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Oranienburg Nach Kanalsperrung: Hohe Einbußen für Schiffseigner
Lokales Oberhavel Oranienburg Nach Kanalsperrung: Hohe Einbußen für Schiffseigner
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00:24 28.04.2019
Weil die Princess derzeit nicht den Oder-Havel-Kanal passieren kann, befürchtet das niederländische Schifffahrtsunternehmen Dutch Cruise Line Konkurs.
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Oranienburg

Die Sperrung im Oder-Havel-Kanal lässt Vertreter der Schifffahrtsgesellschaften immer besorgter werden. Denn mit jedem Tag haben sie erhebliche Einbußen zu verkraften. Sogar von Konkurs ist jetzt schon die Rede. Denn nichts geht mehr, seit am 4. April am Treidelweg südlich der Straßenbrücke nach Lehnitz im Oder-Havel-Kanal zwei Bombenverdachtspunkte ermittelt wurden. Doch jetzt scheint eine Lösung in Sicht.

Aus Verzweiflung hat sich jetzt das niederländische Schifffahrtsunternehmen Dutch Cruise Line an Bürgermeister Alexander Laesicke (39, parteilos) gewandt: „Jetzt sind wir, so wie viele nationale und internationale Schifffahrtskollegen und dessen Zulieferanten, nicht nur schwer getroffen durch diese Sperre, wir sind (möglicherweise) auch in der Existenz bedroht“, heißt es in einer Mail an Bürgermeister Laesicke.

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Die Kapitäne Ramino (l.) und Kevin Romeijnders müssen hohe finanzielle Einbußen verkraften. Quelle: Dutch Cruise Line

Cor Giljam, Geschäftsführer der Dutch Cruise Line zur MAZ: „Sicherheit wird auch bei uns groß geschrieben. Um unsere Passagiere nicht zu gefährden, würden sie vor der Absperrstelle in einen Bus umsteigen und nach der Absperrstelle könnten sie wieder an Bord gehen. Wir würden auch den Bus besorgen. Denn unsere Passagiere haben schon lange die Tour von Berlin nach Stralsund gebucht und eine Umfahrung ist nicht möglich.“

Auf dem Oder-Havel-Kanal fahren für das niederländische Unternehmen sowohl die MS Princess als auch die MS Brahms. Teilweise hat das auf Flusskreuzfahrten spezialisierte Unternehmen die Schiffe auch bereits an andere Reiseveranstalter verchartert, so dass nun auch Schadensersatzansprüche auf das niederländische Unternehmen zukommen könnten. Cor Giljam: „Die Planung für 2019 steht lange fest. Auch liegen unsere Schiffe mit einem Tiefgang zwischen 1,10 und 1,40 Meter lange nicht so tief wie Lastkähne. Wir könnten die Strecke mit minimaler Geschwindigkeit und nur mit einer Notbesatzung befahren.“

Höhe des Treidelwegs südlich der Straßenbrücke nach Lehnitz hat sich im Oder-Havel-Kanal der Bomben-Verdacht erhärtet. Quelle: Robert Roeske

Bei der Stadt Oranienburg hat man durchaus Verständnis für die Sorge der Schifffahrtsgesellschaften. Bürgermeister Laesicke: „Mit großer Wahrscheinlichkeit befinden sich am Treidelweg zwei 500-kg-Bomben, die jederzeit auch ohne äußere Einflüsse detonieren können. Um Leib und Leben zu schützen, sind wir deshalb gezwungen, den Empfehlungen des KMBD zu folgen und den unmittelbaren Gefahrenbereich zu sperren. Uns ist aber bewusst, dass die Sperrung der Wasserstraße gravierende Folgen hat.“

Deshalb haben die Stadt, der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) und das Wasser- und Schifffahrtsamt unter Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, unter welchen Bedingungen die Schifffahrt kurzfristig doch realisierbar wäre.

Ab Anfang Mai könnte der Schifffahrtsverkehr wieder eingeschränkt aufgenommen werden. Darauf haben sich jetzt die Stadt Oranienburg, der KMBD sowie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung verständigt.

Jetzt soll eine zweilagige Container-Splitterschutzwand auf dem Uferstreifen errichtet werden. Verläuft die Maßnahme erfolgreich, könnte die Durchquerung eingeschränkt von montags bis donnerstags vor 7 und nach 17 Uhr möglich sein, freitags bis sonntags sowie an Feiertagen ganztags. Denn an der restlichen Zeit wird die Bombensuche fortgesetzt.

Fakt aber ist: Sobald die Freilegung der Bomben beginnt, wird der Schifffahrtsverkehr wieder komplett unterbrochen.

Von Jeannette Hix