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Oranienburg Rollstuhlfahrer stürzt schwer – nun verklagt er die Stadt
Lokales Oberhavel Oranienburg Rollstuhlfahrer stürzt schwer – nun verklagt er die Stadt
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01:17 26.04.2019
Rollstuhlfahrer Thomas Peter bricht sich bei diesem Sturz ein Bein. Jetzt will er die Stadt Oranienburg verklagen. Quelle: PRIVAt
Oranienburg

Jetzt ist er passiert – der von den Anwohnern schon lange befürchtete Unfall. Rollstuhlfahrer Thomas Peter (54) aus der Joseph-Haydn-Straße im Musikerviertel ist schwer gestürzt und hat sich dabei einen Beinbruch zugezogen. Auch andere Anwohner sollen auf dem von der Stadt aufgetragenen Recyclingmaterial schon ausgerutscht sein und sich verletzt haben.

Die mit der Schotterschicht aufgeschütteten Straßen im Musikerviertel seien zu scharfkantig, zu rutschig und zu staubig. Darüber hinaus ist der Straßenbelag inzwischen so hoch aufgeschüttet, das die niedrig liegenden Grundstücke bei Starkregen volllaufen sollen.

„Aus meiner Rollstuhl-Perspektive konnte ich das Loch nicht sehen.“

Es war der 14. April gegen 16.30 Uhr, als Thomas Peter mit seiner Frau und dem Hund auf Gassi-Tour im Musikerviertel unterwegs war. Als der Hund die Richtung wechselt, fährt Thomas Peter hinterher, um den Hund anzuleinen. „Plötzlich versinkt mein Rollstuhl in einem tiefen Loch. Ich bin vorneüber gekippt und aus meinen Rollstuhl gefallen. Aus meiner Perspektive heraus, konnte ich das Loch gar nicht sehen.“

>> Rollstuhlfahrer bleibt stecken und ruft um Hilfe – doch alle gehen vorbei

Hilflos liegt Thomas Peter auf der Straße, weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. In Panik versucht seine Frau Nachbarn zu erreichen, was schließlich auch gelingt. Gemeinsam hieven sie Thomas Peter in den Rollstuhl, machen geistesgegenwärtig noch ein Foto als Beweis. Der nach Hause gerufene Bereitschaftsarzt nimmt den Fall zwar auf, ordnet aber keine Röntgenuntersuchung an. „Doch dann wurden die Schmerzen so stark, dass wir ins Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn gefahren sind“, sagt Thomas Peter.

Auch andere Anwohner sollen schon gestürzt sein

Nach dem Röntgen wird klar: Thomas Peter hat einen doppelten Schienbeinbruch – fatal für den querschnittsgelähmten Mann, der auch noch an der Bluterkrankheit leidet. Eine Schiene soll nun die Heilung des Bruchs unterstützen. „Zum Glück ist es ein glatter Bruch. Der Arzt sagt, dass ich diese Schiene mindestens zehn Wochen tragen muss“, sagt Thomas Peter.

Für den Angestellten, der in Berlin Lichtenberg beim Ordnungsamt tätig ist, steht fest – er wird die Stadt Oranienburg auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagen. Denn die bereits gebuchte Reise kann er nun auch nicht antreten. „Ich habe den Vorfall bereits einem Fachanwalt für Unfallversicherungsrecht übergeben“, sagt Thomas Peter.

Reinald Radtke zeigt das aufgeschüttete hohe Straßenniveau – bei Starkregen sollen anliegende Grundstücke volllaufen. Der Rentner gibt an, schon zweimal auf dem scharfkantigen Straßenbelag ausgerutscht zu sein und sich das Knie verletzt zu haben. Quelle: Jeannette Hix

Auch Reinald Radtke (67) aus der Schubertstraße im Musikerviertel, erwägt, bei der Stadt Schmerzensgeld zu beantragen. „Ich bin auf der Schotterstraße schon zweimal in ein tiefes Loch getreten, was vorher nicht sichtbar war. Mein Knie ist so stark geschwollen, dass ich in die Asklepios-Klinik nach Birkenwerder gefahren bin“, sagt Reinald Radtke. Obwohl der Unfall bereits im Februar passiert war, schwillt das Knie immer noch schon bei leichter Belastung an. „Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob nicht doch ein Band gerissen ist.

Auch seine Nachbarin Christel Löffler (84) aus der Weberstraße soll bereits einen Schaden durch den scharfkantigen Belag erlitten haben, Radfahrer gestürzt sein. „Ich habe mir von meinem Rollator einen Reifen kaputt gefahren“, sagt die Rentnerin.

Christel Löffler (84) aus der Weberstraße zeigt den kaputten Reifen ihres Rollators – der scharfkantige Straßenbelag soll schuld sein. Quelle: Jeannette Hix

Die Stadt bedauert den Unfall. Stadt-Sprecher Gilbert Collé: „Uns liegen keine Informationen vor, dass es Unfälle gegeben hat. Es wurde aber bereits auf Antrag der Stadtverordneten ein Gutachten bezüglich des Straßenbelages erstellt. Nun muss generell geprüft werden, um nicht gegen die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und der Sparsamkeit zu verstoßen und rechtswidrig zu handeln.“

Von Jeannette Hix

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