die Schüler vor Ort anleitet. „Wir können hier niemanden bekehren, aber die jungen Leute setzen sich intensiv mit dem Thema auseinander und denken auch darüber nach“, sagt die Lehrerin.

Am Baum vor dem Turm A pflastern die Azubis eine Baumeinfassung. Quelle: Enrico Kugler

Für sie ist es außerdem wichtig, dass Azubis aus West- und Ostdeutschland gemeinsam ein Projekt angehen. „Das funktioniert hier jedes Jahr gut“, sagt Fritzke, die selbst Führungen in der Gedenkstätte macht. Alle Berufsschüler nehmen freiwillig an dem Projekt teil, die Bremer Teilnehmer zahlen einen Eigenbeitrag von 120 Euro. Die übrigen Kosten werden über Spenden von Innungen, Kammern und Preisgeldern finanziert. Die Brandenburger Schüler indes werden vom Hennigsdorf-Veltener Bildungsverein und aus Preisgeldern unterstützt. Einen emotionalen Höhepunkt gibt es heute: Der KZ-Überlebenden Leon Schwarzbaum (97) wird den jungen Leuten von der schlimmsten Zeit seines Lebens erzählen.

Von Marco Paetzel

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