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Oranienburg Vom Neonazi zum Kinderpastor
Lokales Oberhavel Oranienburg Vom Neonazi zum Kinderpastor
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00:24 02.05.2019
Über sein bewegtes Leben hat Oliver Schalk ein Buch geschrieben. Quelle: Robert Roeske
Oranienburg

Alkohol, Kokain, Knast – Der Teufel hat für Oliver Schalk viele Fratzen. „Und ich wusste, dass er mich zerstören wollte“, sagt der 54-Jährige heute. Am Freitagabend steht der Ex-Hooligan und Ex-Neonazi auf der Bühne im Christlichen Jugendzentrum Oranienburg (CJO), wo er den jungen Leuten aus seinem Leben erzählt. Eine Geschichte, so außergewöhnlich und wundersam, dass sie in dem Buch „Der Hooligan: Fußballfan, Punker, Neonazi – eine wahre Geschichte aus Berlin-Köpenick“ niedergeschrieben ist. Oliver Schalk tourt mit seiner Geschichte durch Schulen, Gefängnisse, soziale Einrichtungen. Jeder ist wertvoll, man muss sich keiner Gruppe unterordnen. Erst recht nicht Hooligans oder Neonazis. Das ist seine Botschaft. „Man wird geliebt, egal wie man ist“, sagt Oliver Schalk. Er hat in der Religion seinen Weg gefunden, arbeitet heute als Kinderpastor.

Geboren in der grauen DDR

1964 wird Oliver Schalk im grauen Ostberlin geboren. Der Beton von Berlin-Köpenick ist nichts für ihn. „Ich war immer ein bunter Vogel, war süchtig nach Anerkennung.“ Als Schalk zehn Jahre alt ist, verlässt sein Vater die Familie und kommt nie wieder. Eigentlich eine gute Nachricht, denn der Vater soff, immer wieder rutschte die Hand aus. Doch Oliver Schalk fehlte er trotzdem. „Er war nunmal mein Papa.“ Der verlassene Sohn tut es seinem Vater gleich, leert schon mit 15 Jahren das erste Bier in der Hofpause.

Er gerät in die Hooliganszene des Stasi-Clubs BFC Dynamo Berlin. Nach den Spielen veranstalten die Chaoten immer ihre dritte Halbzeit – Massenschlägereien. „Die Hooligans wurden gehasst und haben sich auch mal gegen das Vierfache an Leuten gestellt. Das fand ich cool“, sagt Oliver Schalk. Er trinkt jetzt auch Wodka, tingelt durch die Stadien der DDR, ist bei jeder Schlägerei dabei. Dreimal landet Schalk im Gefängnis, zweimal davon wegen Republikflucht. Die Zeit im Jugendhaus in Dessau prägt ihn. „Im Knast bin ich ein richtiges Monster geworden.“

Kokain in der Hooligankneipe

Nach der Wende gründet er mit alten BFC-Kumpels einen illegalen Hooligan-Treffpunkt, gerät in den Kreis mafiöser Rocker der „Hells Angels“. Sieben Jahre lang ist Schalk schwerst kokainabhängig. Trost findet er in brachialer Neonazimusik, besucht Skinheadkonzerte. Auch das Hakenkreuz fasziniert ihn. „Dieses Rot und Weiß, die schwarzen Balken. Das war für mich die stärkste Form, Hass auszudrücken.“ Er marschiert bei Aufmärschen in Dänemark und Schweden mit, jagt Vietnamesen durch die Straßen von Marzahn und klaut ihnen Schmuggel-Zigaretten.

Anfang der 2000er-Jahre trifft er bei einem Motorrad-Event auf christliche Biker mit einem riesigen gelben Kreuz auf der Weste, die sein Interesse für Gott wecken. Der Präsident, ein Zwei-Meter-Hüne, backt ihm einen Pflaumenkuchen, schenkt ihm eine Bibel und betet für ihn. „Meinesgleichen konnte ich in die Augen schauen, sie lügen und betrügen. Diesen Leuten nicht. Sie hatten etwas und wussten, wer sie waren“, erinnert sich Schalk.

2002 ändert er sein Leben radikal

Es ist der Wendepunkt in Oliver Schalks Leben. 2002, als er eine Depression vortäuscht, um auf einer Kur im niedersächsischen Bad Gandersheim den Kopf wieder freizubekommen, fragt er Gott nach einem Zeichen. Oliver Schalk landet nach einem Waldspaziergang direkt vor einer Bibelschule. Er trifft einen der Schüler, der sich seiner annimmt. Schalk beschließt jetzt, sein Leben radikal zu ändern, wird tief religiös. „Ich war ein anderer Mensch.“ Ohne Reha wird er innerhalb weniger Wochen frei von Alkohol, Drogen, Gewalt, Hass. „Bis zum heutigen Tage bin ich nicht rückfällig geworden. Ein Wunder Gottes“, sagt Oliver Schalk.

Heute, 17 Jahre später, lebt er mit seiner Frau Andrea in Sassnitz auf Rügen, zusammen mit der christlich-sozialen Organisation „Jugend mit Perspektive“ (Jumpers) baut er ein Zentrum für Jugendliche auf. Die Schatten seiner Vergangenheit sind verschwunden, Leute aus seinem alten Umfeld drohen ihm nicht mehr. Das war in den Jahren nach seinem Ausstieg noch anders. „Sie wollten mir die Bremsschläuche durchschneiden oder mich wie Jesus unter einer Anzeigetafel im Stadion aufhängen“, erklärt er. Doch all das passiert nicht. Für Oliver Schalk grenzt auch das an ein Wunder. „Gott hat für jeden einen Plan. Und das war eben sein Plan für mich“, sagt der 54-Jährige.

Ein paar Jahre nach seinem Ausstieg rufen alte Weggefährten der rechten Szene gar bei ihm an, lassen sich christliche Feste wie Pfingsten erklären. Zwei von ihnen kann er gar von einem neuen Leben überzeugen. Sie finden auch zum Glauben, geben Drogen und Alkohol auf. Auch das, sagt Oliver Schalk, ist für ihn ein Wunder.

Von Marco Paetzel

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