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Oranienburg Nach Bombenfund in Oranienburg: Kanal wochenlang gesperrt
Lokales Oberhavel Oranienburg Nach Bombenfund in Oranienburg: Kanal wochenlang gesperrt
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01:15 08.04.2019
Der Oder-Havel-Kanal ist seit Freitagmittag gesperrt. Quelle: Robert Roeske
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Oranienburg

Glenn Fröhlich lässt den Blick über das Wasser schweifen legt die Stirn in Falten. „Das ist krank, was hier passiert“, sagt der Chef des Wassersportzentrums Oranienburg. An diesem Freitag wird der Kanal gesperrt, gegenüber von Fröhlichs Grundstück wurde aller Wahrscheinlichkeit nach eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Am Donnerstag wurde der besonders gefährdete Bereich geräumt, es ist die Kleingartenanlage südlich der Lehnitzstraße und der Wasserweg zwischen Haveleck und Brücke. Die Freilegung des Verdachtspunktes könne voraussichtlich frühestens Ende Mai erfolgen.

Glenn Fröhlich findet die Suche nach Bomben richtig, er kann aber nicht verstehen, warum es so lange dauern soll. Immerhin sei Gefahr durch die Bombe im Verzug, der Zünder könne durch die Suche ja in Bewegung geraten sein. „Und hätten sie nicht wenigstens den halben Kanal offenlassen können?“ Für den Wassersport in Oranienburg sei das eine Katastrophe, genau wie für die ganze Schifffahrt. „Die müssen jetzt über Eisenhüttenstadt fahren, das sind fünf Tage Umweg“, schimpft Fröhlich. 20 Kanus und Kajaks liegen auf seinem Grundstück, sie bleiben in den nächsten Wochen ungenutzt. Entschädigt werde das Wassersportzentrum dafür nicht.

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Hafenmeister Glenn Fröhlich ist sauer. Quelle: Robert Roeske

Auch Hans-Jürgen Golz ist betroffen. Eigentlich wollte der Rentner in diesen Tagen Blumen und Gemüse säen, seine 630-Quadratmeter-Scholle schön machen. Doch am Donnerstag musste der Anlieger im Treidelweg alle wichtigen Dinge zusammenpacken, in den kommenden Wochen kommt er nicht auf sein Grundstück. „Das ist ein dummes Gefühl ohne meinen Garten. Gerade im Frühling“, sagt der 76-Jährige.

Die Suche geht noch weiter

Das Grundstück gehört zu seinem Leben, vor 70 Jahren hatte sein Vater die Scholle gepachtet. Golz pflegt sie weiter. Die Suche auf seinem Grundstück habe Ende 2018 begonnen, und sie sei auch nach der Sperrung noch nicht abgeschlossen. In seinem massiven Gartenhaus sowie auf der Terrasse müsste gebohrt werden, um auszuschließen, dass sich darunter Bomben befinden. Wann es aber so weit ist, und wer die Kosten für die Reparatur der Bohrlöcher übernimmt, darüber habe den Rentner noch niemand informiert.

Die Kleingartenanlage ist komplett gesperrt und geräumt. Quelle: Robert Roeske

Sylvia Holm, Leiterin des Oranienburger Ordnungsamtes, erklärt, man arbeite so schnell wie möglich. „Wie müssen klären, wie die Materialien angefahren werden, wie das Wasser an der Fundstelle wegkommt und wohin es geleitet wird“, so Holm. Dass die komplette Wasserstraße gesperrt werde, erklärt sie damit, dass es so wenig Vibrationen wie möglich geben dürfe. Ob und wie die Anlieger auch für Schäden, die im Zuge der Bombensuche entstehen, entschädigt werden, das sei immer eine Einzelfallentscheidung.

Von Marco Paetzel