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Oranienburg Der Familiensportverein zieht aus
Lokales Oberhavel Oranienburg Der Familiensportverein zieht aus
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01:15 30.12.2018
Auch Vereinschef Jens-Uwe Grande packte beim Auszug mit an. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Es ist 10.30 Uhr, als der Lieferwagen am Donnerstag das erste Mal vollgeräumt ist. Auf der Ladefläche stehen Stühle, Tische, Trimm-Dich-Räder. Jens-Uwe Grande steht vor dem Leih-Transporter, lächelt bitter. „Die Bürger haben verloren, die Stadt hat gewonnen“, sagt der Chef des Familiensportvereins Oberhavel. Gestern räumte er mit einem knappen Dutzend Vereinsmitgliedern den Standort im Lindenring aus, zum Ende des Jahres hat er den Mietvertrag mit der Stadt aufgelöst.

Das Gebäude müsste dringend saniert werden

Sieben Jahre lang hatte der Verein Sporträume und Geschäftsstelle im Lindenring. Rund 260 Kinder und Erwachsene könnten vom Verein nicht mehr betreut werden, erklärt Jens-Uwe Grande. Der Auszug ist das wohl letzte Kapitel im Streit des Vereins mit der Oranienburger Stadtverwaltung. Grande hatte zuletzt immer wieder den desolaten Zustand der ehemaligen Kita moniert. Unter anderem gebe es Mängel an Schornstein und Sanitäranlagen, das Dach sei im schlechten Zustand, es gebe Risse in der Wand, kaltes Wasser in Waschräumen und Duschen, die als Abstell-Ecke dienten. Das Schlimmste sei aber die Elektrik. „Die ist steinalt, vor allem die Relais“, sagt Grande. Rund 10 000 Euro habe der Verein in das Haus investiert. Doch es bräuchte weitaus größere Summen, um die Sporträume gründlich zu sanieren. Dabei fühlt sich Grande von der Stadtverwaltung im Stich gelassen.

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Die Räume sind nun leergeräumt. Quelle: Enrico Kugler

Das will Gilbert Collé, Sprecher der Stadt, so nicht gelten lassen. „Die Räume, die der Verein genutzt hat, sind – da sind sich Stadt und Verein einig – nicht für die Nutzung als Sportstätten geeignet.“ Sie seien dem Verein deshalb, mietfrei und gegen Zahlung der Betriebskosten, auch nur für die Geschäftsstelle und das Vereinsheim überlassen worden. „Die Nutzungserweiterung durch den Verein fand ohne Zustimmung durch die Stadt statt“, so Collé, der auf die Sportkurse anspielt, die es dort gab.

„Kein Zeichen von weitsichtiger seriöser Planung innerhalb des Familiensportvereins

Und er legt nach: Offenbar habe der Verein bei der Unterzeichnung des Aufhebungsvertrages für das Mietverhältnis Pläne gehabt, eigene Räume zu kaufen. „Dass sich diese Pläne offenbar zerschlagen haben, und man sich nun kurz vor Jahresende kurzfristig wieder an die Stadt wendet und dieser den schwarzen Peter in die Schuhe schieben will, ist zumindest kein Zeichen von weitsichtiger seriöser Planung innerhalb des Familiensportvereins.“

Ein Dutzend Vereinsmitglieder halfen beim Auszug. Quelle: Enrico Kugler

Was nun aus dem Haus im Lindenring wird, ist unklar. „Allerdings liegen die Prioritäten der Stadt derzeit auf der dringend notwendigen Sicherung und Erweiterung von Kitas- und Schulkapazitäten, so dass kurzfristig keine Ressourcen zur Sanierung zur Verfügung stehen“, erklärt Gilbert Collé. In Oranienburg gebe es aber einen wachsenden Bedarf an Flächen der sozialen Infrastruktur, so dass das Gebäude mittelfristig ganz sicher weiter genutzt werde.

Eine Lagerfläche hat der Verein gefunden

Auch beim Familiensportverein mit seinen rund 1000 Mitgliedern ist unklar, wie es weitergeht: Ein neues Domizil für das Training hat Jens-Uwe Grande noch nicht gefunden. Seine Einrichtung lagert der Verein nun auf einem Oranienburger Gewerbehof ein. „Die Hoffnung, dass wir etwas finden“, sagt der Vereinschef, „die stirbt zuletzt.“

Von Marco Paetzel