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Oranienburg Ein Leben, um anderen zu helfen
Lokales Oberhavel Oranienburg Ein Leben, um anderen zu helfen
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20:06 02.07.2019
Die MAZ hatte ihre Arbeit schon vor Jahren gewürdigt. Quelle: ENRICO KUGLER
Oranienburg

„Der schönste Dank ist, wenn man anderen Menschen mit seiner Arbeit helfen kann.“ Das sagt Jana Baumgartl (79) bescheiden. Seit 2001 Jahren ist die Oranienburgerin stellvertretende Außenstellenleiterin vom gemeinnützigen Opfer­hilfe­verein Weißer Ring Oberhavel. Der Weiße Ring hilft Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind. Vielen Menschen hat sie in der langen Zeit schon geholfen. Frauen, die von ihrem Mann verprügelt wurden, Kinder, die sexuellen Missbrauch erfahren mussten oder Storking-Opfer, die Monate Tag und Nacht tyrannisiert wurden.

Ein Zufall hat sie auf den Weißen Ring aufmerksam werden lassen

Durch einen Zufall ist Jana Baumgartl einst auf diese wichtige, ehrenamtliche Tätigkeit beim Weißen Ring aufmerksam geworden. „Ich wollte für einen Bekannten etwas bei der Stadt Oranienburg erledigen“, erinnert sich die studierte Juristin. Damals saß ein Teil der Kollegen von der Verwaltung noch in Baracken im Schlosspark.

Viele Auszeichnungen haben ihre Arbeit gewürdigt. Quelle: Enrico Kugler

Doch auch der damalige Außenstellenleiter vom Weißen Ring war vor Ort und die zwei Juristen kamen ins Gespräch. „Er hat mir von seiner Arbeit über den Weißen Ring erzählt und gefragt, ob ich nicht auch Lust und Zeit hätte, ehrenamtlich mitzuarbeiten.“ Jana Baumgartl musste nicht lange nachdenken – sie füllt den Aufnahmeantrag aus. „Ich wollte anderen Menschen helfen. Denn durch meine Scheidung weiß ich aus persönlicher Erfahrung, wie dankbar man sein kann, wenn man zur rechten Zeit Hilfe bekommt.“

Privat sammelt Jana Baumgartl Glasvasen. Quelle: Enrico Kugler

Und vielen Menschen hat sie nicht nur mit einer Soforthilfe bis 300 Euro vom Weißen Ring helfen können, wie der Rentnerin, der die Rente gestohlen wurde. Unzählige Male hat sie auch Leute auf Ämter begleitet, um menschlichen Beistand zu leisten. So war einer Frau beim Sozialamt die beantragte Hilfe abgewiesen worden. „Doch nach genauem Nachfragen, war dann doch Hilfe möglich“, sagt Jana Baumgartl.

Finanzielle Soforthilfe ist möglich

Auch bei Gerichtsverhandlungen leistet sie seelischen Beistand. „Viele Opfer scheuen sich, bei Gerichtsverhandlungen dabei zu sein, weil alles wieder aufgewühlt wird“, sagt die Juristin.

Opfer sollten sich Hilfe holen und Erlebtes nicht „aussitzen“

Viele Gespräche hat sie mit dem niedergestochenen Pfleger geführt, den der verurteilte Mörder und Mädchen-Vergewaltiger Frank Schmökel im Oktober 2002 mit Messerstichen verletzt hatte (MAZ berichtete). Das Opfer hatte Schmökel zu einem Besuch zu seiner Mutter begleitet. „Ich erinnere mich, dass sich dieser Pfleger damals entsetzt gezeigt hat, dass jemand wie Schmökel überhaupt raus durfte, um seine Mutter zu besuchen. Alle hätten gewusst, dass Schmökel nur simuliere“, erinnert sich Jana Baumgartl.

Am Ende hat der Weiße Ring diesen Pfleger mit einer finanziellen Hilfe unterstützt, damit er einen Erholungsurlaub antreten kann. Gut anderthalb Jahre hat dieses Schmökel-Opfer gebraucht, um überhaupt wieder arbeiten gehen zu können.

Ablenkung vom schlimmen Schicksal anderer. Quelle: ENRICO KUGLER

Ob die Hilfe bewilligt wird, entscheidet, die Bundesgeschäftsstelle in Mainz auf Antrag. Auch die Eltern und Geschwister der seit 1997 verschollenen, damals hochschwangeren Maike Th. aus Leegebruch bekamen eine finanzielle Unterstützung vom Weißen Ring für einen Erholungsurlaub. Aufgrund von Indizien war Maikes Ex-Freund und seine Mutter 2016 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, obwohl die Leiche nie aufgefunden worden war (MAZ berichtete).

Doch wie wird man mit so schrecklichen Erlebnisschilderungen von Opfern fertig? „Vom Weißen Ring aus gibt es regelmäßig Zusammenkünfte, bei denen wir uns austauschen“, sagt Jana Baumgartl.

Helfer mit Herz und Verstand und etwas Zeit werden gesucht

Nach einem Grundseminar an einem Wochenende kann jeder bei einem Mitgliedsbeitrag ab 2,50 Euro Mitglied werden.

Auch regelmäßige Lehrgänge zu Themen wie Storking, sexuellem Missbrauch, häusliche Gewalt gibt es. Jana Baumgartl rät Opfern, nie „etwas auszusitzen“, sondern sich immer Hilfe zu holen.

So stünden zum Beispiel in der „Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle SEKIS“ in der Oranienburger Liebigstraße 4 viele Experten Opfern zur Seite. Dort gibt es auch ein Frauenhaus. „Viele Opfer suchen die Schuld anfangs bei sich. Oft ist der Weg der Erkennung lang, dass oft ein geliebter Mensch der Täter ist.“

Von Jeannette Hix

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