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Oranienburg Mit Ölkanne und Zelt auf der Schwalbe nach Usedom
Lokales Oberhavel Oranienburg Mit Ölkanne und Zelt auf der Schwalbe nach Usedom
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16:56 28.06.2019
Die Schwalbenfans vom Club Zweitaktkombinat Oberhavel stehen am Start – so wollen sie zur Ostsee tuckern. An Bord ist auch das Werkzeug-Set. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Die Nase im Wind und ein rhythmisches Knattern vom Simsonmotor im Ohr – das ist, was die Mopedfans vom Club Zweitaktkombinat Oberhavel so lieben. Nächste Woche von Freitag bis Sonntag planen sie eine Tour von Oranienburg bis nach Ückeritz auf Usedom. Dafür haben sich die zwölf Oranienburger extra Urlaub genommen.

Und die Tour kann dauern. Nicht nur, weil die Simsonfans über die Dörfer fahren wollen, vorbei an Zehdenick, Lychen, Woldeg, Neubrandenburg und Anklam. „Unsere guten alten Maschinchen fahren aufgrund ihrer drei PS höchstens 65 Kilometer pro Stunde, allerdings unbeladen“, sagt Soldat Brian Nickel (29). Also dürften die rund 240 Kilometer bis zur Insel noch langsamer „abgetuckert“ werden. Denn neben Zelt und Schlafsack ist auch immer die Ölkanne mit „On Tour“.

Zündung an und den Tacho fest im Blick – Schwalbefahren ist laut den Mitgliedern vom Zweitaktkombinat cool. Quelle: ENRICO KUGLER

Denn wie früher der Trabi fährt der „Schnakehetzer“, wie die Mopeds von der älteren Generation auch liebevoll genannt werden, mit einem 1:50-Gemisch aus Benzin und Öl. Und weil es das Gemisch an der Tanke nicht mehr gibt, müssen die Oldtimerfans (die meisten fahren eine Schwalbe vom Simsonhersteller) selber mischen. Etwa acht Liter passen in den Tank und reichen für rund 350 Kilometer. Das wichtigste auch vor der Tour: Tank checken. Denn die Schwalben haben keine Tankanzeige. Auch ein Klein-Ersatz-Teile-Set samt Zündkerzen, Schraubenschlüssel und Glühlampen fährt immer mit, falls die Oldtimer mal schlapp machen.

„Wir rechnen mit einer Fahrzeit von etwa sechs Stunden. Alle 60 bis 70 Kilometer machen wir eine Pause, um den Ölstand zu checken“, sagt Industriemechaniker Christian Guske (36): „Diese Gemütlichkeit beim Fahren, das Fahrgefühl – das ist es, was ich am Schwalbe-Fahren so mag“, sagt Christian Guskes Frau Julia (33). Sie habe sogar von ihrer roten Schwalbe noch die Originalpapiere. „Das ist schon etwas Besonderes“, meint Christian. Denn früher zu DDR-Zeiten hatte fast jeder auf dem Dorf eine Schwalbe und wenn sie den Besitzer wechselte, war das meistens ohne Papiere.

Falls die Schwalbe unterwegs schlapp macht, ist nicht nur bei Christian Guske ein Reparatur-Set immer mit an Bord.   Quelle: Jeannette Hix

Sein gelbes Maschinchen habe er sich selbst aus Originalteilen zusammengebaut. Mit 14 sei er damals wie alle jungen Dörfler mit der Schwalbe durch den Wald gefahren. Am 18. März 2018 hatte Schwalbenfan Robert Böttcher (31) den Club gegründet. „Eigentlich haben wir vorher schon immer alle zusammen mit unseren Schwalben Ausfahrten unternommen“, sagt der Kfz-Meister, der für seine Frau Nicole (31) eine Schwalbe Baujahr 1981 aufgebaut hat. „Er hat mir sogar den Wunsch erfüllt, die rote Maschine in ihrer Originalfarbe Billardgrün umzuspritzen“, sagt Nicole.

Auch die schwarze AWO 425 von 1955 ist ein echter Hingucker. Quelle: ENRICO KUGLER

In Christian Guskes Werkstatt schrauben die Clubmitglieder in jeder freien Minute an ihren Maschinen. „Meine Schwalbe ist 30 Jahre im Familienbesitz“, sagt Sebastian Wulff. Sein Zweitakter wurde 1986 gebaut und stand nach der Wende im Schuppen rum. Bis Basti seine Liebe dafür entdeckte. „Mit den anderen vom Club haben wir sie aus Originalteilen wieder zusammengebaut und in der originalen Farbe Biberbraun lackiert. Schön ist, dass die Technik so simpel ist, dass man selbst damit klar kommt.“ Eines ist für die Schwalbenfans klar – dieses Wochenende geht’s nach Vietznitz zum Simson-Treffen. Nicht nur, um Gleichgesinnte zu treffen, sondern auch, um Teile zu ergattern.

Von Jeannette Hix

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