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Oranienburg „Der Unterricht mit euch war ein innerliches Blümchenpflücken“
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Oranienburg: „Der Unterricht mit euch war ein innerliches Blümchenpflücken“

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17:21 20.06.2021
Der komplette Abiturjahrgang des Jahres 2021 vor dem Eingang des Gymnasiums.
Der komplette Abiturjahrgang des Jahres 2021 vor dem Eingang des Gymnasiums. Quelle: Foto: Robert Roeske
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Oranienburg

Auch wenn Corona vieles auf- und angehalten hat: „Nichts konnte die Lehrer stoppen, euch mit Aufgaben und Tests und Prüfungen einzudecken“. Die Zeit war also gleich doppelt schwer, sagte die Leiterin des Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg am Sonnabend zu den Abiturienten. 80 von ihnen erhielten am Nachmittag ihr Zeugnis.

Um geltende Regeln wie die Abstände einhalten zu können, waren zwei Durchläufe in der Sporthalle der Schule eingeplant worden. Und dass bei drückenden Temperaturen um die 35 Grad Celsius auch während der gut 70-minütigen Veranstaltung die Masken nichts abgesetzt werden durften, schmeckte nicht jedem der Angehörigen, die ihre Kinder, Geschwister, Enkel und Neffen an diesem großen Tag begleiteten. „Guck mal, jetzt gilt das wohl nicht mehr“, kommentierte eine Besucherin, dass es sich die Schulleiterin – Corona hin, Corona her – nicht nehmen ließ, jeder Schülerin und jedem Schüler bei der Zeugnisübergabe kräftig die Hand zu schütteln.

Pensum bewältigt

Trotz der schwierigen Zeit, die nun schon seit 15 Monaten andauert, haben es die Schüler geschafft, ihr Pensum zu bewältigen, lobte Schiebe. Und nun am Ende der Schulzeit gibt es den verdienten Erfolg in Form des Abiturzeugnisses. „Jetzt beginnt das lebenslange Lernen, das euch begleiten wird. Ergänzt um Lebenserfahrung, die ihr mit den Jahren sammeln werdet“, sagte sie und forderte: „Bleibt euch selbst treu.“ Zweifel, dass das ihren Schützlingen glücken werde, habe sie nicht. „Ich habe immer eure Ruhe bewundert, wenn ich im vergangenen Jahr zum zehnten Mal an einem Tag um die Ecke kam und euch an die Abstandsregeln erinnert habe.“

Glatter Einser-Durchschnitt

Neben den Zeugnissen wurden auch einige Ehrungen vergeben. So erhielt Alexander Rabe eine Auszeichnung für seinen Notendurchschnitt: Er hat einen 1,0 erreicht. Aber nicht nur mit ihm, sondern mit dem gesamten Jahrgang habe es Spaß gemacht, fasste es Ralf Tschammer für sich selbst und die anderen Lehrer zusammen: „Es war mir ein innerliches Blümchenpflücken, mit euch Unterricht zu machen“, schmunzelte er.

Aus den Reihen derer, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen, sprach Mascha Wienandi zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. „Wir haben uns immer als Jahrgang erkannt“, sagte sie. „Und den größten Teil unseres Lebens in der Schule verbracht. Aber wir waren ja auch nie älter als gerade heute.“ Und neben dem Stoff, den es zu pauken galt, konnte auch die eine oder andere nützliche Erfahrung gemacht werden.

„Für den Deutschunterricht sollten wir Bücher lesen“, erzählte die 17-jährige aus dem Schulalltag. Was aber keineswegs mit dem Lesen von Büchern im Deutschunterricht gleichzusetzen sei. Es sei schade, dass die Zeit nun vorbei sei und man nun „mit keinem Bein mehr in der Oberstufe“ stehe. Jetzt beginne der Ernst des Lebens – und auf den freue man sich, sage sie stellvertretend für den Jahrgang. Insgesamt sei der Jahrgang, betonten Schulleiterin Gabriele Schiebe und ihre Kollegen, als ein besonderer Erfolg zu werten. Besonders deshalb, weil die Bedingungen und das ganze Drumherum doch als recht erschwert eingestuft werden müssen. Nicht nur, dass es wie in jedem Jahr zum Ende der elften Klasse hin viele Vorhaben für das im Spätsommer beginnende letzte Schuljahr gab, von denen kaum etwas umgesetzt werden konnte. Selbst die geplanten Klassenfahrten blieben wegen der Pandemie auf der Strecke.

Erfolgreich bei Wettbewerben

Auch die Umstellung beim Vermitteln des Lehrstoffes über die Schulcloud habe viel Engagement erfordert, das Schüler und Lehrerschaft gleichermaßen aufzubringen hatten. Dennoch finden sich auch in den Reihen der diesjährigen Abiturienten viele, die darüber hinaus erfolgreich bei Debattierwettbewerben, Mathematik- und Physikmeisterschaften teilgenommen haben.

Von Björn Bethe